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Steinmosaik „Jäger und Gejagte“ aus antiker Zeit im Alten Museum in Berlin

Detail aus dem Mosaik: geflochtener Korb mit verschiedenen Fischen.

(November 2013) Der Fund im Jahr 1996 war eine Sensation: Als in Lod, einer Kleinstadt bei Tel Aviv, der Bau einer Straße vorbereitet wurde, bekam die Archäologin Miriam Avissar von der israelischen Antikenbehörde (IAA) den Auftrag, Probegrabungen vorzunehmen. „Erst fand ich die weiße Ecke von einem Mosaik-Fußboden“, beschreibt sie den aufregenden Moment, „dann den Schwanz eines Tigers, und wir sahen, dass er von wundervoller Qualität war. Und nach zwei Monaten hatte ich einen ganzen Mosaik-Fußboden.“

Der Mosaikboden aus Lod, bestehend aus drei Paneelen.

„Jäger und Gejagte“ ist der Titel der Präsentation, die bis zum 11. Mai 2014 im Alten Museum in Berlin zu sehen ist. Die Mosaike, vermutlich aus der Zeit um 300 n. Chr., zeigen Szenen mit exotischen Tieren oder einheimischen Arten aus Palästina. Vielleicht stellen sie den Kampf ums Überleben dar, vielleicht gibt es einen mythologischen Hintergrund.

Detail aus dem Mosaik: Berberlöwe erlegt Damhirsch.

Vorherrschend ist das Motiv tierischer Jäger mit ihrer Beute. Tiger, Leoparden und Löwen jagen und fressen Antilopen, Maultiere und Rinder. Auch im Meer herrscht das Gesetz des Stärkeren.

Viele der Tiere können zoologisch exakt bestimmt werden, andere weisen gegenüber der Realität Abweichungen in der Erscheinung oder im dargestellten Verhalten auf. Es ist anzunehmen, dass die Menschen damals exotische Tiere aus so genannten Musterbüchern kannten oder sie bei Tierhetzen und Gladiatorenspielen in römischen Arenen gesehen hatten.

Zentrales Mittelfeld: Tiere vor einer afrikanischen Landschaft zwischen den Bergen Gewser mit mythologischem Seeungeheuer.

Einen Kontrast zu den oft blutigen Jagdszenen bildet das achteckige Mittelfeld. Dort weilen Tiere aus unterschiedlichen Kontinenten friedlich beieinander. Mit der bergigen Landschaft sind vielleicht die Berge Äthiopiens oder das Quellgebiet des Nil gemeint. Das Wasser zwischen den Bergen mit dem mythischen Seeungeheuer Ketos könnte auch den Ozean repräsentieren, der nach antiker Vorstellung die Welt umgab.

Detail aus dem Mosaik: Römisches Handelsschiff in voller Fahrt mit rotweißer Flagge und geblähtem Rahsegel. An Bord ein Wasservogel als Besatzung.

Auffallend ist, dass Menschen fehlen. Jedoch finden sich Hinweise auf menschliches Wirken, beispielsweise in einem geflochtenen Korb, der mit verschiedenen Fischen gefüllt ist (Bild ganz oben), oder in den beiden römischen Handelsschiffen, auf denen Wasservögel die Schiffsmannschaft ersetzen.

Detail aus dem Mosaik: Meerestiere, dazwischen zwei römische Handelsschiffe.

Ob der Besitzer der Villa das jüdische Bildnisverbot beachten wollte? Da keine religiösen Symbole in den Darstellungen verwendet wurden, lässt sich darüber nur spekulieren.

Mosaiken waren im gesamten Römischen Reich als Fußbodenschmuck sowohl für öffentliche Gebäude als auch für luxuriöse Wohnhäuser beliebt. Auch das Mosaik aus Lod schmückte wahrscheinlich einst die Empfangshalle eines noblen Wohnsitzes.

Nach der Entdeckung 1996 waren die Funde zunächst konserviert und dann wieder zugedeckt worden. Dreizehn Jahre später, 2009, wurde der am besten erhaltene Boden von Mitarbeitern der Antikenbehörde für eine Wanderausstellung bearbeitet.

Das geschah durch Herausheben und vorsichtiges Aufrollen, nachdem die Steinchen von oben fixiert worden waren. Jacques Neguer, Chefrestaurator bei der Antikenbehörde, erläutert: „Wir kleben eine Schicht Baumwollstoff auf das Mosaik. Dann lösen wir es vom Untergrund. Wir teilen es in möglichst wenige Stücke auf. Das Abtrennen ist für die Konservierung entscheidend.“

Bei dieser Aktion wurden unter der Mosaikschicht Fußabdrücke von Menschen und Tieren sowie menschliche Handabdrücke gefunden. Mensch und Tier hatten die Zementschicht, die die Unterlage des Mosaiks bildete, betreten, bevor sie getrocknet war. Unter einem Teil des Mosaikbodens fanden sich auch noch in der obersten Kalkmörtelschicht Vorzeichnungen von Fischen. Die farbigen Umrisslinien sollten den Mosaizisten bei der Verlegung der Steinchen als Orientierung dienen.

Das Mosaik aus Lod ist eine Leihgabe der Israel Antiquities Authority und des Shelby White and Leon Levy Lod Mosaic Center. Der kostbare Bodenschmuck wird nach seiner Rückkehr nach Israel im Center, einem eigenen Museumsbau am Fundort, dauerhaft für Besucher gezeigt.

Jäger und Gejagte. Die exotische Tierwelt des römischen Mosaiks aus Lod (Israel)“

Fotos: Israel Antiquities Authority / Nicky Davidov

Quelle: Pressemitteilung

(30.11.2013)