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„Bridge of Spies“ – Filmaufnahmen neben bröckelndem Wünschelburger Sandstein

Ein stolzes Bauwerk in der Havellandschaft ist die Glienicker Brücke. Links im Vordergrund eine Seite der Kolonnaden.

Auf der Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin hat Steven Spielberg die zentrale Szene seines Agentenfilms gedreht

Steven Spielberg war da, Tom Hanks ebenfalls, und Kanzlerin Angela Merkel stellte sich im November 2014 zu den Dreharbeiten für ein offizielles Pressefoto dazu. Inzwischen ist „Bridge of Spies“, der Hollywoodfilm um einen Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke, in den hiesigen Kinos angekommen, und wir wollen die Gelegenheit nutzen, auf den bröckelnden Naturstein in den Kolonnaden des geschichtsträchtigen Bauwerks hinzuweisen.

Diese Säulenreihen an der Zufahrt zur Brücke auf Potsdamer Seite sind aus Wünschelburger Sandstein. Sie haben mit einem typischen Problem alter Natursteinbauten zu kämpfen: die Eisenverbindungen im Inneren der Säulenarchitektur rosten. Die damit verbundene Ausdehnung des Metalls führt zu Rissen und sprengt die Säulen und die Dekorelemente wie Vasen und Gesimse.

Die Kolonnaden auf der Südseite der Straße konnten bereits restauriert und gesichert werden. Dafür hatten die Restauratoren diesen Teil der Anlage abgebaut und die originalen Steinelemente mit neuen Verbindungen aus Edelstahl wieder aufgestellt.

Auf der Nordseite der Straße sind die Schäden ähnlich. Derzeit wirbt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz um Spenden für die Sanierung.

Die Grenze zwischen Ost und West war auf der Brücke ein weißer Querstrich. Heute wird sie als Streifen aus Metall anegdeutet.

Im Film „Bridge of Spies – der Unterhändler“ wird der Agentenaustausch um den russischen Spion Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den US-Bürger Franics Powers, Pilot eines U-2-Spionageflugzeugs, im Februar 1962 nachgestellt. Regisseur Spielberg verknüpft das historische Ereignis mit dem Fall eines US-Studenten, der in Ost-Berlin studierte. Dadurch werden die DDR-Behörden in der Filmstory zu einem Mitakteur mit eigenen Zielen, was Verwirrung und Spannung schafft.

Tom Hanks spielt die Rolle eines zunächst unbedarften Rechtsanwalts, der im Lauf der Geschichte zu einem Verteidiger zentraler Werte aus der US-Verfassung wird, sich als Gewissen der Nation dabei auch von Mordanschlägen nicht erschrecken lässt und am Ende den Dank des Vaterlands bekommt. Das historische Vorbild James B. Donovan arrangierte auch den Freikauf von Gefangenen nach der US-Invasion in der Schweinebucht.

Die zentrale Szene des Films, der Showdown sozusagen, spielt auf der Glienicker Brücke, wo der Agentenaustausch vor sich geht. Spannung gibt es bis zum letzten Moment, weil die DDR im Hintergrund als Bremser wirkt.

Die Studios im nahen Babelsberg waren wesentlich an der Filmproduktion beteiligt.

Die Geschichte der Brücke reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Zunächst war sie eine schmale Holzpassage. Nach zwei Neubauten wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts die heutige Stahlträgerkonstruktion errichtet, die die Fachwelt damals als „plump“ verspottete. Schnell wurde das Bauwerk jedoch zu einem Anziehungspunkt für Ausflügler aus Berlin und Potsdam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute die DDR die zerstörte Brücke wieder auf, ein weißer Strich markierte die Grenze zu West-Berlin.

Von 1953 bis zum Mauerfall im November 1989 blieb der malerisch gelegene Übergang gesperrt und konnte nur mit Sondergenehmigung passiert werden. Seit 1990 gehört das Ensemble zum Unesco Welterbe.

„Bridge of Spies – der Unterhändler“

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Studio Babelsberg

Fotos: Roland Rossner / Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Eine Seite der Säulenkolonnaden mit notdürftiger Sicherung der Schäden.

(05.12.2015)