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Ai Weiwei-Ausstellung in Berlin: subtile Kritik an der Staatspartei durch Objekte auch in Marmor

„Very Yao“. Foto: Mathias Völzke

Am spektakulärsten ist die Arbeit „Very Yao“: es handelt sich um 150 Fahrräder, die derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau von der Decke hängen. Der Künstler Ai Weiwei hat sie geschaffen und erinnert damit an Yang Jia aus Beijing, der wegen eines Vorfalls um ein Fahrrad festgenommen worden war und nach langer Haft mit immer neuen Anschuldigungen schließlich zum Tode verurteilt wurde.

Bis zum 07. Juli 2014 zeigt der Martin-Gropius-Bau die weltweit größte Ausstellung des regimekritischen Künstlers. Es sind Werke und Installationen, die teils eigens für die Präsentation geschaffen wurden und die erstmals in Deutschland zu sehen sind.

„Diaoyu Islands“. Foto: Mathias Völzke

Darunter ist auch „Diaoyu Islands“. Die Inselgruppe im Ostchinesischen Meer ist ein erbitterter Zankapfel zwischen China und Japan und gibt immer wieder Anlass für leidenschaftliche patriotische Ausbrüche, die beide Seiten schüren. Ai Weiwei hat den Konflikt aufgegriffen und den Achipel in Marmor aus der Gegend um Beijing nachgeformt.

In der Arbeit kann man eine Kritik an der Staatspartei und ihren Politikern sehen – was in China zu einem ernsthaften Problem werden kann, sobald man es über den privaten Rahmen hinaus und in organisiertem Rahmen tut.

Eine andere Arbeit in Marmor ist „Mask“, eine Atemschutzmaske auf einem Grabstein. Die Luftverschmutzung in den großen Städten ist neuerdings auch offiziell ein Thema, weshalb es in Beijing zum Beispiel strikte Beschränkungen für die Neuzulassung von Autos gibt.

Das wiederum hat westliche Beobachter schon spekulieren lassen, wo und wie die Chinesen künftig ihr Geld ausgeben werden. Eine Neuheit ist: der obere Mittelstand reist durch Europa und kauft in der Schweiz teure Uhren (dies auch deshalb, weil man fürchtet, zuhause mit Fälschungen betrogen zu werden).

Zurück zu Ai Weiwei: zuletzt ist der Konflikt mit der Staatspartei so weit eskaliert, dass der Künstler sogar verschleppt und fast 3 Monate in ein Geheimgefängnis gesteckt wurde. In der Arbeit „Jade Handcuffs“ hat er die Handschellen in dem edlen Material Jade nachgebildet.

Die Überwachungskameras vor seinem Atelier kopierte er in Marmor („Marble Surveillance Cameras“).

Der Titel der Ausstellung „Evidence“ greift den Begriff aus dem Englischen für einen gerichtsfesten Beweis auf.

Ai Weiwei – Evidence“, Martin-Gropius-Bau, Berlin, bis 07. Juli 2014

(22.04.2014)