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Den Steinbruch zum Lebensraum für Tiere und Pflanzen machen

Steinbrüche sehen auf den ersten Blick wie eine geschundene Landschaft aus. Bei näherer Betrachtung zeigen sich dort jedoch vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen – den Begriff „dynamische Landschaft“ benutzt deshalb Beat Haller vom Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB). Er hat die Bärlocher AG bei deren naturnaher Gestaltung ihres Steinbruchs beraten. Die Maßnahmen wurden nun von der Schweizer Stiftung Natur & Wirtschaft mit dem „Zertifikat für naturnahe Firmenareale“ ausgezeichnet.

Der Steinbruch Kreienwald in Staad (Sankt Gallen) der Bärlocher AG ist die erste derartige Anlage unter den knapp 350 Firmengeländen, die bisher das Zertifizierungsverfahren der Stiftung durchlaufen haben.

Ein Beispiel für die Maßnahmen des Betreibers: am Fuß einer Abbauwand tritt immer Wasser aus, das üblicherweise über Rohre abgeleitet wird, so dass man Fläche etwa zum Lagern der Blöcke nutzen kann. Genauso aber kann man das Wasser auch durch einen offenen Graben abführen und den eventuell mit Balken oder Paletten locker abdecken, was wiederum der Natur ein Terrain zur Besiedlung gibt.

Denn die Pflanzen und Tiere, um die es hier geht, stören sich nicht am Betrieb selbst der großen Radlader. Die Gelbbauchunke zum Beispiel ist nachts unterwegs, wenn der Steinbruch schläft, und der Feuersalamander schätzt die Bruchstücke von Stein in feuchtem Gelände, damit er sich tagsüber darunter verstecken kann.

Oder: Wenn Bruchstücke zu einer Mauer gestapelt werden, lässt sich nicht nur eine Böschung sichern. Es entsteht auch ein Lebensraum zwischen heiß auf der Steinoberfläche und kühl in den Fugen, wo sich vielfältige Insekten ansiedeln, die wiederum Nahrung für Vögel sind.

Solche Nischen in einem Steinbruch nicht nur zuzulassen sondern sogar zu fördern, ist das Ziel der Zertifizierung. Anders ausgedrückt: neben die Gewinnung von Material wird der Erhalt der Umwelt als weiteres Ziel des Betriebs gestellt. Eng ist dabei die Zusammenarbeit der Stiftung mit dem FSKB-Verband, der in seiner Belegschaft von insgesamt 9 Personen immerhin 3 für die Beratung der Mitgliedsfirmen in Sachen Natur abgestellt hat.

Laudatio im Steinbruch: die Vergabe des Zertifikats an Hans Jakob Bärlocher (rechts) erfolgte im Rahmen des Rorschacher Stein(Fach)Gesprächs 2014, das der Firmenchef alle 2 Jahre veranstaltet. Foto: Robert Stadler

Ausgezeichnet wurde die Bärlocher AG auch für ihr Angebot für Schulklassen. Für die Jüngsten gibt es spielerisch ausgerichtete Besuche im Steinbruch, wo die Kinder auf Entdeckungstour gehen. Später gehört neben der Information richtiges Tätigsein zum Programm: mal werden Steinhaufen aufgeschichtet, mal wird eine Trockenmauer gebaut, mal werden invasive Pflanzen ausgerupft.

Zweifellos verlangt die Zertifizierung dem Bewerber-Betrieb einiges ab: Erwartet wird zunächst einmal Offenheit für ein Umdenken beim Betrieb des Steinbruchs. Dann ist die Beratung durch Beat Haller und sein Team auch noch zu bezahlen, und die Zertifizierung selber kostet je nach Betriebsgröße ab 750 Schweizer Franken (etwa 620 €). Zusätzlich kommt noch eine jährliche Gebühr in Höhe von 100 Franken dazu. Alle 5 Jahre muss neu zertifiziert werden.

Dafür dürfen die Firmen das Zertifikat und das Logo für Werbezwecke nutzen.

Zurück zum Begriff der „dynamischen Landschaft“. Menschliches Wirtschaften steht nicht zwangsläufig im Gegensatz zur Natur, sondern oft schafft es erst die Lebensräume für Fauna und Flora: So wäre ohne Ackerbau und Viehhaltung Zentraleuropa komplett mit Wald bestanden – offene Flächen etwa für den Feldhasen, den Distelfink oder den Grasfrosch gäbe es gar nicht.

Andererseits aber kann das menschliche Wirtschaften auch die Natur zerstören.

Stiftung Natur & Wirtschaft

Bärlocher AG

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(11.08.2014)