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„TAFTA (TTIP) hätte einige positive Effekte für Steinfirmen, aber keine großen Auswirkungen“

Dr. Stefano Ghirardi. Foto: Confindustria Marmomacchine

(August 2013) Im Juli begannen die Verhandlungen zwischen der EU und den USA über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen (Transatlantic Free Trade Agreement, TAFTA, auch: Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP). In den vergangenen Jahren hatte es bereits ergebnislose Versuche dazu gegeben. Der neuen Initiative räumen Experten bessere Chancen ein, weil eine Freihandelszone den schwächelnden Märkten beiderseits des Nordatlantiks Wachstumsimpulse geben könnte. Peter Becker von Stone-Ideas.com befragte dazu Dr. Stefano Ghirardi (*) von Confindustria Marmomacchine.

Stone-Ideas.com: Erwarten Sie von TAFTA große Auswirkungen auf europäische Natursteinfirmen?

Stefano Ghirardi: TAFTA hätte sicher ein paar positive Effekte, aber keine Folgen mit großer Tragweite. Der Grund ist, dass der Handel zwischen beiden Märkten eine lange Tradition hat und die Beziehungen sehr eng sind. Zum Beispiel betragen die Einfuhrzölle der USA für europäische Steinprodukte 4 % – mit einem Freihandelsabkommen und dann ohne diesen Zoll würden die Preise für US-Verbraucher also nicht wirklich deutlich fallen. Viel bedeutsamer für unseren Handel mit Nordamerika ist, wie es der Wirtschaft dort geht.

Stone-Ideas.com: Würden vielleicht italienische Steinfirmen Fabriken für die Verarbeitung in den USA errichten, so wie es im letzten Jahrzehnt in der Keramikindustrie passiert ist?

Stefano Ghirardi: Solche Ideen stehen nicht bei vielen Firmen auf der Agenda. Gleichwohl haben in den vergangenen Jahren ein paar italienische Unternehmen Steinbrüche in den USA gekauft, um nun Blöcke von dort zu exportieren und sie woanders zu verarbeiten.

Stone-Ideas.com: Und andersherum: würden vielleicht US-Firmen auf den europäischen Märkt drängen?

Stefano Ghirardi: Ich wäre froh, wenn die Amerikaner nach Europa kämen, denn freier Handel bedeutet freier Handel für alle. Aber TAFTA würde wohl auch für die Firmen auf der anderen Seite des Atlantiks die Situation nicht entscheidend verändern.

Stone-Ideas.com: Wie wichtig ist der US-Markt für die italienische Steinbranche?

Stefano Ghirardi: Im Jahr 2012 haben unsere Firmen Steinprodukte, Maschinen und branchennahe Erzeugnisse mit einem Gesamtwert von 335,7 Millionen € in die USA exportiert. Das war ein Wachstum von 22,2 % gegenüber dem Jahr zuvor. Für unsere Steinprodukte waren die USA der Markt Nummer eins und für unsere Maschinen der Markt Nummer fünf. Da die Kunden in den USA hohe Erwartungen an die Qualität der Produkte haben und Vertrauen in den Lieferanten für sie sehr wichtig ist, sind italienische Firmen dort sehr erfolgreich.

 

(*) Dr. Stefano Ghirardi war Präsident von Euroroc, dem Dachverband der nationalen europäischen Natursteinverbände. Er ist einer der stellvertretenden Präsidenten der italienischen Confindustria Marmomacchine sowie Besitzer und Geschäftsführer von Ghirardi Stone Contractors, einem 75-Jahre alten Unternehmen mit Sitz in Carpenedolo, Brescia, das für exklusive Steinprodukte und -arbeiten bekannt ist.

(07.08.2013)