www.stone-ideas.com

Steinbranche vor der „Dritten Welle“: Brasilien will Export hochwertiger Produkte ankurbeln

Decolores: „Mirage“.

Brasiliens natürlicher Reichtum an Ressourcen zeigt sich jedes Jahr, wenn die Natursteinbranche des Landes mit neuen Sorten auf den Markt kommt. Zuletzt stellte zum Beispiel die Firma Decolores „Mirage“, „Andromeda“ oder „Avalon“ vor: es handelt sich um Gesteine aus der Bacia do Paraná.

Decolores: „Mirage“.
Decolores: „Andromeda“.
Decolores: „Avalon“. Fotos: Decolores

Oder die Marmore aus dem Bundesstaat Espírito Santo: sie haben ungewöhnlich große Kristalle und wirken deshalb klar und beinahe durchsichtig. Vor einigen Jahren hatten sie wegen ihrer Zerbrechlichkeit keinen Erfolg am Markt. Nun werden sie mit Harz behandelt und treffen auf großes Interesse bei den Kunden.

Oder die extrem farbigen und strukturierten „Exóticos“, die neuerdings auch aus dem Nordosten des Landes kommen. Vor allem im Bundesstaat Ceará hat sich mittlerweile ein zweiter Branchenschwerpunkt neben dem bisherigen Zentrum in Espírito Santo etabliert.

Brasiliens Natursteinexporte in US-$: Summe (violett), verarbeitete Produkte (blau), Blöcke Granit (grün), Blöcke Marmor (hellgrün). Quelle: „Informe“ (1/2015)

Laut der aktuellen Statistiken, verzeichnete Brasilien im letzten Jahr bei den Exporten einen Rückgang – keinen Einbruch, aber immerhin nach Wert der Ausfuhren ein Minus von 1,94% gegenüber dem Vorjahr. In Zahlen: es wurden Natursteine für 1.276.785.993,00 US-$ (kurz: 1,28 Milliarden US-$) ins Ausland verkauft; das entsprach 2.547.185,49 t. Zum Vergleich: 2013 waren es 1.302,11 Milliarden US-$ beziehungsweise 2.725.628,78 t gewesen.

Hier lohnt der Blick auf die wichtigsten Zielgebiete, da es bei Brasiliens Natursteinexporten eine doppelte Monokultur gibt.

In die USA, wohin fast die ganzen Platten gehen, wurde zwar noch ein Anstieg nach Wert um 2,45% auf 789,65 Millionen US-$ erzielt. Nach China hingegen, das fast ausschließlich Rohblöcke bezieht, gab es ein saftiges Minus um 21,75% auf 144,46 Millionen US-$. Im Jahr 2013 waren in beiden Zielgebieten noch gleichermaßen kräftige Zuwächse erzielt worden (USA: +33,4%, China +25,9%).

Im aktuellen Magazin „Informe“ (1/2015) des Verbandes Abirochas nennt das Beraterbüro Kistemann Chiodi die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft als Grund für den Rückgang der Exporte dorthin.

Im Bezug auf die USA meinen die Berater, dass Brasiliens Natursteinwirtschaft gerade die „Dritte Exportwelle“ in Angriff genommen habe: Künftig wolle man auch in das Geschäft mit Großprojekten einsteigen, während bisher der Schwerpunkt vor allem auf Küchen und Bädern in Einfamilienhäusern gelegen habe.

Die Maschinen für diese Neuorientierung hätten die Firmen schon angeschafft: allein im Jahr 2013 wurden laut „Informe“ (15/2014) modernste Anlagen im Wert von 148,1 Millionen US-$ gekauft, dies vor allem in Italien. Zahlreiche Unternehmen würden inzwischen über Maschinen zum Beispiel für die vollautomatische Herstellung von Fliesen verfügen, so die Berater Cid Chiodi und Ehefrau Denize Kistemann.

Was China betrifft, sei das Ziel, den Sprung auf die „Zweite Welle“ zu schaffen. Gemeint ist damit die Abkehr vom Status eines Entwicklungslandes, das seine Schätze nur als Rohmaterial verkauft und so dem Kunden die Gewinnmargen aus der Verarbeitung überlässt.

Schon zur Messe in Xiamen 2014 hatten der Verband Abirochas und die Exportorganisation Apex angekündigt, man wolle bei den chinesischen Behörden erreichen, dass dort die hohen Importzölle für verarbeitete Produkte abgeschafft werden.

Zwar war nie etwas von einem Ergebnis dieser Gespräche zu hören gewesen. Jedoch zeigt die Statistik für 2014 in dieser Hinsicht eine positive Entwicklung: bei den Lieferungen von Platten nach China gab es eine Steigerung um 70% nach Wert und 125,64% nach Gewicht auf 5,8 Millionen US-$ beziehungsweise 4.226,27 t. Wohlgemerkt: das ist verschwindend wenig im Vergleich zu den Lieferungen an Rohblöcken (144,46 Millionen US-$ beziehungsweise 788.020,92 t) im selben Zeitraum.

Aber immerhin, vielleicht.

„Informe“ 1/2015 (portugiesisch)

„Informe“ 15/2014 (portugiesisch)

Decolores

(02.02.2015)