Gerhard Trieb: Würfel-Landschaften auf der Naturstein-Oberfläche

Aus einiger Entfernung betrachtet, scheint über Gerhard Triebs steinernen Skulpturen ein Flimmern zu liegen, aus dem sich jedoch bei näherer Betrachtung viele kleine Würfel herausschälen. Beim Blick direkt in die Fugen ist es so, als würde sich das Innenleben des Steins auftun.

Gerhard Trieb: Würfel-Landschaften auf der Naturstein-Oberfläche.

Trieb ist Maler, Grafiker und Bildhauer und lebt bei Salzburg. Ein Motiv zieht sich durch alle seine Arbeiten, egal um welche Kunstrichtung es sich handelt: es ist das Quadrat oder dessen dreidimensionale Erweiterung, der Würfel. Damit gestaltet Trieb die Oberflächen der rechtwinkligen Körper oder die Flächen auf Papier.

Gerhard Trieb: Würfel-Landschaften auf der Naturstein-Oberfläche.

Ganz regelmäßig ist das Würfelraster immer, so wie er es in die Oberflächen des Steins einschneidet. Die Furchen sind maximal 3 mm breit und reichen in Tiefen bis maximal 7 cm.

Gerhard Trieb: Würfel-Landschaften auf der Naturstein-Oberfläche.

Mit Hammer und Meißel schlägt er danach die Spitzen der so entstandenen Mini-Türmchen weg, so dass ein Gebirge im Kleinformat entsteht. Dann nimmt das rationale Muster plötzlich wieder die Unregelmäßigkeit der Natur an.

Dahinter steckt Knochenarbeit, denn die Rasterlinien schneidet er mit der Diamantsäge in die Oberfläche ein. Dazu muss man wissen, dass zum Beispiel bei seinem jüngsten Stück aus Carrara Marmor die Stele 7 m lang ist, was dem Künstler eine ruhige Hand abverlangt. Schließlich wiegt die Handsäge gut 5 kg.

Um sich solcher Mühe zu unterziehen, braucht es einiger Entschiedenheit. Die hat Gerhard Trieb, auch wenn er im Gespräch ein sehr umgänglicher Mensch und eher ein Nachdenkender als ein Welterklärer ist.

Entschieden ist er jedoch nicht nur in Bezug auf seine minimalistischen Quadratmuster.

Gerhard Trieb.

Entschieden ist er auch, was die Rolle als Künstler und Mensch betrifft. Denn dem Kunstbetrieb begegnet er mit Abstand. Distanziert ist er auch gegenüber der Schnelllebigkeit unserer Gegenwart, der „Abwertung der Objekte durch unendliche Vervielfältigung“, wie er sagt. Langsamkeit hat für ihn „eine Qualität: ich will in die Tiefe schürfen“.

Dabei ist er keineswegs Eigenbrötler oder Kulturpessimist. Das hängt wohl auch mit der Herkunft zusammen: die Mutter war Schneiderin, der Vater Wagner, also Holzhandwerker. Trieb selber war zunächst technischer Zeichner und versuchte sich nebenbei früh als Künstler. Mit 30 Jahren hatte er es zum Projektleiter in einer Baufirma gebracht, hatte eine gewisse finanzielle Sicherheit erreicht und auch einen ersten künstlerischen Großauftrag an Land gezogen, so dass er seinem Leben die neue Richtung geben konnte.

Gerhard Trieb: Quadrate.

Angefangen mit den Quadraten hat es, dass er diese in vielfältigen Formaten auf Papier zeichnete. Dass die Tusche die papierene Unterlage wölbte, brachte ihn zur Dreidimensionalität und zur Bildhauerei. Das Knowhow für den Naturstein brachte er sich selber bei.

Hilfreich für die Bildhauerei erwies sich die Zeit in der Baubranche: steinerne Würfel oder Stelen verlangen eine gute technische Planung von der Gewinnung des Rohblocks bis zur Aufstellung des fertigen Stücks. Ebenso kann solche Kunstwerke nur der bewältigen, der eine sichere finanzielle Hand hat.

Gerhard Trieb

Fotos: Gerhard Trieb

(04.08.2014)