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300 Jahre jung und noch nach dem Konzept des Absolutismus

Schloss Karlsruhe. Foto: Meph666 / Wikimedia Commons

Die Ursprünge von Europas Städten liegen meist im Dunkel der Geschichte und werden von Legenden umrahmt. Bei Karlsruhe jedoch kann man exakt das Datum der Gründung angeben, und es ist erst 300 Jahre her: am 17. Juni 1715 legte Karl III. Wilhelm (1679-1738), Markgraf von Baden-Durlach, den Grundstein für seine neue Residenz. Sie sollte ihn von der Enge seines bisherigen Sitzes im Städtchen Durlach befreien und von der Architektur her den Zeitgeist ausstrahlen: mit einem veritablen Schloss im Zentrum und fächerförmig von diesem ausgehend die Straßen.

„Fächerstadt“ Karlsruhe. Foto: Frederic Ramm / Wikimedia Commons

Im Absolutismus galt der Fürst als Herz und Kopf eines Landes, und insofern war es folgerichtig, dass sich alles auf ihn bezog und er zumindest symbolisch alles im Blick hatte. Garniert war dieses strenge geometrische Muster mit den überbordenden Ornamenten und Figuren des Barock.

Heute bestimmt der Klassizismus das Bild von „Carlsruhe“. Das geht auf den Baumeister und Stadtplaner Friedrich Weinbrenner (1766-1826) zurück: um 1800 bekam er nach sechsjährigem Studium in Rom den Auftrag zur Fortführung der Planungen. Auf ihn geht die Gestaltung der „Via Triumphalis“ als zentrale Achse von der Stadt zum Schloss zurück: die heutige Karl-Friedrich-Straße hat aufeinanderfolgende Plätze als markante Elemente.

An ihnen gibt es nicht nur viel zur Geschichte der Stadt und des Landes Baden zu sehen. Hier finden auch einige markante Bauten in Naturstein. Im Regelfall handelt es sich um einen roten Bundsandstein aus der Gegend der heutigen Stadtteile Durlach, Grünwettersbach und Palmbach beziehungsweise um den weißen Murgtaler Sandstein.

Die Pyramide auf dem Marktplatz. Foto: Dguendel / Wikimedia Commons

Ziemlich ungewöhnlich ist die Pyramide auf dem Marktplatz, dies nicht nur wegen ihrer Form, sondern auch wegen ihrer Funktion: sie ist die Grabstätte des Stadtgründers. Als er 1738 starb, wurde er an dieser Stelle in der Konkordienkirche an der Stadtgrenze beigesetzt. Mit der Stadterweiterung konzipierte Friedrich Weinbrenner wie vorgesehen hier einen Marktplatz als bürgerliches Gegenüber zum Schloss. Für eine Pyramide als Bau über der Gruft entschied man sich nach 1807, weil sie „eine der Vergänglichkeit am mehrsten entgegenstehende Form“ sei.

Die „Verfassungssäule“ auf dem Rondellplatz. Foto: Ruhrfisch / Wikimedia Commons

Am Rondellplatz steht die „Verfassungssäule“, ebenfalls aus rotem Sandstein. Sie ist ein 7,8 m hoher Obelisk, der von badischen Greifen flankiert wird. Sie erinnert an Badens wichtige Rolle in der deutschen Geschichte: die Verfassung von 1818 war zwar nicht die erste in einem Fürstentum des Deutschen Bundes, aber die fortschrittlichste.

Das hauptsächlich von Karl Friedrich Nebenius erarbeitete Paragraphenwerk stellte die konstitutionelle Monarchie an die Stelle der absoluten: Es formulierte die Gleichheit aller vor dem Gesetz, den Schutz von Eigentum und benannte persönliche Freiheiten. Badens liberale Gesellschaftsordnung wirkte 1848/49 stark auf die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.

Hauptbahnhof Karlsruhe. Foto: Dguendel / Wikimedia Commons

Eine markante Sandsteinfassade trägt auch der Hauptbahnhof…

Rathaus-West. Foto: Martin Dürrschnabel / Wikimedia Commons

… und das Rathaus-West. Es gilt als einer der bedeutendsten Repräsentativbauten des späten 19. Jahrhunderts. Unübersehbar ist die Kuppel. Die Fassade ist mit Vogesensandstein verkleidet.

Natürlich hat auch Karlsruhe seine Gründungslegende, klar doch: angeblich soll der Markgraf einmal bei einem Jagdausflug eingeschlafen sein. „Er träumte von einem prachtvollen Schloss, das sonnengleich im Zentrum seiner neuen Residenz lag, die Straßen der Stadt waren gleichsam die Sonnenstrahlen“, schreibt Wikipedia. S’ goat scho.
 

Eine Seite des Denkmalamtes listet die zahlreichen Häuser, Brunnen, Denkmäler, Friedhöfe, Brücken usw mit Sandstein auf.

Aufgefallen ist uns das Haus in der Ziegelstraße 6, das ehemals zu einer „Granit- und Sandstein-Sägerei“ gehörte, so die Beschreibung.

Stadtgeburtstag Karlsruhe 2015

(26.07.2015)