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In den deutschen KZs wurden Steinbrüche als Orte der Vernichtung genutzt

Der Steinbruch des KZ Mauthausen, 1941-1942. Foto: Bundesarchiv / Wikimedia Commons

In den ersten Monaten im Jahr 1945, also vor 70 Jahren, befreiten die alliierten Truppen auch die Konzentrationslager (KZ) im Machtbereich der Deutschen. Dort waren Millionen Menschen mit grausamsten Methoden umgebracht worden, und die Natursteingewinnung spielte eine wichtige Rolle bei der Vernichtung, weshalb wir hier daran erinnern wollen.

Etwa von 1936 an hatte Hitler damit begonnen, in vielen deutschen Städten so genannte Führerbauten zu planen. Sie sollten die Macht der Nazis unterstreichen, und Naturstein sollte ihnen den Anschein von Dauerhaftigkeit und Unbezwingbarkeit geben.

Um das Material für diese Bauten zu beschaffen, gründete die SS die Organisation Deutsche Erd- und Steinwerke (DEST). Diese pachtete Steinbrüche und Lagerstätten von Lehm oder Kies und ließ nebenan Konzentrationslager errichten. Die Häftlinge dort sollten Naturstein brechen oder Ziegel brennen.

Das geschah nach dem Nazi-Konzept der Vernichtung durch Arbeit: die Häftlinge mussten schwerste Tätigkeiten bei minimaler Ernährung ausführen und lebten unter elenden Bedingungen. Dazu kamen brutalste Schikanen der Aufseher.

Der Horror in diesen Arbeitslagern lässt sich ahnen, wenn man die Schilderung von Insassen zum Beispiel über das KZ Mauthausen liest: dort gab es die berüchtigte „Todesstiege“ als Verbindung zwischen dem Steinbruch in der Tiefe und dem Lager. Ein Kommando musste mehrmals am Tag schwere Steinbrocken auf den Schultern nach oben tragen.

Ein Insasse des nahe gelegenen KZ Gusen berichtet von Stücken mit 50 kg Gewicht.

Die „Todesstiege“ im Lager Mauthausen führte über 38 m in die Höhe und bestand aus 186 Stufen, die aus ungleichen Felsbrocken zusammengesetzt waren. Das Aufsteigen verlangte höchste Kraftanstrengung, zumal die Aufseher das Marschieren als Kolonne verlangten.

Beim Abstieg machten sich die SS-Leute und Kapos dann einen Spaß daraus, die Häftlinge am Ende einer Kolonne ins Fallen zu bringen, so dass sie die Vordermänner mitrissen und ein ganzer Pulk über die Stufen in die Tiefe stürzte.

Ähnlich waren die Bedingungen für die Insassen im KZ Flossenbürg, wo Granit gewonnen wurde. Auf der Webpage der Gedenkstätte heißt es: „Ohne Sicherheitsvorkehrungen, schlecht bekleidet und bei jedem Wetter müssen sie Erde abtragen, Granitblöcke absprengen, Loren schieben und Steine schleppen. Unfälle sind an der Tagesordnung. Ein Arbeitstag im Steinbruch dauert zwölf Stunden, nur unterbrochen von einer kurzen Pause, in der ei¬ne dünne Suppe ausgegeben wird … Nach Arbeitsschluss müs¬en Häftlinge die Toten zurück ins Lager tragen.“

40 Jahre später, am 08. Mai 1985, zeichnete der damalige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker einen neuen Umgang mit diesem Teil der deutschen Geschichte vor: der Tag des Kriegsendes sei ein „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ gewesen, sagte er bei einer Rede im Bundestag.

Bei den Gedenkfeiern in diesem Jahr wurde wiederum ausdrücklich die Rolle der Alliierten als Befreier vom Faschismus herausgestellt. Dabei ging es nicht nur um die Soldaten der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion, sondern auch um die Vertreter weiterer Länder wie Polen oder der Niederlande, die bei den Alliierten Dienst taten.

Gedenkstätte Mauthausen

Gedenkstätte Flossenbürg

Video Grenzgeschichten zum KZ Flossenbürg

Gedenkstätte Gross-Rosen, Rogoźnica, Polen

(03.06.2015)