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Katastrophaler Vulkanausbruch unweit des Vesuv vor 40.000 Jahren

Eruption des Vesuv in heutiger Zeit: am 26. April 1872, um 15 Uhr. Foto: Wikimedia Commons

(Juli 2013) Die alten Griechen vermuteten in der Gegend den Zugang zur Unterwelt, und der römische Dichter Vergil hat sie erstmals literarisch beschrieben: die „Campi Flegrei“, die phlegräischen Felder. In diesem rund 20 km vom Vesuv entfernten Gebiet, das auch heute noch eine hohe vulkanische Aktivität aufweist, ereignete sich vor etwa 40.000 Jahren ein katastrophaler Vulkanausbruch: Wahrscheinlich hat der „Kambrische Ignimbrit“, so die Fachbezeichnung des Ereignisses, die Lebensbedingungen in Europa und weltweit erheblich verschärft.

Belege für die Stärke des Ereignisses kannten die Forscher schon lange. Es waren dicke Ascheablagerungen in Süditalien und im östlichen Mittelmeer. Nun hat der Bayreuther Geomorphologe Dr. Ulrich Hambach in den Steppenlandschaften an der Unteren Donau in Rumänien ebenfalls eine Ascheschicht entdeckt – die ist aber unerwartet dick, nämlich einen Meter. Das zeigt, dass das Ereignis bis weit in die Russische Tiefebene Auswirkungen gehabt haben muss. Über die neuen Erkenntnisse und mögliche Schlussfolgerungen berichtet eine internationale Forschungsgruppe im Forschungsmagazin PLOS ONE (June 17, 2013).

Die mächtige Schicht liegt bis zu 10 Meter unter der Erdoberfläche, bedeckt von Löss-Sedimenten, die sich aus vom Wind herangewehten großen Staubmengen bildeten.

Wie die neuen Erkenntnisse zeigen, haben die Experten bislang die fatalen Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen unterschätzt.

Die Wissenschaftler haben nun die Vermutung, dass die natürlichen Trinkwassersysteme durch die Asche-Ablagerungen vergiftet wurden. In diesem Fall müssten Fluoridvergiftungen bei Menschen und Tieren und eine daraus resultierende Deformation der Knochen weit verbreitet gewesen sein. „In der anthropologischen Forschung ist man heute davon überzeugt, dass die Balkanregion eine geografische Schlüsselfunktion hatte, als anatomisch moderne Menschen nach Europa eingewandert sind“, erläutert Hambach. „Umso spannender ist deshalb die Frage, wie diese Prozesse durch die ökologische Katastrophe vor 40.000 Jahren beeinflusst worden sein könnten.“

An dem internationalen, interdisziplinären Forschungsprojekt „A Lower Danube Survey for Palaeolithic Sites“ sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der folgenden Einrichtungen beteiligt: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; Universität Bayreuth; Monrepos Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution (RGZM), Neuwied; Institute für Archäologie und Höhlenforschung der Rumänischen Akademie der Wissenschaften, Bukarest. An der in PLOS ONE veröffentlichten Studie haben auch Forscher der Babes-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca, Rumänien, mitgewirkt.

Forschungsprojekt „Lower Danube Survey for Palaeolithic Sites

Quelle: Universität Bayreuth

Dr. Ulrich Hambach, Geomorphologe an der Universität Bayreuth, vor der einen Meter dicken Schicht aus vulkanischer Asche im Steinbruch von Urluia in der Dobrudscha, einem Landstrich im Südosten Rumäniens. Foto: Dr. Ulrich Hambach(12.08.2013)