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Kruizenga Art Museum: Natursteinfassade in tangential angeordneten Platten

Kruizenga Art Museum

Klein ist die Ausstellungsfläche mit knapp 1400 Quadratmetern (15,000 square foot) im Vergleich zu anderen Museumsneubauten, aber dafür ist der Anspruch umso größer: Das Kruizenga Art Museum in Holland im US-Bundesstaat Michigan will ein unübersehbares Zeichen auf dem Campus des Hope College setzen und ein Lernort der besonderen Art sein.

Da war der Architekt natürlich gefordert, und anzumerken ist, dass ihm aber neben diesen weit reichenden Vorgaben auch optimale Startbedingungen geboten wurden. Denn Margret Feldemann Kruizenga, zusammen mit ihrem Ehemann wichtigster Geldgeber für das Projekt, hatte unmissverständlich klargestellt: „Ich will keinen Kasten, ich will etwas Außergewöhnliches.“

Von oben erinnert die Form des Gebäudes an eine Farbpalette, wie sie Maler an der Staffelei benutzen.

Was Architekt Matthew VanderBorgh, Chef des niederländischen Büros C Concept Design und selber Alumni der Hope College, daraus machte, kann man seit kurzem bewundern: von oben erinnert die Form des Gebäudes an eine Farbpalette, wie sie Maler an der Staffelei benutzen.

Aus ebenerdiger Perspektive springen die geschwungenen Außenwände ins Auge.

Aus ebenerdiger Perspektive springen die geschwungenen Außenwände ins Auge. Damit die Rundung zustande kommt, ist die steinerne Wandverkleidung tangential angebracht.

Ein Spiel mit Licht und Schatten gibt es bei Sonnenschein auch unter dem Dach, wo normalerweise niemand hinschaut: ...... dort zeichnen sich konkave und konvexe Schattenwürfe ab.
Ein Spiel mit Licht und Schatten gibt es bei Sonnenschein auch unter dem Dach, wo normalerweise niemand hinschaut: dort zeichnen sich konkave und konvexe Schattenwürfe ab.

Das ist mehr als ein architektonischer Effekt und kann für die Zielsetzung des ganzen Museums stehen: „Die Aufgabe des Kruizinga Art Museum (KAM) ist zu lehren, zu begeistern und zu inspirieren („to educate, engage, and inspire”), dies sowohl die Studenten als auch die Mitarbeiter des Hope College und genauso auch das Umfeld in Holland und West Michigan.“ Auf „inspirieren” liegt der Schwerpunkt.

Klar: um das zu erreichen braucht es kein Gebäude, das von seiner Größe beeindruckt. Solch ein Bau muss eher Offenheit ausstrahlen, Vertrauen und Nähe auch.

Offen ist der Zugang gestaltet - als riesiges Fenster über die ganze Fassade.

Offen ist der Zugang gestaltet – als riesiges Fenster über die ganze Fassade.

Eine besondere Art von Nähe verspricht der Study Room im Inneren. Dorthin können sich Studenten und Lehrer zu quasi intimer Betrachtung mit einzelnen Objekten aus den Sammlungen zurückziehen.

Hingegen abgeschlossen wirkt die mit Schieferplatten verkleidete Fassade. Das muss sie auch, damit nicht Licht die Kunstwerke schädigt.

Die Oberfläche des Steins ist geflammt, was sie porös wirken lässt.

Allerdings sind mit verschiedenen Maßnahmen Auflockerungen erreicht: die Oberfläche des Steins ist geflammt, was sie porös wirken lässt. Und auch die tangentiale Außenhaut verhindert eine monolithische Wirkung der Architektur.

Die mit gebürstetem Edelstahl verkleideten Zwischenräume verstärken das noch: man könnte meinen, die Flächen würden sich gerade aufklappen.

Die mit gebürstetem Edelstahl verkleideten Zwischenräume verstärken das noch: man könnte meinen, die Flächen würden sich gerade aufklappen.

Die Natursteinverkleidung besteht aus 26 Teilflächen, die sich aus jeweils 9 kleineren Plattenzusammensetzen.

Die Natursteinverkleidung (insgesamt 5,750 square feet = 534 m²) besteht aus 26 Teilflächen, die sich aus jeweils 9 kleineren Platten (je 2,24 m hoch x 0,9 m breit, gut 4,5 cm dick, je 315 kg schwer) zusammensetzen. Verwendet wurde der Granit Cambrian Black. Der stammt aus einem Bruch in der Nähe in Saint-Nazaire (Quebec) und wurde von der Firma Dwyer Marble and Stone geliefert.

Die Verankerung stammt von der Firma Keil. Die teils komplizierte Anbringung der Steinplatten erledigte JK Masonry, (Grand Rapids, MI). Weitere beteiligte Firmen waren: Progressive AE (Grand Rapids) und G.O. Construction.

Rund 1000 Kunstwerke enthalten die Sammlungen, für die das Museum gebaut wurde. Teils sind sie von Ehemaligen gestiftet, teils auch gezielt angekauft. Dabei wurde der Blick nicht auf berühmmte Meisterwerke gelegt, sondern auf Stücke, die Denkanstöße geben können.

Wie mal jemand gesagt hat: Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.

Kruizenga Art Museum (KAM)

C Concept Design

Fotos: Tom Wagner / C Concept Design

Kruizenga Art Museum.Kruizenga Art Museum.

(02.10.2015)