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„Touch the Sculpt“ – Kalkstein als iPad-Bildschirm

Lithias: „Touch the Sculpt“. Foto: Lithias

(Oktober 2013) „Man könnte es als ein iPad des 12. Jahrhunderts bezeichnen, mit Kalkstein als Bildschirm.“ Ghislain Moret de Rocheprise, Chef der französischen Firma Lithias, erklärt, um was es bei „Touch the Sculpt“ geht: es handelt sich um eine Kopie des Osterschafs aus dem 12. Jahrhundert aus der berühmten Abtei von Cluny in Burgund, hergestellt von einem heutigen Bildhauer und erweitert um moderne 3D-Technologie, mit der sich per Licht oder per Lautsprecher zusätzliche Informationen zu dem steinernen Objekt abrufen lassen.

Altbekannt ist, dass man in einem Museum Zusatzinformation durch Knopfdruck (etwa auf den Audioguide) abruft: dann wird eine Tonbandstimme abgespielt, die zum Beispiel erzählt, was der Künstler mit seinem Werk darstellen wollte, wie er gearbeitet hat usw.

Im Zeitalter des iPads kann man nun auch das Kunstwerk selbst zum Bildschirm oder Touchscreen machen: der Besucher tippt es an bestimmten Stellen an, worauf zum Beispiel Bilder auf die Oberfläche projiziert werden usw.

Wichtig bei der Technologie ist, dass keine Sensoren zum Antippen in den Stein eingebaut werden müssen.

Inzwischen ist das Konzept in ein Innovationsprogramm für Museen aufgenommen worden: Die französische Regierung fördert Entwicklungen, die 3D-Techniken für eine zeitgemäße Präsentation des kulturellen Erbes einsetzen.

Solche Konzepte sehen das Museum ganz neu: es soll „dem Gast einen Besuch ermöglichen, so wie er ihn haben will, sich also an der Nachfrage ausrichten, nicht eine Angebotsstrategie verfolgen“ [„give every visitor the visit he wants, thus favoring the demand instead of an offer policy“], wie es auf einer Webpage zum Thema heißt.

Ghislain Moret de Rocheprise will aber nicht völlig in die virtuelle Welt abdriften. Wichtig für ihn ist, dass der Besucher beim Cluny-Osterschaf den Stein berühren und das Material fühlen kann. Bei der aktuellen Präsentation des Projekts im Kunstmuseum von Cluny geht es deshalb auch um die Frage, inwiefern die Fingerspitzen auf dem Kalkstein eine zusätzliche Erlebnisebene bieten.

Von der Benediktinerabtei von Cluny in Burgund, gegründet 910 n. Chr., gingen ehemals vielfältige Impulse für das Denken und für die Kunst aus. Ihre Bibliothek mit Werken aus der Antike galt als eine der wichtigsten in Europa. In der Folge der französischen Revolution ging die Abtei unter: Ihre Gebäude wurden über Generationen als Steinbruch genutzt.

Lithias

Webpage über moderne Museumspräsentationen

Das Osterschaf von Cluny im Original. Es war ehemals eines der zentralen Stücke in der Decke der gewaltigen Klosterkirche. Foto: Hans Hillewaert / Wikimedia Commons(09.10.2013)