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Die Kapelle des Ripon College in England trägt in der Fassade ein Gewebe aus Naturstein

Ripon College, Cuddesdon Foto: Níall McLaughlinRipon College, Cuddesdon Foto: Níall McLaughlin

(November 2013) Vielleicht kann man die Außenseite des Gotteshauses folgendermaßen interpretieren: der Architekt hat die uralten Bäume drumherum in Kalkstein nachgemauert, unten die glatten Stämme, darüber das Astwerk als ein Gewebe und ganz oben die Zone der Nester mit dem Übergang zum Himmel.

Die Bishop-Edward-King-Kapelle (Bishop Edward King Chapel), von der die Rede ist, gehört zum Ripon College in Cuddesdon in der englischen Grafschaft Oxfordshire. Der Neubau hat in der Architekturszene Großbritannien viel Aufsehen erregt, kam in die Endausscheidung für den diesjährigen Stirling Prize des Royal Institute of British Architects und bekam zuletzt einen der British Construction Industry Awards.

Das Ripon College ist eines der wichtigsten Schulungszentren der Church of England, und dessen andere Gebäude sehen genauso aus, wie man es von klangvollen Namen wie etwa Oxford kennt.

Der Neubau jedoch hat eine nüchterne Form: er ist eine elliptische Trommel. Foto: Front Elevation

Der Neubau jedoch hat eine nüchterne Form: er ist eine elliptische Trommel. Dennoch passt er sich ins Drumherum ein – lassen wir das den Architekten Níall McLaughlin selbst erläutern: den Standort der Kapelle inmitten von Bäumen auf dem Campus bezeichnet er als „voller Wind und Licht und dem Rascheln der Blätter. Unser Design will diese Atmosphäre in das Bauwerk holen“.

Über dem unteren Ring bis in 3,5 m Höhe folgt 4 m hoch jenes Gewebe, in dem wir ein Astwerk sehen wollen. Foto: Front Elevation

Die Außenhaut ist mit Kalkstein verkleidet. Über dem unteren Ring bis in 3,5 m Höhe folgt 4 m hoch jenes Gewebe, in dem wir ein Astwerk sehen wollen. Die glatten Seiten der Steine sind gesägt, die Vorderseite ist von Hand bearbeitet. Insgesamt wurden hier beinahe 36.000 Mauersteine mit den Maßen 25 x 11 x 9 cm vermauert. Die Art der Mauerung ist in „Hundszahnornamenten“, so der Fachbegriff.

Bei dem Vorhaben wurde „mehr Aufmerksamkeit auf die Ausführung von Details gelegt, als auf den Preis“, heißt es in einer Pressemitteilung. Foto: Front Elevation

Einer der Kostenfaktoren waren die Fugen, für die ein besonderer Mörtel benutzt wurde. Foto: Níall McLaughlin

Bei dem Vorhaben wurde „mehr Aufmerksamkeit auf die Ausführung von Details gelegt, als auf den Preis“, heißt es in einer Pressemitteilung. Einer der Kostenfaktoren waren die Fugen, für die ein besonderer Mörtel benutzt wurde.

Ganz oben löst sich die Fassade in eine Fensterreihe mit Kalksteinstützen auf. Foto: Níall McLaughlin

Ganz oben löst sich die Fassade in eine Fensterreihe mit Kalksteinstützen auf. Von hier aus fällt Tageslicht in den Innenraum: Er wird je nach Wetter prächtig ausgeleuchtet, es gibt sogar Regenbogeneffekte in den Glasscheiben, oder man kann bei längerem Verweilen beobachten, wie die Schattenwürfe über die Innenwände wandern.

Der Innenraum ist ein Erlebnis. Foto: Denis Gilbert

Der Innenraum ist ein Erlebnis: Die Holzstützen erwecken den Eindruck eines Schiffsrumpfes beziehungsweise eines schützenden Gewölbes und nehmen gleichzeitig die Blicke mit in die Höhe.

Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 2,6 Millionen £ (3,065 Millionen €, 4,15 Millionen US-$) beziffert. Verwendet wurde Clipsham Kalkstein, den die Stamford Stone Company lieferte. Die Arbeiten in Stein führte die Firma Szerelmey aus, die in Holz übernahm Cowley Timberwork. Als Berater für Natursteinfragen war Peter Harrison von Harrison Goldman tätig.

Weitere Projekte, die beim 2013 Stirling Prize in die Endauswahl gekommen waren

Ripon College, Cuddesdon

Níall McLaughlin

Stamford Stone Company

Szerelmey

Cowley Timberwork

Harrison Goldman

Fotos: Níall McLaughlin / Front Elevation / Denis Gilbert

Ripon College, Cuddesdon. Foto: Níall McLaughlin(15.11.2013)