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In den USA wurden Standards für die umweltfreundliche Natursteinproduktion festgelegt

Seit Mitte des Jahres 2014 gelten in den USA Standards für die umweltfreundliche Produktion von Naturstein. Ihr offizieller Titel ist „ANSI/NSC 373“, hinter dessen Abkürzungen einige der beteiligten Institutionen stehen. Die Standards wurden im Juni auf dem Kongress des American Institute of Architects in Chicago der Öffentlichkeit vorgestellt.

Damit ist auch schon klar, für wen sie gemacht sind, nämlich für den Verbaucher, in diesem Fall: für Architekten und für Bauherren.

Bei den Standards geht es darum, die Gewinnung und Verarbeitung von Naturstein sowie die dazwischen liegenden Vorgänge wie Transport oder Lagerung möglichst ohne große Belastungen sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen an ihren Arbeitsplätzen zu gestalten.

Etwas schwer zu verstehen sind die Standards deshalb, weil sie gar keine Festlegungen machen, etwa wieviel Strom in einem Steinbruch oder wieviel Wasser beim Zersägen der Rohblöcke verbraucht werden darf. Solche Festlegungen wären gar nicht möglich, weil die Gegebenheiten von Steinbruch zu Steinbruch beziehungsweise von Fabrik zu Fabrik nicht über einen Kamm zu scheren sind.

Vielmehr wollen die Standards einen Prozess in Gang setzen. Der beginnt damit, dass sich die Firmen selber zunächst einmal über die umweltrelevanten Aspekte ihrer Arbeit bewusst werden. Das ist der Ist-Zustand, der mit Messdaten usw. niedergeschrieben wird. Wer will, kann auch die Daten von Jahren zuvor als seinen Ist-Zustand deklarieren.

Zusätzlich zu diesen Daten können und sollen die Firmen Zielsetzungen für Verbesserungen und Wege dorthin formulieren.

Die Daten gehen an NSF International. Das ist eine Organisation, die Produkte in Bezug auf ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit bewertet. Sie analysiert die eingereichten Daten anhand der Vorgaben des staatlichen American National Standards Institute (ANSI), überprüft sie anschließend vor Ort im Steinbruch oder in der Fabrik und vergibt schließlich dafür Punkte.

Mit diesen Punkten wird die Firma in ein Ranking eingestuft: beim Erreichen der Mindestzahl gibt es den Bronze-Standard, bei besseren Werten geht es über Silber und Gold hoch bis Platin.

Das Siegel „Genuine Stone“.Wer diesen Prozess erfolgreich durchlaufen hat, darf das geschützte Siegel „Genuine Stone“ (im jeweils erreichten Ranking) auf seine Produkte kleben und damit werben.

Jedoch: nur für 3 Jahre darf die Firma das. Danach steht eine neuerliche Überprüfung an.

Und: während der 3 Jahre hat die Firma keineswegs ihre Ruhe. Vielmehr behält NSF International den Blick darauf, ob das Unternehmen sich auf seine selbsterklärten Ziele zubewegt. Das geschieht im Regelfall per Bericht seitens der Firma, kann aber auch in einem Besuch vor Ort erfolgen.

Der 3-Jahres-Rhythmus soll dabei auch eine Eigendynamik ins Leben rufen: wenn ein Unternehmen sich nach dieser Zeit schon neu überprüfen lassen muss, wird es sich wohl gleich bemühen, in die bessere Rankingklasse aufzusteigen, kann man vermuten.

Neun große Kriterienfelder sind für die Vergabe der Standards festgelegt. Es sind unter anderem Wasser, Energie, Arbeitsbedingungen, Grundsätze der Unternehmensführung (Details siehe pdf zum Download).

Der Aufwand ist groß, um es gleich zu sagen. In einem Video des Marble Institute of America (MIA) berichtet eine Firmenvertreterin, dass bei ihr die Standards mit rund 5000 US-$ zu Buche geschlagen hätten.

Die Gebühren, die an NSF International zu entrichten sind, richten sich nach Faktoren wie Unternehmensgröße, Art der Tätigkeit oder angestrebtes Ranking.

Da muss man die Frage stellen, warum sich die Branche einem solchen Aufwand unterzieht, mehr noch: warum sie selber fast 5 Jahre lang viel Geld ausgegeben hat, dass die Standards erarbeitet und von staatlicher Seite offiziell absegnet wurden.

Der Grund liegt in der Macht, die die Konsumenten in den USA haben. Sie wollen Produkte, die der Umwelt und den Menschen möglichst wenig schaden, dies sowohl bei sich zuhause wie auch gegebenenfalls im Ausland.

Sind sie nicht aber auch eine Abschottung des US-Marktes gegenüber ausländischen Lieferanten?

Auch weiterhin können Produkte ohne Siegel in die USA geliefert und dort verkauft werden. Ob sie allerdings noch Zugang zu finanzkräftigen Kunden finden, ist zumindest fraglich.

Das Natural Stone Council hat freundlicherweise Statements von US-Firmen und Branchenvertretern für uns gesammelt, die einen Insiderblick auf die Standards geben. In unserem pdf sind auch die oben erwähnten 9 Kriterienfelder für Steinbruchbetreiber oder Verarbeiter aufgelistet (pdf).

StoneIdeas.com hatte bei der Recherche eine lange Liste von Fragen auch zu Detials an die Beteiligten in den USA geschickt. Wir stellen Fragen und Antworten zum Download bereit (pdf).

NSF International

Natural Stone Council

In der keramischen Industrie ging es kürzlich um internationale Standards.    

(28.10.2014)