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Tucker Awards: Naturstein-Fassade mit einem Anklang an afrikanische Kente-Textilien

Ganz anders als die Pathos ausstrahlenden Museumsbauten entlang des Benjamin Franklin Parkway in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania ist das neue Ausstellungsgebäude der Barnes Foundation. Es verwendet an seiner nüchtern rechteckigen Fassade Naturstein nicht zum Protz, sondern als Hommage an den Gründer des Hauses, der auch eine bedeutende Sammlung afrikanischer Kunst zusammengetragen hatte: die Steinplatten geben die geometrischen und farbenprächtigen Muster der Kente-Stoffe von der Westküste Afrikas wieder.

Unser Screenshot eines Videos zeigt, was gemeint ist.

Unser Screenshot eines Videos zeigt, was gemeint ist.

Whow: Anklänge an Afrika statt an antike Tempel in der Fassade eines Gebäudes für die Hohe Kunst, und das mitten in Philadelphia, wo die Unabhängigkeitserklärung verkündet und die Verfassung beschlossen wurde!

Die Architekten waren Tod Williams und Billie Tsien. Sie hatten eine heikle Aufgabe zu lösen.

Dazu erst ein paar Takte zu Dr. Albert Coombs Barnes (1872-1951), dem Gründer der Stiftung: er war mit einem Medikament gegen den Tripper Millionär geworden, hatte in der Zeit der Depression mit viel Glück und Geschick berühmte Werke der Weltkunst zusammengekauft und sah sich immer verpflichtet, junge Leute an die Kunst heranzuführen.

Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.

Gleichzeitig muss er ein ziemlicher Exzentriker gewesen sein: für die Präsentation der Werke in seiner Ausstellung scherte er sich kein bisschen um den Rat der Fachleute und auch nicht um das Establishment, sondern setzte allein seine eigenen Vorstellungen um.

Jetzt müssen wir doch verraten, was genau diese Sammlung beinhaltet, über deren Wert man Schätzungen von zwei Milliarden US-$ hören kann: 69 Cézannes, 59 Matisses, 46 Picassos und 7 van Goghs neben vielem mehr, listet Wikipedia auf.

Angesichts der außergewöhnlichen Bedeutung dieser Sammlung ist es natürlich berechtigt, über Barnes’ Verfügung zu diskutieren: dass nach seinem Tod die Werke erstens am angestammten Ort in Lower Merion unweit von Philadelphia zu bleiben hätten und das zweitens sich nichts an der Präsentation ändern dürfe.

Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.

Vielleicht, dass die Architekten und die heutige Leitung der Stiftung mit der neuen Fassade eine Verneigung vor dem alten Herrn vornehmen wollten. Denn Barnes’ hatte immer ein spezielles Auge für die afrikanische Kunst gehabt.

Seine spezielle Art der Präsentation wurde übernommen, wenn auch durch die neue Architektur nutzerfreundlich gestaltet. Endlich gibt es zum Beispiel eine vernünftige Beleuchtung.

Ein bisschen Barnes findet der Besucher gleich im Eingangsbereich: dort werden Mitteilungen und Termine nicht mit LED-Anzeigen oder Laufbändern präsentiert. Was kund zu tun ist, wird per Projektor auf eine Wand geworfen.

Hat der Besucher den Eingangsbereich hinter sich gelassen, gelangt er zunächst in den Innenhof mit einem Café. „Durch die Fenster werfen einem ... El Grecos und Gaugins verstohlene Blicke zu“,  kommentierte die Zeitschrift Vogue.

Hat der Besucher den Eingangsbereich hinter sich gelassen, gelangt er zunächst in den Innenhof mit einem Café. Gerade so, als hätte man sich von den Nachbarn zu einem Schwatz auf die Terrasse einladen lassen, schaut man von hier durch schlichte Fenster in die Innenräume. „Durch die Fenster werfen einem … El Grecos und Gaugins verstohlene Blicke zu“, kommentierte die Zeitschrift Vogue.

Erwähnenswert ist, wie dieser Lichthof mit Naturstein gestaltet ist: An den Wänden findet man den Kalkstein Ramon Gold, eine farbliche Variante des Ramon Grey, mit dem die Außenfassade verkleidet ist.

Erwähnenswert ist, wie dieser Lichthof mit Naturstein gestaltet ist: An den Wänden findet man den Kalkstein Ramon Gold, eine farbliche Variante des Ramon Grey, mit dem die Außenfassade verkleidet ist. Beide kommen aus demselben Steinbruch in Israel. Geliefert wurden beide von ABC Stone.

Sehr dekorativ sind die weißen Flächen zwischen den Steinplatten. Bei ihnen handelt es sich um Textilarbeiten der niederländischen Künstlerin Claudy Jongstra.

Sehr dekorativ sind die weißen Flächen zwischen den Steinplatten. Bei ihnen handelt es sich um Textilarbeiten der niederländischen Künstlerin Claudy Jongstra.

Im Auditorium mit 150 Sitzplätzen findet man wieder die goldene Variante des Steins. Aus akustischen und dekorativen Gründen sind Flächen aus Textilien beziehungsweise aus Holz zwischen die Steinplatten eingefügt.

Im Auditorium mit 150 Sitzplätzen findet man wieder die goldene Variante des Steins. Aus akustischen und dekorativen Gründen sind Flächen aus Textilien beziehungsweise aus Holz zwischen die Steinplatten eingefügt.

Auf dem Boden liegt ein deutscher Kalkstein, geliefert von ABC Stone. Dem waren wir schon im Lichthof als Umrandung auf dem Boden begegnet.

Das Museum ist das erste Gebäude, das eine LEED-Zertifizierung der obersten Stufe („Platinum“) bekommen hat. Dazu trugen auch weitere Natursteine bei: verwendet wurde der Granit San Sebastian, den die Firma Polycor in Kanada abbaut. Bei ihm betrug der Transportweg weniger als 500 Meilen. Geliefert wurde er von der Firma Walker Zanger. Daneben wurde noch der Granit Absolute Black verbaut.

Broschüre Tucker Awards. Die aufwändige Kooperation aller Beteiligten in Sachen Stein ist detailliert ab Seite 36ff beschrieben.

Barnes Foundation

Tod Williams Billie Tsien architects

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Fotos: Barnes Foundation

Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.Tod Williams und Billie Tsien Architekten: Das neue Gebäude der Barnes Foundation in Philadelphia.

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(14.09.2014)