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Marmomacc 2013: Stein trifft Wissenschaft und Technik und wird zu einem modernen Material

Raffaello Galiotto, Lithos Design: „Opus Motus“.

(Oktober 2013) Endlich. Auf der diesjährigen Marmomacc (25.-28. Oktober) wurden der Natursteinbranche neue Türen aufgestoßen: es gab auffallend viele Präsentationen, bei denen Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften und der Technik bei der Gestaltung mit Stein angewendet worden waren.

Vielleicht dass sich Naturstein damit endlich zu einem modernen Material mausert.

Raffaello Galiotto, Lithos Design: „Opus Motus“.

Um Erkenntnisse aus der Optik ging es bei „Opus Motus – die Farben des Steins in Bewegung“: Der Designer Raffaello Galiotto hatte für die Firma Lithos Design in Halle 7b runde Scheiben mit farbigen Stein-Inlays aufgestellt. Die ließen sich drehen, und wenn sie in Bewegung gekommen waren, verschmolzen die Farben der Steine zu neuen Tönen und zu neuen Formen.

Stichwort aus der Wissenschaft dafür ist der RGB-Farbraum.

Raffaello Galiotto, Lithos Design: „Opus Motus“.

Zweck des Experiments war, Erfahrungen in den Bereichen Farbe und Bewegung zu sammeln, mit denen Stein meist nicht in Verbindung gebracht wird. Damit wollten Designer und Firma auch unter Beweis stellen, dass mit Naturstein sehr viel mehr als das Übliche möglich ist und dass beide das können, wenn der Kunde es verlangt.

Auch eine tiefe symbolische Ebene hatte das Projekt: Stein als Symbol von Land oder Terrain verschmilzt in „Opus Motus“ zu einem Neuen, das alle Einzelteile miteinander verbindet.

Raffaello Galiotto

Lithos Design

Andrea Gross Gaiani, Athena Marmi, Consorzio Marmisti Chiampo: „Onda“.

Regeln der Akustik hatte der Designer Andrea Gross Gaiani unter Mitwirkung von Giulia Regalini für seinen iPhone-Verstärker „Onda“ (Welle) verwendet. Umgesetzt hatte die Idee die Firma Athena Marmi, zu sehen war das Objekt am Stand des Consorzio Marmisti Chiampo (CMC) in Halle 6.

Andrea Gross Gaiani, Athena Marmi, Consorzio Marmisti Chiampo: „Onda“.

Gaiani hatte die Tatsache aus der Akustik ausgenutzt, dass Naturstein als kompaktes Material Schallwellen sehr gut überträgt. Wenn ein Handy in den Schalltrichter eingesteckt war, wurde tatsächlich ein eingehendes Telefongespräch hörbar verstärkt. Die Form für solch einen Trichter ist altbekannt; mit zwei Steinsorten wird sie doppelt dekorativ.

Andrea Gross Gaiani

Athena Marmi

Consorzio Marmisti Chiampo

Die Entwicklung war erfolgt im Rahmen des Projekts „Marmomacc & Design“, in dem Designer unter 30 Jahren zu experimentellen Arbeiten aufgerufen waren. Leitmotiv der Arbeiten war „Fluid Stone“ (Fließender Stein). Die Initiative war von der Messe ausgegangen.

Alice Schillaci, Recipient CC.

Ebenfalls im Rahmen von „Marmomacc & Design“ war die Arbeit von Alice Schillaci entstanden (Halle 7b). Hier ging es nicht um Schallwellen sondern um Materialwellen: Steinstreifen standen schräg an eine Wand angelehnt; unter ihnen drehte sich eine Spirale, die die einzelnen Stücke nacheinander anhob und so den Eindruck einer durchlaufenden Bewegung entstehen ließ.

Beachtlich waren die Maße der Steinstreifen mit 2,80 m Länge, 10 cm Breite und 6 mm Dicke. Technologiebasiert war ihre Biegsamkeit, ermöglicht von einer Trägerschicht aus Fiberglas. Allerdings waren die Streifen nur in einer Richtung beweglich. Die Mechanik der Anlage hatte das Studio Recipient CC entwickelt.

Alice Schillaci

Recipient CC

Giuseppe Fallacara: „Ponte Flex“.

Schließlich: „Ponte Flex“. Professor Giuseppe Fallacara von der Universität Bari und Claudio D’Amato präsentierten ihren Steinbogen (Halle 7b), der ebenerdig zu montieren ist und dann nur noch an Ort und Stelle gehoben wird. Den Zusammenhalt der einzelnen Steine für den Transport gewährleistet ein Netz mit Harz als Kleber, das die Einzelstücke an der Oberseite zusammengürtet. Eingesetzt zum Beispiel in die Widerlager einer Brücke, hält die Konstruktion sich selbst (solange der Schlussstein an Ort und Stelle sitzt).

Giuseppe Fallacara: „Ponte Flex“.

Uralt ist die Konstruktion, neu gedacht wurde sie von Wissenschaftlern der Universität von Belfast, und nun von Fallacara auf Naturstein angewandt.

„Ponte Flex“

Noch eine Anmerkung: Vielleicht, dass mit diesen Wissenschafts-basierten Ideen für Naturstein wieder einmal von der Marmomacc entscheidende Impulse für die Branche ausgehen werden. Denn die Beiträge der Wissenschaften zu Steinprodukten hatten sich bisher im Wesentlichen auf die Maschinen für die Steingewinnung und -bearbeitung beschränkt.

Zur Erinnerung: die Messe in Verona war es gewesen, die vor 7 Jahren mit „Marmomacc Meets Design“ vorgeführt hatte, dass Naturstein mehr sein kann als bloß ein Material für das Bauen, für die Kunst oder für das Grabmal.

Weitere Berichte von der Marmomacc folgen in den kommenden Ausgaben.

(21.10.2013)