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Entstand das Leben in der Erdkruste, statt dass es von einem Kometen kam?

Philae und Rosetta wurden über eine halbe Milliarde km Distanz zum Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko („Tschuri“) geschickt, um unter anderem die Frage zu klären, ob solche Himmelskörper das Leben auf die Erde brachten. Forscher der Universität Duisburg-Essen (UDE) empfehlen statt dessen den Blick in die Erdkruste: in diesem äußeren Bereich der Erdkugel bis in durchschnittlich 35 km Tiefe lägen alle notwendigen Materialien und zudem optimale Bedingungen vor, damit organische Materie entstehen könnte. Die „aufsehenerregende These macht gerade in Expertenkreisen Furore“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Hochschule.

Ausgangspunkt der Überlegung ist, dass aus den Tiefen der Erdkruste über zahlreiche Risse und Verwerfungen permanent Wasser, Kohlendioxid und andere Gase aufsteigen. In der Eifel zum Beispiel geschieht das noch heute. Diese Flüssigkeiten und Gase enthalten alle erforderlichen Stoffe, die man für organisch-biologische Moleküle benötigt, so der Geologe Professor Dr. Ulrich Schreiber.

Eine besondere Rolle spiele dabei das Kohlendioxid, weil es ab einer Tiefe von etwa 800 Metern zugleich flüssig und gasförmig („überkritisch“) ist. „Es wirkt dann wie ein organisches Lösungsmittel und erweitert die Zahl der möglichen chemischen Reaktionen erheblich“, so der Physikochemiker Professor Dr. Christian Mayer. Anders ausgedrückt: es wird eine Chemie möglich, die es an der Erdoberfläche nicht geben kann.

Außerdem bildet das überkritische Kohlendioxid mit Wasser Grenzflächen, die schrittweise zu einer Doppelschicht-Membran führen – dem wichtigsten Strukturelement der lebenden Zelle.

Damit beantwortet das Modell verschiedene Fragen zur Entstehung des Lebens auf einen Schlag: Wo kamen die Moleküle für die organischen Bausteine her? Wie wurden sie aufkonzentriert und woher stammt die dafür notwendige Energie? Wie kam es zu der Membranbildung als Voraussetzung für die Zelle?

„Besonders attraktiv für das Erklärungsmodell ist zudem die Tatsache, dass diese Entstehungsbedingungen schon in bestimmten Gesteinen aus der Frühzeit der Erde nachgewiesen werden konnten“, so Chemieprofessor Oliver Schmitz. So haben die Wissenschaftler in winzigen Flüssigkeitseinschlüssen, wie sie in uralten australischen Gangquarzen vorkommen, schon eine Vielzahl organischer Stoffe nachgewiesen.

Quelle: Pressemitteilung

Wo das Leben begann: in den tiefreichenden tektonischen Störungszonen mit Kontakt zum Erdmantel, so die Forscher der Universität Duisburg-Essen (UDE). Grafik: UDE / G. Berberich(21.11.2014)