Unübersehbar ist der Trend: Auf den Steinmessen findet man mehr und mehr Firmen, die auch Produkte für den Garten- und Landschaftsbau im Programm haben. Umgekehrt treten auf den Messen des Garten- und Landschaftsbaus immer häufiger Anbieter mit Produkten aus dem Natursteinbereich auf. Exakte Zahlen dazu gibt es nicht, jedoch steht eins fest: Neben Architektur und Design hat sich in den letzten Jahren der GaLa-Bereich als Hoffnungsmarkt der Steinbranche herausgestellt, so dass vor einer Weile eine Fachzeitschrift schon „Grün ist die Zukunft“ schrieb.
Um es gleich zu sagen: Große Quadratmeterzahlen an Naturstein sind hier nicht abzusetzen. Aber kleinere Produzenten und Hersteller, die „enriched products“ anbieten – also den Stein durch Ideen und Dienstleistungen mit Mehrwert anreichern – finden ein interessantes Aktionsfeld.
Wir haben im Folgenden die aktuell wichtigsten Aspekte des Themas zusammengestellt. Es sind zum einen Gabionen, das sind Drahtkörbe, die mit Bruchsteinen gefüllt werden, und zum anderen Trockenmauern, die in vielen Ländern auf großes Interesse stoßen.
Auf andere Aspekte des Garten- und Landschaftsbaus, etwa das Anlegen von Wegen, das Crazy Paving oder das Verwenden von Steinschutt als Mulch werden wir ein andermal eingehen.
In einigen Ländern Europas erfreuen sich die so genannten Gabionen zunehmender Wertschätzung beim Gartenbesitzer. Es handelt sich dabei um Körbe aus verzinktem Stahlgeflecht, die innen mit Steinen gefüllt sind. Vermutlich wurden sie um 1890 in Italien als Abstützungen im Straßen- oder Wasserbau erstmals eingesetzt. Darauf lässt ihr Name schließen: „gabbia“ heißt im Italienischen „Käfig“.
Inzwischen sind sie längst nicht mehr nur rechteckige Kisten, mit denen zum Beispiel die Hänge entlang der europäischen Autobahnen in Treppenstufen gesichert werden. Es gibt sie in vielfältigen Formen, unter anderem als dünne Sichtschutzwände oder auch als runde Türmchen für spielerische Gestaltungen.
Wir hatten schon mehrfach über die vielfältigen Möglichkeiten berichtet. Erst allmählich wird die ganze Bandbreite ausgereizt. Inzwischen gibt es Gabionen in L-Form, die um die Ecke gebaut werden, oder solche, in die Körbe mit Erdreich eingelassen sind, so dass man Pflanzen einsetzen kann.
Bei anderen Typen sind Lampen ins Schüttgut eingesetzt, so dass sie bei Dunkelheit wie bizarre Leuchten wirken.
Manche Anbieter haben die Entwicklung insofern auf die Spitze getrieben, als sie Begrünungsmatten verkaufen, die über die Drahtkörbe gelegt werden, um diese allmählich zuzuwuchern. Auch für Gartenbesitzer mit Kleinkindern bietet die Branche Lösungen. So genannte Sicherheits-Gabionen versprechen, dass es im Drahtgeflecht keine scharfen Enden gibt, an denen sich Kinder wehtun könnten.
Und keineswegs werden bloß Abfallstücke aus dem Steinbruch in die Gabionen gefüllt. Vielfach ist die sichtbare Seite mit edlem Material bestückt, so dass die Steinpackung einen sehr noblen Eindruck macht.
Eine Firma setzt auf der Sichtseite helle Steine zwischen dunkle und bringt so ihren Namen für jeden sichtbar an.
Übrigens: in Europa sind auch schon Selbstbau-Gabionen im Angebot. Hier kauft der Kunde den Drahtkorb lose, setzt ihn an Art und Stelle zusammen und befüllt ihn dann mit Material, das er gefunden oder gekauft hat. Zu beachten ist hier, dass solche Konstruktionen nicht wirklich großen Hanglasten standhalten. Professionelle Gabionen werden im Werk nach Befüllung maschinell gerüttelt, damit ihre Steinpackung optimal dicht sitzt.
Trockenmauern sind in vielen Ländern ein Überbleibsel vergangener Jahrhunderte. In Großbritannien und Irland ziehen sie sich über Hunderte von Metern über die Wiesen und Hänge. Errichtet wurden sie als Begrenzung für Viehweiden oder als Grundstücksgrenzen. Mit dem verwitterten Grau ihrer Steine bilden sie einen reizvollen Akzent zum satten Grün der Landschaft.
Nach langen Jahren der Vernachlässigung wurden sie vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt und werden inzwischen von Enthusiasten wiederhergestellt. Die Dry Stone Walling Association in Großbritannien ist ein aktiver Verband, der nicht nur für Laien und Firmen Weiterbildung für das Errichten und Unterhalten von Trockenmauern anbietet, sondern auch internationale Kontakte pflegt (siehe Links).
Denn eine Trockenmauer sieht zwar schön aus und ist auch ökologisch wertvoll, weil sie Tieren Lebensraum bietet. Aber anders als Beton verlangt sie Pflege. Leicht reißen in ihr Löcher auf, die, wenn sie nicht oder nicht sachgemäß repariert werden, sich weiter in die Mauer hineinfressen, bis dass von ihr nur noch ein lang gezogener Steinhaufen bleibt.
Übrigens: Der Hadrian’s Wall in England oder der Limes auf dem Kontinent zählen nicht zu den Trockenmauern. Denn für sie verwendeten die Baumeister Bindemittel, nämlich Kalkmörtel. Damit haben wir die Definition für Trockenmauern genannt: sie bestehen aus Steinen, die ganz ohne Bindemittel geschichtet sind.
Im Allgemeinen handelt es sich um Bruchsteine, die nur grob zugehauen sind. Das handwerkliche Know-how der Baumeister besteht darin, sie so zu schichten, dass nicht jeder Regenguss oder jedes Tier sie umreißt.
Auch in den USA gibt es Trockenmauern. Die Bekanntesten befinden sich im Bundesstaat Kentucky im so genannten Bluegrass. Geschichten rankten sich um die uralten Steinreihen: sie seien vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) von schwarzen Sklaven errichtet worden, lautet eine.
USA: Dry Stone Conservancy, Stone Wall Initiative
Australien: Dry Stone Wall Association
Großbritannien: Dry Stone Walling Association http://www.dswa.org.uk/
Frankreich: Pierre Sèche

