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Architektur aus Palästina: Massivbauten aus Stein nach alten Vorbildern

Elias und Yousef Anastas, AAU Anastas: „Stonesourcing Space“.

Es geht um nationale Identität und Kultur und um die uralte Frage, wie Architektur das unterstützen kann. Elias und Yousef Anastas, aus Palästina stammende Brüder mit Planungsbüros in Bethlehem und in Paris, treibt diese Frage seit langem um. Kürzlich haben sie in ihrer Heimatstadt ein Projekt realisiert, das durch die Verwendung klassischer Bauweisen und des Materials Naturstein einen Beitrag leisten will, die vielfältigen Schwierigkeiten in Palästina zu überwinden.

Gemeint war der „Stonesourcing Space“, so der Name, als planerischer und politischer Denkanstoß.

Dazu stellten sie auf dem Nativity Square einen Pavillon aus Stein auf, der in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich war. Gemeint war der „Stonesourcing Space“, so der Name, als planerischer und politischer Denkanstoß.

Zwei Bezüge zur heimischen Architektur sind eingeflossen in den Pavillon. Zum einen sind es die alten Manateers, aus Stein geschichtete Hütten auf dem Land, die Hirten oder Wanderern Schutz boten.

Zwei Bezüge zur heimischen Architektur sind eingeflossen in den Pavillon. Zum einen sind es die alten Manateers, aus Stein geschichtete Hütten auf dem Land, die Hirten oder Wanderern Schutz boten. Im Süden Italiens kennt man ähnliche Rundbauen unter dem Namen Trulli.

Die Schichtung von Steinen ohne Mörtel findet sich ähnlich im Stonesourcing Space. Dass massiver Stein verwendet wurde, hat ebenfalls mit den lokalen Gegebenheiten zu tun: ehemals baute man rund ums Mittelmeer Häuser mit massiven Wänden aus Stein, die die Kälte der Nacht aufnahmen und tagsüber abgaben. Naturstein mit seinem hohen Potenzial der Wärmespeicherung wurde als natürliche Klimaanlage eingesetzt.

Das ist beim Stonesourcing Space jedoch nur angedeutet, jedoch haben Text- und Bildtafeln auf dem Nativity Square es ausführlich erläutert.

Das ist beim Stonesourcing Space jedoch nur angedeutet, jedoch haben Text- und Bildtafeln auf dem Nativity Square es ausführlich erläutert.

Der zweite Bezug zur historischen Architektur sind die offenen Wände. Unter dem Namen Mashrabyia kennt man sie aus vielen muslimischen Ländern.

Der zweite Bezug zur historischen Architektur sind die offenen Wände. Unter dem Namen Mashrabyia kennt man sie aus vielen muslimischen Ländern: es handelt sich um reiche Ornamente anstelle von Glasscheiben in den Fenstern. Sie versperren den Blick von außen nach innen, erlauben aber die Zirkulation der Luft und sorgen so ebenfalls für Kühlung.

Aus Indien kennt man die Mashrabyias unter dem Namen Jalli.

Besonderheit am Stonesourcing Space ist, dass von unten nach oben sich die Höhe der Steine und die Zwischenräume verändern.

Verschiedene politische Aussagen verknüpfen die Brüder mit ihrer Idee. Denn die alten Manateers auf dem Land hatten auch die Funktion, dem Wanderer klarzumachen, dass das Terrain jemandem gehörte. Nicht von ungefähr wurde der Pavillon nach 2 Monaten in Bethlehem demontiert und im Wadi Makhrour wieder aufgebaut, wo es Zusammenstöße mit der israelischen Armee gegeben hatte. Vorher hatte unweit von Nablus eine Gruppe von Palästinensern ihr Zeltlager zum Protest gegen die israelische Okkupation „Al-Manateer“ genannt.

Die Brüder propagieren mit ihrem Experiment die alte Idee der verdichteten Stadt mit einem Platz als Mittelpunkt.

Ein anderer politischer Aspekt dreht sich um schleichende Veränderungen, wie in Palästina gebaut wird. Die Brüder propagieren mit ihrem Experiment die alte Idee der verdichteten Stadt mit einem Platz als Mittelpunkt.

Inzwischen haben sie ein Forschungslabor namens Scale gegründet, in dem die Idee der Naturstein-Architektur mit regionalem Bezug weitergetrieben wird. Aktuelles Thema sind steinerne Bögen, aus denen sich Gewölbe und Gebäude errichten lassen.

Ein erstes Ergebnis davon ist das Projekt el-Atlal: im Rahmen eines Festivals soll im kommenden Oktober in Jericho ein Pavillon in dieser Bauweise als Wohnung für Künstler errichtet werden.

Ein weiteres Arbeitsgebiet der Brüder ist die Firma Local Industries, die mit einheimischen Kunsthandwerkern erschwingliche Möbel baut und auf den Markt bringt.

AAU Anastas

Scales

el-Atlal

Local Industries

Fotos: Mikaela Burstow

Elias und Yousef Anastas, AAU Anastas: „Stonesourcing Space“.
(13.05.2015)