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Künstler werden und nur das

Jose Luis Hinchado: „Quatro Caminos“.

(Juli 2013) Philosophieren wir mal ein bisschen über Gott und die Welt. Die Frage ist: Wird der Lebensweg für jemand eigentlich erleichtert, wenn er von Anfang an weiß, was er beruflich werden will? Oder hat er es vielleicht sogar schwerer als eine Person, die das nehmen kann, was kommt?

Jose Luis Hinchado wusste im Alter von 9 Jahren, was er wollte. „Er hatte ein Buch mit Arbeiten von Michelangelo gesehen und traf die Entscheidung, dass es Bildhauer sein musste“, schreibt uns seine Ehefrau Elena Yushkova.

Das ist an sich nichts Besonderes, denn alle Kinder haben Träume. Manche sehen sich als Feuerwehrmann, eine Zeitlang stand der Lokomotivführer hoch im Kurs, beliebt ist nach wie vor die Prinzessin.

Deshalb lassen gute Eltern ihre Kinder träumen, und so schickten Vater und Mutter Jose Luis zu einer Künstlergruppe, wo die Kleinen malen lernten, sich mit Theater und auch mit plastischem Gestalten versuchten.

Die Eltern hatten selber eine private Kunstsammlung.

Aber sie hatten auch das beste Restaurant in der Stadt Badajoz, und als ihr Sohn die Entscheidung traf, dass er Kunst studieren würde, waren sie nicht mehr so begeistert.

Jose Luis Hinchado: „Fingers“ (left), Portuguese marble. Right: „Finger of God“, granite, (with Elena Yushkova).

Als Ehefrau Elena, aus Russland stammend, und Jose Luis sich in Spanien begegneten, so schreibt sie uns, hätte er gesagt, dass er, „selbst wenn er das Geld für Essen nicht hätte, in die Berge gehen würde und Steine bearbeiten würde“. „Ich akzeptierte das“, fügt sie hinzu.

Im vergangenen Jahr bekam Jose Luis die Auszeichnung als Vollmitglied der Royal Academy of Fine Arts of Granada. Die letzten 25 Jahre hat er als Künstler gearbeitet, nachdem er an der Fine Arts Academy in Sevilla das Studium in Bildhauerei und Malerei abgeschlossen hatte.

Jose Luis Hinchado: „Dialogue between Brancusi and Picasso“, diabase.

Naturstein als Material hat bei seinen Arbeiten eine zentrale Bedeutung. Manchmal nimmt er einen Block so wie der aus dem Steinbruch kommt, arbeitet ihn hier nur ein bisschen nach, poliert ihn dort ein wenig.

Dann wieder fügt er Eisen dazu. Aus Eisen erstellt er auch eigenständige Arbeiten. Oder er lässt Wasser über ein rostiges Eisen laufen und schaut, wie das den Stein über die Zeit verändert. Oder er schneidet dünne Lamellen hinein, so dass das Material beim Anschlagen plötzlich einen Klang von sich gibt.

Aktuell hat er ein Faible für monumentale Skulpturen. Ein Beispiel ist das Werk „Quatro Caminos“ (Vier Wege) in Olivenza, einer Grenzstadt zu Portugal (siehe Foto ganz oben). Die Vorgaben waren detailliert: so sollte der geforderte Brunnen unter anderem die Freundschaft zwischen Portugiesen und Spaniern, den Kreuzungspunkt von 4 wichtigen Handelsstraßen sowie Charakteristisches der Region wiederspiegeln.

Jose Luis Hinchado: „Quatro Caminos“, Portuguese marble, (detail).

Jose Luis stellte 4 Säulen von 6 m Höhe aus portugiesischem Marmor auf, jede aus 3 einzelnen Stücken zusammengesetzt. Düsen sprühen Wasser, so dass Tröpfchenwände die Säulen verbinden. Der Stein trägt Symbole aus der Landwirtschaft, Elemente aus der arabischen Kunst sowie Darstellungen von Bauwerken aus der Gegend.

Jose Luis Hinchado: „Architecture book“, Carrara marble.

Eine seiner jüngsten Arbeiten ist der dicke Foliant mit dem Titel „Architektur“ auf dem Buchrücken. Dass das Buch wie ein Dach aufgeklappt daliegt und Schornsteine trägt, soll einerseits den Betrachter zum Schmunzeln bringen, und umgekehrt auch das Vergnügen zeigen, das Jose Luis bei seiner Arbeit hat.

Jose Luis Hinchado: „Travel books“, Portuguese pink marble.

Ein anderes Werk jüngeren Datums sind die „Travel Books“ (Reisebücher) aus portugiesischem Marmor.

Jose Luis Hinchado

Jose Luis Hinchado: „Head of Justice“, Corten steel (with Jose Luis Hinchado).

(05.07.2013)