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Naturstein vor der Akademie des Jüdischen Museums, Berlin

Sitzbänke aus Granit vor der Akademie des Jüdischen Museums, Berlin.

(Januar 2014) Das Jüdische Museum in Berlin von Daniel Libeskind ist wegen seiner schiefen Linien in der Fassade und seiner Zickzack-Form weltweit berühmt.

Schiefe Linien in der Fassade von Libeskinds modernem Museumsbau. Foto: Stephan Herz / Wikimedia Commons

Nun gibt es dazu ein Pedant auf der anderen Seite der Kreuzberger Lindenstraße.

Die Halle des ehemaligen Blumengroßmarkts mit dem Vorplatz und Libeskinds neuem Zugang.

Dort habt Libeskind die ehemalige Halle des Blumengroßmarkts zur Akademie des Jüdischen Museums umgestaltet, und dabei ist wiederum ist einiges schief.

Die Steinbänke auf dem Vorplatz vor der Akademie greifen die schiefen Linien des modernen Museumsgebäudes von der anderen Straßenseite auf.

Wir wollen den Blick auf etwas lenken, das der unbefangene Besucher kaum sieht: der große freie Platz vor der Akademie hat an den Seiten Steinbänke, und diese greifen die schiefen Linien des modernen Museumsgebäudes auf.

Rehwaldt Landschaftsarchitekten haben die langgezogenen Granitquader in eine Vielzahl von unregelmäßigen Vielecken ganz unterschiedlicher Größe aufgeteilt.

Das Konzept stammt von Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden. Sie haben die langgezogenen Granitquader nicht in regelmäßigen Blöcken gestaltet, sondern in eine Vielzahl von unregelmäßigen Vielecken ganz unterschiedlicher Größe aufgeteilt.

Bei näherer Betrachtung fragt man sich gleich, wie sichergestellt ist, dass nicht einzelne Teile aus dem Zusammenhalt herausfallen oder von unbefugter Hand verrückt werden. Projektleiter Sebastian Fauck gibt die einfache Erklärung: „Die Einzelteile sind mit Bolzen und Zement im Sockel festgemacht.“

Blick von der Akademie: Zum Gesamtensemble gehört auch der Barockbau des ehemaligen Kollegienhauses, das heute als Zugang zu Libeskinds Museumsgebäude dient.

Insgesamt war die Platzgestaltung eine gestalterische Herausforderung. Zum Gesamtensemble gehört nämlich auch der – sturgerade – Barockbau des ehemaligen Kollegienhauses, das heute als Zugang zu Libeskinds Museumsgebäude dient. Zudem verläuft die Lindenstraße mitten durch das Ensemble.

Blick vom Museum: das Natursteinpflaster schafft eine optische Verbindung beider Seiten.

Unter anderem ist es das Natursteinpflaster, das eine optische Verbindung beider Seiten schafft.

Direkt vor dem Museumseingang ist es als historisches Kopfsteinpflaster belassen; dann wird es zu dem für Berlin typischen Belag für Bürgersteige: Kleinpflaster mit dicken Granitplatten, wegen ihrer Form im Volksmund früher „Schweinebäuche“ genannt; auf der weiten Fläche vor der Akademie jedoch ist es flach gesägt. Dadurch wird zum einen das Gehen angenehmer, zum anderen entsteht dort ein weitläufigeres Erscheinungsbild. Schließlich bereitet der Vorplatz auf das Betreten der Akademie vor, die eine Welt des Geistes sein will und in der es eine öffentliche Bibliothek gibt.

Im Inneren der ehemaligen Blumenhalle.

Im Inneren der ehemaligen Blumenhalle finden sich zwei von Libeskinds schief gestellten Quadern und davor ein weiterer als Zugang. Ein „Garten der Diaspora“ ist in der weiten Halle angelegt. Dort wird mit Pflanzen ein Spiel der Assoziationen um Heimat und Fremdsein getrieben.

Zurück zum Pflaster vor der Akademie: Ehemals stand an dieser Stelle eine Sternwarte, wie es auf der Webpage der Architekten heißt. Ihr Grundriss „wird als Fuge im Pflaster nachgezeichnet“, genauer: als heller Streifen im Bodenbelag. Und: „Der Preußische Normalhöhenpunkt ist als besteigbare Skala erlebbar.“ Dabei handelt es sich um eine unauffällige stählerne Stele in Form einer senkrecht stehenden Nivelierlatte.

Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Akademie des Jüdischen Museums, Berlin

(25.01.2014)