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Als im Kraichgau die Kolibris flogen

In der Tongrube Rauenberg sind noch viele wissenschaftliche Schätze zu bergen. Das Bild zeigt Prof. Eberhard „Dino“ Frey mit einem in Rauenberg entdeckten fossilen Thunfisch.

Vor 32 Millionen Jahren sah es im nördlichen Kraichgau, wo die Stadt Rauenberg liegt, ganz anders aus als heute: Aus Fossilienfunden haben Wissenschaftler geschlossen, dass dort tropische Zustände mit Haien im Wasser und Kolibris in der Luft herrschten. Diese Zeit will nun eine Gruppe von Forschern durch eine wissenschaftliche Grabung in der Tongrube Unterfeld systematisch erkunden. Ab Anfang April werden Zoologen, Botaniker und Geologen drei Jahre lang der urzeitlichen Geschichte der Region im wahrsten Sinn des Wortes auf den Grund gehen. Mit fast 300 000 € unterstützt die Klaus Tschira Stiftung das Projekt.

Erstmals werden die Wissenschaftler Schicht für Schicht der schwarzen Tonplatten abtragen, in denen sich die damalige Natur als Fossilien erhalten hat. Dabei müssen Funde zügig in Kunststoff umgebettet werden, bevor sie an der Luft zerfallen.

Von der Erdoberfläche aus wollen die Wissenschaftler bis zu 15 Meter tief die Zeugnisse der Vergangenheit gewinnen. Dabei sind nicht nur große Tier- und Pflanzenfunde wichtig. Selbst Mikrofossilien unter einem Millimeter Größe sollen erfasst werden, um ein Gesamtbild des urgeschichtlichen Ökosystems zu erhalten.

2011 wurde das gesamte stillgelegte Grubengebiet von der Stadt Rauenberg übernommen, die dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe in einem Teilgebiet die Grabung ermöglicht. Dabei werden die Karlsruher Paläontologen in einem neu gegründeten Grabungsverbund unterstützt von Paläobotanikern und Geologen der Universitäten Heidelberg und des Hessischen Landesmuseums Darmstadt. Die Universität Mainz arbeitet an diesem Vorhaben mit. Weitere Institute werden im Laufe der Forschungsarbeiten hinzu kommen.

Die Wissenschaftler erhoffen sich noch spektakuläre Funde, die die Evolutionsgeschichte in neuem Licht erscheinen lassen. Bereits 2007 war dies der Fall, als der erste Kolibri der „Alten Welt“ in Rauenberg entdeckt wurde. Zuvor war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Kolibris ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vorkommen. Zudem sind im Rahmen des neuen Projekts Bohrungen für geophysikalische Messungen geplant, die Auskunft über das damalige Klima und dessen Veränderung geben sollen.

Quelle: Klaus Tschira Stiftung

(22.04.2014)