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Auch in echt kein Sonntagspaziergang: der Weg des „Marsianers“ zur Rettungsrakete

„Der Marsianer“ auf seinem Weg. Foto: Twentieth Century Fox

Wissenschaftler des DLR haben aus Aufnahmen der Marskamera HRSC eine Überflugsequenz der wirklichen Planetenoberfläche erstellt

Im Film „Der Marsianer“ muss sich der Astronaut Mark Watney auf der Marsoberfläche zu einer Rettungsrakete durchschlagen. Die Drehaufnahmen erledigte Schauspieler Matt Damon im Studio in Budapest und in der Wüste von Jordanien – sollte einmal ein Raumfahrer vor einer Mission sich auf solch eine Tour de Mars vorbereiten müssen, könnte ihm das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Video zur Verfügung stellen. Deren Wissenschaftler haben nämlich die Route mit Stereobilddaten ihrer Marskamera HRSC virtuell in Szene gesetzt.

Das daraus entstandene etwa 5-minütige Video zeigt eine sehr präzise topographische Kartierung des Mars’ im Überflug.

Das DLR-Institut für Planetenforschung berechnet seit bald zwölf Jahren aus Bilddaten des Kamerasystems HRSC auf der ESA-Raumsonde Mars Express digitale Geländemodelle der Marsoberfläche. Aus rund 7300 Stereobildern wurde nun die Überflugsequenz auf der fiktiven Route des Raumfahrers erzeugt. Aufgrund der detaillierten Geländedaten und der enormen Ausdehnung des dargestellten Gebiets betrug die durchschnittliche Rechenzeit pro Bild etwa eine halbe Stunde, so dass insgesamt fast fünf Monate reine Rechenzeit erforderlich waren.

Szene aus dem Marshochland, wie ein Astronaut es in Wirklichkeit sehen würde. Bild: DLRDurch Verteilen der Rechenlast auf mehrere Computer konnte diese Zeit beträchtlich reduziert werden. Insgesamt nahm die Produktion des Videos inklusive Datenaufbereitung, Schnitt und Vertonung zweieinhalb Monate in Anspruch. Dabei wurde die Musik eigens für das Video komponiert und in 5.1-Surround-Sound abgemischt. Das gesamte Datenaufkommen betrug etwa zwei Terabyte.

Der Weg des „Marsianers“: Von Chryse Planitia über Arabia Terra zum Marshochland mit der Rettungsrakete. Bild: DLRDabei war die Animation nicht bloß Spielerei: „Auch uns sind wieder ein paar Details aufgefallen, die wir vorher im räumlichen Kontext noch nicht gesehen hatten“, sagt Prof. Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung, führender Wissenschaftler beim Kameraexperiment HRSC.

Das Berliner Institut für Planetenforschung gilt auf dem Gebiet der Planetenvermessung und -kartierung als weltweit führend.

Video

DLR

Die letzte Hürde für Mark Watney: der Rand des Kraters Schiaparelli. Leider fehlt die Rakete - dumm gelaufen, also. Bild: DLR

(20.10.2015)