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Wie der Westturm des Mainzer Doms zu seiner neuen Sandsteinspitze kam

In 2 Teilen und in einer speziellen Hubkiste wurde die neue Turmspitze auf den Westturm des Mainzer Doms gehoben.

(August 2013) Eine der besonderen Herausforderungen war, den richtigen Stahl für den Sandstein und für die Witterungsverhältnisse in 86 m Höhe über dem Mainzer Dom zu finden. Denn es war der alte Ringanker gewesen, der die Misere an der Spitze des Westturms ausgelöst hatte: das Eisen war durch Wind und Wetter gerostet, hatte den Stein teilweise gesprengt und dazu geführt, dass die steinerne Haube von insgesamt 22 t Gewicht und 7,5 m Höhe ausgetauscht werden musste.

Groß war das Interesse der Bürger und der Medien.

Das geschah am 17. und 18. Juli dieses Jahres unter großer Anteilnahme der Mainzer Bürger und der Medien.

Aus dem Jahr 1774 stammte das Original. Ignaz Michael Neumann, Sohn des Würzburger Baumeisters Balthasar Neumann, hatte es errichtet. Im Rahmen der seit 2001 laufenden Domsanierung waren die Schäden festgestellt worden. 2011 wurde die Entscheidung getroffen, dem Westturm eine neue Haube zu verpassen.

86 m misst der Turm mitsamt der neuen Spitze.

Für die Demontage wurde die innen hohle und außen mit Engelsköpfen, Flammenvasen und Blumenornamenten reich verzierte Kegelform in ein Ober- und ein Unterteil aufgetrennt und von einem monumentalen Kran heruntergehoben. Genauso erfolgte die Neumontage. Da aber erst das Ineinandergreifen der beiden Teile die Spitze stabil macht, mussten zunächst 2 Stützkonstruktionen erfunden und in luftiger Höhe installiert werden. Zuletzt wurden die Bleiverfugungen wieder eingegossen.

Domdekan und Vertreter der Dombauhütte beim Besuch im Mainsandstein-Bruch der Firma Franz Zeller.

Der Mainsandsein für die neuen Teile kam aus einem Steinbruch bei Miltenberg in Franken. Lieferant war das Natursteinwerk Franz Zeller. Dessen Spezialisten hatten die Einzelteile grob vorgeschnitten, so dass sie von den Steinmetzen der Dombauhütte fertiggestellt werden konnten. Für die Arbeiten hatten die Stadtwerke Mainz eine Fabrikhalle zur Verfügung gestellt.

Zum planerischen Teil der Erneuerung zählten bauhistorische Untersuchungen durch das Institut für Bauforschung in Marburg und eine Analyse mittels Georadar durch die Gesellschaft für Geophysikalische Untersuchung in Karlsruhe. Das Ingenieurbüro Wacker aus Birkenfeld fertigte ein Modell im Maßstab 1:40 und testete im Windkanal, welche Kräfte auf die Spitze einwirken.

Der „Domsgickel“ noch zu ebener Erde.

Seit der 108 t schwere und mit rund 300 t Ballast beschwerte Kran der Firma Riga Mainz die Turmspitze wieder an ihren Platz gehoben hat, schaut von oben auch der Wetterhahn wieder herab. Der vergoldete „Domsgickel“, wie er im Mainzer Jargon heißt, hat in seinem Inneren in einem Bleizylinder Dokumente und Urkunden. Er stammt aus dem Jahr 1773 und misst 95 cm in der Höhe und 1,12 m in der Breite, was man von unten ihm nicht ansieht.

Zur Restaurierung und Neuvergoldung des Wetterhahns wurde eine Publikation mit dem Titel „Vis-à-vis mit dem Domsgickel. Ein Mainzer Wahrzeichen und seine Geheimnisse“ herausgegeben (Hrsg. Domdekan Heinz Heckwolf, Bischöfliches Domkapitel am Dom zu Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz, 2013, 78 Seiten, 12,80 Euro, ISBN 978-3-00-042737-4).

Die gesamten Kosten für den Austausch der Turmspitze beliefen sich auf rund 500.000 Euro. Finanziert wurde die Aktion zum größten Teil durch den Mainzer Dombauverein. Was mit dem Original der Spitze passiert, ist noch nicht entschieden.

Baustelle Westturm

Video der Sanierung der Turmspitze

Tagesschau-Bericht

Franz Zeller Natursteinwerk

Fotos: Bischöfliche Pressestelle Mainz

Steinmetzin der Dombauhütte.

Steinmetz der Dombauhütte.

Vielfältige Anforderungen stellte die Sanierung der Turmspitze.

(16.08.2013)