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Archäologen graben im Steinbruch der Tempelanlage von Baalbek wieder einen Riesenbrocken aus

Der Steinbruch von Baalbek im Libanon hat eine Sensation mehr: Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) entdeckten bei der Grabungskampagne im vergangenen Sommer dort einen Steinblock, der, auch wenn er noch gar nicht ganz freigelegt werden konnte, das weltweit größte Stück seiner Art ist. Auf etwa 1650 t wird der Kalkstein-Monolith geschätzt, der vermutlich als Ganzes für den Jupitertempel in der nahen römischen Tempelanlage von Baalbek gedacht war.

Der „Hajjar al-Hibla“ (Stein der schwangeren Frau), Foto aus dem Jahr 2010 vor der aktuellen Ausgrabung. Foto: Senemm TSR / Wikimedia Commons

Direkt neben und über sich hat der neue Riese einen anderen, seit langem bekannten Giganten: dessen Name ist „Hajjar al-Hibla“ (Stein der schwangeren Frau), und er bringt knapp 1000 t auf die Waage. Von ihm kennt man inzwischen die Gründe, weshalb er im Steinbruch liegen blieb: in einer Ecke ist die Qualität des Materials minderwertig, zudem gibt es einen natürlichen Riss, so dass der Block beim Transport vermutlich gebrochen wäre.

Die Grabungskampagne im Sommer hatte zum Ziel, Erkenntnisse zur Abbautechnik und zum Transport solcher Giganten zu gewinnen. Dazu wurden Bearbeitungsspuren dokumentiert und die alten Abfallhalden aus den Brüchen auf datierbare Keramikscherben sowie Kleinfunde hin untersucht.

Zahlreiche der größten Bausteine der Menschheitsgeschichte finden sich in Baalbek. So auch jene 3 Giganten direkt am Jupitertempel, mit über 19 m Länge und einem Querschnitt von ungefähr 4 x 4 m. Jeder von ihnen bringt es auf ein Gewicht von rund 800 t.

Geplant waren sie vermutlich für ein riesiges Podium um den Jupitertempel herum.

Das nun gefundene Stück ist 19,60 m lang, 6 m breit und mindestens 5,5 m hoch. „Da eine Schmalseite bereits sehr gut geglättet ist und die Vorgaben für die Glättung einer Langseite erhalten sind, muss geplant gewesen sein, den Block in diesen Gesamtmaßen auszuliefern und zu transportieren“, heißt es in einer Pressemitteilung des DAI.

Der Jupitertempel in Baalbek. Foto: Fouad Awada / Wikimedia Commons

Die Tempelanlagen von Baalbek, errichtet hauptsächlich im 2. Und 3. Jahrhundert nach Christus, beherbergen einige der wichtigsten Zeugnisse für die Architektur der römischen Kaiserzeit im Nahen Osten. Das Jupiterheiligtum dort ist eine der großen Sakralanlagen der Epoche. Seine heute noch stehenden sechs Säulen an der Südseite sind eines der Wahrzeichen des Staates Libanon.

Der Bacchustempel in Baalbek. Foto: Dominik Tefert / Wikimedia Commons

Vor allem der Bacchustempel zog seit dem Mittelalter Scharen von Fans der antiken Architektur und Kunst an. Er ist beinahe vollständig erhalten und trägt einen reichen Schmuck, unter anderem an den Türrahmen.

Die aktuellen Grabungen standen unter der örtlichen Leitung von Prof. Dr. Jeanine Abdul Massih, Lebanese University. Sie ist derzeit Senior Fellow des Exzellenzclusters „Topoi“ und langjährige Kooperationspartnerin im Baalbek-Projekt der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (Leitung Dr. Margarete van Ess). Die Forschungen fanden in enger Kooperation mit der libanesischen Antikenverwaltung statt. Sie wurden aus Mitteln des DAI und des Excellenzclusters „Topoi“ finanziert.

Deutsches Archäologisches Institut (DAI)

Löwenfigur in Baalbek: Foto: Dominik Tefert / Wikimedia Commons(12.12.2014)