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Vor 150 Jahren gelang die Erstbesteigung des Matterhorns

Sonnenaufgang am Matterhorn im Winter. Foto: Kurt Müller / Zermatt Tourismus

Als sich am 13. Juli 1865 der Brite Edward Whymper, der Schweizer Bergführer Peter Taugwalder und weitere fünf Enthusiasten in aller Früh zum Aufstieg auf den knapp 4500 m hohen Felszahn über der Ortschaft Zermatt aufmachten, war das Interesse der Menschen am Hochgebirge noch jung: gab es doch dort nicht viel zu holen, waren die Umstände gefährlich und hielt sich in manchen Köpfen die Vorstellung von einem Refugium der Götter, wo die Menschen nichts zu suchen hatten.

Auch geologisch wusste man noch nicht viel über die Berge. Erst 1911 kam Alfred Wegener auf seine Theorie der Kontinentalverschiebung. Aus ihr lässt sich ableiten, dass das Matterhorn ein Überbleibsel eines Südkontinents ist, der sich vor Jahrmillionen über einen Nordkontinent schob und dabei die Alpen auffaltete. Gletscher und Wasser schliffen im Lauf der Zeit die Flanken des Matterhorns zu den heutigen steilen Kanten ab.

Die Spitze besteht aus Gneisen der so genannten Dent-Blanche-Decke, die vom ehemaligen Südkontinent stammen. Darunter liegen die Sedimente des Tethys-Meeres aus grauer Vorzeit.

Bergwandern unterhalb des Matterhorns. Foto: Michael Portmann / Zermatt Tourismus

Zurück zu der Erstbesteigung von 150 Jahren: Mit den seit dem 18. Jahrhundert aufkommenden nationalen Begeisterungen boten die Berge den Abeneuerlustigen plötzlich ein neues Schlachtfeld. Ruhm war hier zu erlangen, und sogar Berühmtheit einer besonderen Art: wer als erster einen markanten Gipfel erreichte, würde auf ewig erster bleiben.

Der Brite Edward Whymper, aus ärmlichen Verhältnissen stammend und erfahrener Zeichner der alpinen Bergwelt, wollte auf diesem Weg den gesellschaftlichen Aufstieg schaffen. Sechsmal hatte er sich erfolglos am Matterhorn versucht; im Sommer 1865 geriet sein Vorhaben gar unter Zeitdruck, weil von der italienischen Seite aus eine Mannschaft ebenfalls den Aufstieg plante.

Am 14. Juli am frühen Nachmittag standen Whymper und seine schnell zusammengewürfelte Mannschaft auf dem Gipfel. Tief unter sich sahen sie die Gruppe der Italiener.

Beim Abstieg gab es jedoch einen Riss im Sicherungsseil und vier der Kletterer stützten in die Tiefe. Eine Suchexpedition ein paar Tage später fand nur die zerschmetterten Reste ihrer Körper.

Ungereimtheiten gab es, wieso die Verbindung zwischen den unteren vier, die in die Tiefe stürzten, und den oberen drei, die sich am Berg halten konnten, mit einem viel zu schwachen Seil erfolgt war. Im Moment das Absturzes riss es sofort.

Zahlreiche Anschuldigungen und Spekulationen gab es, und manche Zeitgenossen wollten gar glauben, der Berg hätte Rache für die Bezwingung genommen.

In neueren Untersuchungen heißt es, dass schon beim Aufstieg der Kern für das Unglück gelegt wurde: kurz unter dem Gipfel hatte sich nämlich Whymper mit einem weiteren Kletterer aus dem Verband gelöst und war vorausgeeilt. Vielleicht, dass er bei dieser Gelegenheit das – sichere und dickere – Verbindungsseil einfach zerschnitt, so dass es für den Abstieg mit dem schwächeren Teilstück zusammengestückelt werden musste.

Zermatt, Erstbesteigung

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(13.07.2015)