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Das Mamelucken-Gewölbe (Porche Mamlouk) im Louvre ist ein Schmuckstück der islamischen Kunst

Porche Mamlouk. Foto: Louvre

(Oktober 2013) Eine steinerne Attraktion der besonderen Art sogar für den Louvre ist das Mamelucken-Gewölbe (Porche Mamlouk). Es ist dort im neuen Flügel für Islamische Kunst zu sehen. Diese Abteilung, die im September 2012 der Öffentlichkeit übergeben wurde, hat als erklärtes Ziel, die Bedeutung der islamischen Kultur für die westliche Welt herauszuarbeiten.

Das Gewölbe stammt aus dem Eingangsbereich einer Fürstenresidenz in Kairo im 15. Jahrhundert und zeigt sowohl die Bautechnik jener Zeit als auch ihre Kunst.

Kairo war damals eine Weltstadt und das Zentrum der islamischen Kultur.

Das Gewölbe war 1887 in Kairo demontiert worden und sollte zur Weltausstellung 1889 in Paris gezeigt werden. Es war für die Inszenierung einer typischen Kairoer Straße vorgesehen, mit Originalgebäuden, Handwerkern, Händlern und Tieren. Das Ganze sollte den Europäern einen Eindruck vom Leben in Ägypten geben. Vielleicht, dass die Organisatoren der Weltausstellung auch den Kontrast zum Eiffelturm inszenieren wollten. Der entstand nämlich ganz in der Nähe, allerdings aus dem modernen Material Eisen.

Porche Mamlouk. Foto: Louvre

Das Gewölbe wäre 4 m hoch gewesen, und aufgrund der technischen Anforderungen wurde es nie aufgestellt. Seine 300 Einzelteile in Transportkisten verschwanden irgendwann in Kellern und wurden vergessen.

Vor einigen Jahren fand eine Louvre-Mitarbeiterin in Archiven einen Brief mit einem Hinweis auf das vergessene Schmuckstück, und in detektivischer Kleinarbeit machte sie es wieder ausfindig. Entdeckt wurden auch Zeichnungen, die ein Architekt ehemals in Kairo gemacht hatte und die die Residenz im Original zeigten.

Porche Mamlouk. Foto: Wikimedia Commons / GFreihalter

Nach diesen Vorlagen konnte man die unsortierten Puzzle-Teile wieder zusammensetzen beziehungsweise fehlende Stücke ergänzen.

Porche Mamlouk. Foto: Wikimedia Commons / GFreihalter

Zum Schluss tauchten noch völlig überraschend weitere Archivmaterialien auf, so dass sich auch eine Außenwand zum Gewölbe rekonstruieren ließ.

Technisch höchst anspruchsvoll war der Wiederaufbau des 5 t schweren Ensembles. Es ist in eine Tragekonstruktion eingepasst, jedoch sind alle Einzelteile so befestigt, dass sie wieder herausgenommen werden können. Aus Platzgründen wurde es in 2,60 m Höhe vorinstalliert und dann an Ort und Stelle gehievt.

Das Gewölbe trägt reiche geometrische und florale Muster, die die Kunst der Mamelucken-Herrschaft prägten. Errichtet wurde es aus weißem und gelbem Kalkstein aus Ägypten. Für die aktuellen Ergänzungen wurde ähnliches Material aus den Départements Oise und Dordogne gewählt.

Musée du Louvre

Porche Mamlouk. Foto: Wikimedia Commons / GFreihalter

(03.10.2013)