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Architektur: Spiel mit dem bruchrauen Block

Im Sonnenlicht der Dordogne-Region leuchtet der Kalkstein wie Gold.(April 2009) Bruchraue Blöcke haben etwas Faszinierendes: in ihnen ist der Stein noch urwüchsig und ungezähmt, schwer und hart. Das gilt nicht nur für die großen Varianten, die aus dem Berg kommen, sondern auch für kleinere Quader. Wie man mit den Kleinen gestalten kann, hat der französische Architekt Bernard Chinours an einer Sporthalle in der Dordogne vorgeführt: Die Umfassungsmauer hat er aus Brocken von 160 x 50 x 40 cm zusammengesetzt und dabei gezielt an der Sichtseite die abgeplatzten Kanten und Spuren der Säge gelassen.

Der eigentliche Pfiff der Sache besteht darin, dass Chinours die Brocken nicht einfach aufeinander stapelt, sondern sie mit kleinen Metallfüßen aufeinander setzt. So ergibt sich zwischen den rauen Oberflächen eine horizontale Linie, die über die ganze Mauer läuft. Damit die sich auch wirklich schnurgerade dahinzieht, sind sowohl die Unterseite der Brocken als auch deren Oberseite bearbeitet und grade gezogen.

Die Linie nun hat einen doppelten gestalterischen Effekt. Zum einen schafft sie zur Rauheit der Brocken einen sozusagen zivilisatorischen Kontrast. Zum anderen sind in den 10-cm-Abstand zwischen den Brocken Lichtkörper eingesetzt, die nachts leuchten. Das gibt der Mauer, deren hellgelber Kalkstein Pierre des Eyzies aus der sonnenreichen Dordogne tagsüber regelrecht strahlt, im Dunklen eine ganz andere Gestalt. Die Sporthalle befindet sich in der Ortschaft Coulounieix Chamiers im Südwesten Frankreichs. Ihr Titel im Französischen ist Dojo départemental de Dordogne.

Bernard Chinours E-Mail

Fotos: bernard dupuy photographe