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Grabsteine auf Amrum künden vom Alltag der Seefahrer und Insulaner

Insgesamt 152 Grabsteine aus der Zeit von 1678 bis 1858 berichten ausführlich von Leben der Insulaner von damals. Fotos: Frank-E. Hansen

(September 2013) Ungewöhnlich ausführlich geben diese Grabsteine Auskunft über die Toten: „Der Vater hat als Zimmermann verschiedene Reisen nach Grönland und die letzten Jahre auf dem Lande im gleichen Berufe ein tätiges und nützliches Leben geführt. Er und seine brave Ehefrau lebten miteinander verehelicht 41 Jahre und zeugten zwei Kinder“, ist nur ein Teil einer Inschrift.

Wir befinden in der Ortschaft Nebel auf der Nordseeinsel Amrum. Dort gibt es eine Besonderheit, die seit Mai 2013 wieder angemessen präsentiert wird: Es handelt sich um die 169 Grabsteine aus der Zeit von 1678 bis 1858, die detailliert vom Leben der Insulaner von damals berichten und die deshalb kulturgeschichtliche Denkmale von hohem Wert sind.

Als „Erzählende Steine“ werden sie nun wieder präsentiert. Das Foto zeigt den Teil der Anlage mit den Grabsteinen der Seefahrer.

Die Grabsteine, die lange am Rand des aktuellen Friedhofs rund um die St. Clemens Kirche lagen und denen Wind und Wetter arg zugesetzt hatten, sind inzwischen durch ein beispielhaftes Engagement der Kirchengemeinde restauriert worden. Als „Erzählende Steine“ werden sie präsentiert: der Besucher ist eingeladen, innezuhalten und die Darstellungen zu betrachten beziehungsweise die langen Texte zu lesen.

Grabstein in Steenodde auf Amrum. Dort landeten ehemals die Schiffe mit den Wesersandsteinen an.

Das Material der meisten Grabsteine ist Obernkirchner Sandstein, der per Schiff aus dem Weser-Wiehengebirge herangeschafft wurde. Bearbeitet wurden sie von insularen Steinmetzen wie dem Amrumer Jan Peters. Unklar ist bislang, woher die Handwerker das Können für die sichere Komposition von Text und Bild hatten. Bisher fehlen Untersuchungen, ob sie es sich wirklich einfach autodidaktisch beibrachten, merkt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in einer Pressemitteilung an. Sie förderte das Projekt mit 40.000 €.

Jedenfalls sind viele Buchstaben außergewöhnlich schön und aufwändig gestaltet. Bestechend ausgeführt sind die berufsständischen Zeichen wie Windmühlen, Wappen und Schiffe oder die allegorischen und christlichen Symbole. Anders als man erwarten könnte, sind die Texte nicht auf Friesisch, sondern auf Hochdeutsch alten Stils gehalten.

Die Restaurierung und Neuaufstellung hatte die Restauratorin Malaika Krohn (Mail) durchgeführt.

Vorausgegangen war eine Bestandaufnahme durch Roland Hooss (Mail).

Für die neue Präsentation zeichnete der Landschaftsarchitekt Holger Muhs verantwortlich.

Übrigens: Noch konnten nicht alle Grabsteine restauriert und gesichert werden. Es besteht die Möglichkeit, Patenschaften für einzelne Stücke oder mehr zu übernehmen. Kontakt über die Webpage „Erzählende Steine“.

Erzählende Steine

Friedhof Amrum

(01.09.2013)