www.stone-ideas.com

Zwergplanet Ceres bleibt geheimnisvoll: ungewöhnliche Hangrutschungen und instabile Kraterwände

Berg und Krater auf Ceres.Je dichter die Dawn-Raumsonde mit ihrer Kamera an Bord über dem Zwergplaneten Ceres fliegt, desto rätselhafter – und somit spannender – scheint der Himmelskörper. „Einiges, was wir sehen, haben wir so noch nirgendwo sonst im Sonnensystem entdeckt”, sagt Prof. Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Außer auf der Erde – da gibt es ja fast alles.”

Dawn ist eine Raumsonde der Nasa mit Beteiligung von deutschen Planetenforschern, die 2007 gestartet wurde und nach dem Asteroiden Vesta (2011) seit März 2015 nun den Zwergplaneten Ceres im Asteroidengürtel umkreist. Ceres ist als Himmelskörper – wie Erde oder Venus – weiblich und wurde nach der römischen Göttin des Ackerbaus benannt. Ihre Masse beträgt etwa ein 6300stel der Erdmasse.

Größenvergleich Erde - Mond - Ceres (links unten). Grafik: CWitte / Wikimedia Commons

Aus nur noch 1470 Kilometern Entfernung nimmt die Kamera aus der aktuellen Umlaufbahn der Sonde interessante Details auf. „Wir blicken unter anderem auf einen sechs Kilometer hohen Berg, der auf einer Seite helle Streifen zeigt“ (Foto oben). Etwa zehn bis zwölf Kilometer beträgt der Durchmesser dieser so genannten „Pyramide“, die auf der südlichen Hemisphäre von Ceres zwischen den Kratern Kirnis, Rongo und Yalode steht: „Der Berg muss bei seiner beträchtlichen Höhe also immens steile Hänge haben.” Dennoch liegt am Berg-Fuß kaum Geröll.

In direkter Nachbarschaft befindet sich ein Einschlagskrater, der bis an die Flanken des Berges reicht. „Vermutlich ist der Berg jünger als der Krater, aber um das genau festzustellen, müssen wir auf die Aufnahmen aus dem nächstniedrigeren Orbit warten und auf Daten des Spektrometers, das das Material der Oberfläche bestimmen soll.“

Der Gaue-Krater auf Ceres.

Aufnahmen des Gaue-Kraters, benannt nach einer deutschen Göttin, zeigen, dass dieser zum Teil über einem kleineren und älteren Krater liegt. „Der Gaue-Krater hat an einer seiner Seiten viele Materialrutschungen zum Kraterinneren hin – die Wände sind also eher instabil“, deutet Planetenforscher Jaumann diese Aufnahme. „Und in der Mitte selbst gab es wahrscheinlich auch Veränderungen, denn diese scheint sehr eben zu sein.”

Vergleicht man die Krater auf dem Zwergplaneten beispielsweise mit Kratern auf einem Gesteinskörper wie dem Mond, wird deutlich, dass die Kruste von Ceres nicht so stabil sein kann. Eine mögliche Erklärung für die ebene Fläche im Kraterinneren: Ehemals geschmolzenes Material könnte den Krater gefüllt haben. „Auf jeden Fall muss dort nach der Bildung des Kraters noch einiges passiert sein.“

Gebirgskette im Urvara-Krater.

Auch die Detailaufnahme aus dem Inneren des Uvara-Kraters zeigt Strukturen, die Fragen aufwerfen. Neben einer Bergkette sind feine Risse zu sehen, aber auch erneut Rutschungen am Kraterrand. „Dort scheint das Material in großen Blöcken abgebrochen und in Richtung Kraterinneres gerutscht zu sein.“ Die ungewöhnlich glatte Ebene hat sich wohlmöglich durch die Ablagerung von feinem Material, das vermutlich einmal geschmolzen war, gebildet. „Dies sind natürlich nur erste Vermutungen, über die wir im Missionsteam diskutieren werden“, so Jaumann.

Ende Oktober soll Dawn in ihren letzten und niedrigsten Orbit in 375 Kilometern Höhe eintauchen, wo sie bis Ende Januar 2016 um den Himmelskörper kreisen wird. Während des Absinkens setzt die Raumsonde ihre Ionentriebwerke ein, für die Kamera bedeutet dies eine zweimonatige Arbeitspause. Nach dem Ende der Mission wird Dawn dann stabil in diesem Orbit weiterhin um Ceres kreisen – in sicherem Abstand, so dass der Zwergplanet nicht durch irdische Mikroben verunreinigt werden kann.

Die Mission Dawn wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA geleitet. JPL ist eine Abteilung des California Institute of Technology in Pasadena. Die University of California in Los Angeles ist für den wissenschaftlichen Teil der Mission verantwortlich. Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde wurde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut. Das Kamera-Projekt wird finanziell von der Max-Planck-Gesellschaft, dem DLR und NASA/JPL unterstützt.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Fotos: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

(28.08.2015)