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Anna Korver: Weiblichkeit in Naturstein

Anna Korver: „Marble figure“ (left), Carrara marble, „Marble figure 1“, Carrara marble.

Es geht um Weiblichkeit, darum was es heißt, diese auszuleben und wie persönliche Vorstellungen darüber mit gängigen Rollenmustern in Konflikt geraten können. Anna Korver aus Neuseeland hat darin das große Thema ihrer Bildhauerei. Bevorzugtes Material war bisher Naturstein, wobei sie neuerdings auch gern mit anderen Stoffen arbeitet, weil dies ihr zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Abstrakt sind ihre Arbeiten, reduziert auf das Wesentliche. Sie bewirken beim Betrachter eher ein Gefühl, als dass sie ihm eine Weisheit verkünden, so dass er sich treiben lassen kann in dem weiten Feld an Assoziationen, mit dem die Figuren umgeben sind.

Anna Korver: „Black granite figure“ (left), „Marble dancing figure“, new Zealand marble.

Wechselhaft ist Anna Korvers Annäherung an das Thema: manche Figur ist eine ironische Überhöhung des aktuellen Schönheitsideals, dann wieder zeigen die Formen einen Tanz in Ausgelassenheit…

Anna Korver: „Dual figure“ (left), bronze, „Lady hook“, swamp matai.

… schließlich sind es messerscharfe Abbilder bestimmter Gefühlslagen. So jedenfalls unsere Interpretation.

Anna Korver: „From the Tower“, bonze, black granite.

Mitunter geht sie auch schmunzelnd an die Dinge heran, wie bei „From the Tower“ (Vom Turm), wo frei nach dem Märchen Rapunzel im Turm sehnsüchtig die Ankunft des Prinzen erwartet.

Anna Korver hat an der Universität von Canterbury in Neuseeland den Bachelor of Fine Arts abgelegt. Ihr Vater war Hobbybildhauer, arbeitete mit Holz und brachte sie schon früh mit der Kunst zusammen. Zum Stein fand sie durch ihr Interesse an größeren Formen und solchen für den Außenraum. „Ich habe mich in das Material verliebt, als ich den Marmor aus meiner Heimat, dem Distrikt Nelson, bearbeitete“, schreibt sie uns.

Zusammen mit dem Fotografen Steve Molloy betreibt sie in Taranaki eine Galerie. Engagiert ist sie unter anderem bei den Eco Artists, die einen Anteil aus dem Verkauf ihrer Arbeiten in Umweltprojekte stecken.

Anna Korver: „Tern“ (left), New Zealand marble, „Icarus“, New Zealand marble.

In diesem Zusammenhang entstanden Werke, in denen sie Formen der bedrohten Seeschwalben aufgreift.

Da liegt die Frage nahe, ob es für sie Verbindungen zwischen Weiblichkeit und Natur gibt. „Ja, viele“, schreibt sie zurück, „ich meine, die Natur hat eine weibliche Energie, hart und weich, nährend und rachedurstig.“ Und fügt hinzu: „Im Schöpfungsmythos der Maori aus Neuseeland gibt es die Urmutter Erde, Papatuanuku.“

Anna Korver: „Untitled“ (left), Taranaki andesite, „The Butterfly Dress“, Taranaki andesite.
Während es bisher bei ihren Arbeiten fast nur im ihre eigene innere Gefühlswelt ging, richtet sich neuerdings ihr Blick nach außen und mehr auf den Einfluss des Menschen auf die Welt.

Anna Korver: „Huia Dam“, New Zealand white marble.

So tauchen nun in ihren Werken auch schnurgerade Linien und Winkel auf. „Ich fühle mich gleichermaßen zu männlichen wie weiblichen Formen hingezogen“, resümiert sie den aktuellen Stand ihres künstlerischen Weges.

Anna Korver

Fotos: Steve Molloy

Anna Korver.
(20.04.2014)