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Bildhauer Tobel: „China ist auch für Künstler ein interessanter Ort“

Tobel, „Energy“ in Qingdao.

(Dezember 2013) „China ist auch für Künstler ein interessanter Ort. Denn dort werden an vielen Orten Skulpturen im Stadtraum aufgestellt“, schreibt uns der deutsche Bildhauer Tobel. Er hat gerade im Skulpturenpark des High-Tech Großprojekts Blue Silicon Valley in der Provinz Qingdao seine Skulptur „Energy“ aufgestellt (siehe oben).

„Energy“ in Deutschland.

Sie wurde von chinesischen Arbeitern vor Ort nach seiner Vorlage erstellt. Weiter unten haben wir ihm ein paar Fragen dazu gestellt.

Zunächst zu ihm selbst.

„Volute“ in Deutschland.

Mannshoch sind viele seiner Skulpturen, aber monumental sind sie nicht. Tobel sieht in ihnen nur ein Stück Natur, das er umgestaltet hat. „Ich wohne auf dem Land zwischen Wiesen und Wäldern an einem Fluss. Das ist meine Ideenwerkstatt, hier entstehen alle Zeichnungen und Modelle“, schreibt er uns zu der Frage, woher die Ideen für seine Werke kommen.

„Whirl“ in Österreich.

Seine Umgestaltung der Natur vollzieht er weniger außen am Steinblock als innen: die Außenseite lässt er meist in rauer Oberfläche, um dann tiefer im Material etwas herauszuschneiden. Häufig handelt es sich um Spiralformen, die auch zu Windungen, Gängen oder Höhlungen werden können.

Tobel stammt aus einer Künstlerfamilie. Schon der Urgroßvater war Bildhauer in München, und die Mutter, Lotte Koch, ist eine bekannte Malerin und Zeichnerin. Er absolvierte im Ausland eine Lehre als Steinmetz und studierte Bildhauerei. Früher war er viel auf Klettertouren in Amerika und im Himalaya unterwegs, seit einigen Jahren findet man ihn auf Bildhauersymposien in der ganzen Welt.

Links: „Light“ in Bahrain, rechts: „Trinity“ in Taiwan.

Zuletzt wurde er häufig als Kurator für die Organisation solcher Veranstaltungen engagiert. In diesem Jahr rief er zusammen mit dem Verein Kunstdünger zuhause in der Ortschaft Valley bei München ein eigenes internationales Symposium ins Leben.

Tobel

Stone-Ideas.com: Bei Energy” in Qingdao haben Sie von Ihrem Originalwerk, das in Deutschland steht, ein Modell im Maßstab 1:10 erstellt und es nach China geschickt. Anhand dessen wurde das dortige Werk von Chinesen angefertigt. Ist das nicht ungewöhnlich?
Tobel: In China ist es durchaus üblich, dass ein Künstler, wenn er einen gewissen Status erreicht hat, nicht mehr selber am Stein arbeitet. Bei uns haben übrigens Leute mit großen Namen auch ihre Ateliers. Bei „Energy“ wurde ich mit Fotos fortlaufend vom Stand der Arbeiten unterrichtet. Zuletzt war ich eine Woche vor Ort, um die letzten Arbeiten selbst auszuführen. Dann gab es die offizielle Eröffnung, und danach die Honorarauszahlung.

Stone-Ideas.com: Könnte solcherart Tele-Arbeiten ein neues Geschäftsmodell für Künstler sein?
Tobel: Ich habe zu wenig Aufträge aus China, als dass ich das beurteilen könnte. Für mich ist es jedenfalls eine willkommene Abwechslung und bisher ein nettes Zubrot. Bezahlt wird nach dem in China üblichen Verdienst.

Stone-Ideas.com: Wäre es denkbar, fertige Kunstwerke aus dem Westen nach China zu exportieren?
Tobel: Ich glaube nicht, dass das in großem Stil möglich ist, wenn überhaupt. Es ist einfach billiger, wenn Leute dort das Kunstwerk erstellen und auch Material von dort verwenden. Ein Arbeiter in China verdient umgerechnet nur ein paar 100 € im Monat.

Stone-Ideas.com: Wie haben Sie Auftraggeber in China gefunden?
Tobel: Ich habe meine Netzwerke. Gelegentlich gibt es auch mal eine offizielle Ausschreibung.

Stone-Ideas.com: Wie geht es weiter mit Ihnen und China?
Tobel: Derzeit wird an meinem nächsten Werk gearbeitet, diesmal in der Provinz Fujian, in der auch Xiamen liegt. Dort wird im kommenden Frühjahr eine 6 m hohe monumentale Granit-Skulptur von mir eingeweiht.

In dem Buch „Tobel Sculpture Culture 2000-2011“ beschreibt der Künstler auf englisch und deutsch seine Arbeiten (39,95 €, ISBN 978-3-8306-7553-2).

(04.12.2013)