www.stone-ideas.com

Weg von den glatten Fassaden, hin zu mehr Gestaltung mit Reliefs und Ornamenten

Christoph Sattler: Wohn- und Geschäftshaus in Hagen.

Glatte Fassaden hält der deutsche Architekt Christoph Sattler nicht als diejenige Form der Gestaltung, die der europäischen Stadt angemessen ist. Er plädiert für 3D-Strukturen in der Verkleidung eines Gebäudes und spricht von „Reliefs und Ornamenten“. Seiner Ansicht nach tragen diese dazu bei, dass die Stadt lebendig ist und zu einem lebenswerten Aufenthaltsort für die Bürger wird.

Sattler hielt die Festrede zur Verleihung des Deutschen Natursteinpreises am Rand der Stone+tec in Nürnberg.

Christoph Sattler: Wohn- und Geschäftshaus in Hagen.

Stein ist laut Sattler ein ideales Fassadenmaterial für den Architekten, weil es enorm viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Das liege an der Oberfläche des Materials: Seit alters her würden die Bauherren zum Beispiel Säulen, Simse oder Kanelluren in die Außenhaut eines Gebäudes einbringen.

Christoph Sattler: Gebäude am Leipziger Platz, Berlin.Christoph Sattler: Gebäude am Leipziger Platz, Berlin.

In Stein ließen diese sich mit einem schier unendlichen Detailreichtum und mit einer enormen Präzision ausführen.

Christoph Sattler: Max-Palais, München.

Und nicht zuletzt: im Stein seien diese Details haltbar, so dass sich die Gestaltung des Architekten über lange Zeiträume präsentieren könne. Veränderung am Erscheinungsbild spiele sich nur im Altern des Materials ab, aber das mache ein Gebäude nicht unansehnlich, sondern gebe ihm Patina.

Zusammenfassend appellierte er an die Fachkollegen: „Wir müssen uns wieder mit dem Ornament beschäftigen, weil es uns als Architekten innewohnt.“

Von der Steinbranche erwartet er, dass sie das Spielfeld der Oberflächengestaltung erweitert. „Ich bin sicher, dass es riesige Möglichkeiten gibt, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können.“

Christoph Sattler: Gemäldegalerie, Berlin.

Wobei Sattler keineswegs will, dass krampfhaft neue Ideen ausprobiert werden. Sein Verständnis von Neuerung in der Architektur ist sehr bescheiden: „Entwerfen hat weniger mit Erfinden als mit dem Neukombinieren von gespeicherten architektonischen Erinnerungen zu tun“, heißt einer seiner Kernsätze. Schließlich hätte es die Gestaltungen von heute schon in der Antike gegeben.

Das alles hörten bei der Preisverleihung die Zuhörer aus der Natursteinbranche natürlich gern. Joachim Grüter, Präsident des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV), nahm den Ball auf und spielte ihn als Appell an die Architekten gleich zurück: „Binden Sie uns ein, und wir machen das, was Sie sich vorstellen.“

Christoph Sattler zählt zu den bekanntesten deutschen Architekten der Gegenwart. Mit dem Büro Hilmer & Sattler und Albrecht hat er unter anderem den viel gelobten Neubau für die Gemäldegalerie in Berlin errichtet. Von seinem Büro stammt der Bebauungsplan für den Potsdamer Platz und Leipziger Platz in Berlin, in dem er sich für das europäische Modell der kompakten und räumlich komplexen Stadt aussprach.

Derzeit hat er zusammen mit Gerkan Marg und Partner die Bauausführung für das Berliner Schloss-Humboldtforum inne. Sein eigener Entwurf dafür war zwar nicht ausgewählt worden, aber dennoch fand Sattler lobende Worte für die Arbeit des Wettbewerbssiegers aus Italien, Franco Stella.

Dass an dem Gebäude an 3 Seiten wieder die barocke Fassade mit reichlich Figurenzier angebracht wird, trifft sein Plädoyer für mehr Ornamente.

Hilmer & Sattler und Albrecht

Fotos: Stefan Müller

Christoph Sattler: Beisheim-Center, Berlin.Christoph Sattler: Hotel Ritz-Carlton, Berlin.Christoph Sattler: Hotel Ritz-Carlton, Berlin.

See also:

 

 

 

 

(30.07.2015)