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Unesco nimmt das Marmorhandwerk auf der griechischen Insel Tinos in die Liste des Immateriellen Kulturerbes auf

Blick in eine Marmorwerkstatt auf Tinos. Foto: Hellenic Ministry of Culture and Sports.

Naturstein-Tradition und Können der Steinbildhauer herausgestellt / Ein Vorbild für das Erreichen der Geschützten Ursprungsbezeichnungen?

Das Unesco-Komitee für Immaterielles Kulturerbe hat Anfang Dezember 2015 weitere 23 traditionelle Fertigkeiten und Wissensformen neu in die „Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit” aufgenommen. Dazu gehört auch die Kunst der Marmor-Steinbildhauer auf der griechischen Insel Tinos.

Die Art und Weise, wie in diesem Fall ein lokaler Naturstein mit den Traditionen vor Ort verknüpft worden ist, könnte beispielhaft sein zum Erreichen der so genannten Geschützten Ursprungsbezeichnungen in der EU (siehe Link unten).

Das Komitee schreibt zu der Insel Tinos und dem Marmorhandwerk dort: „Die Kunst der Marmor-Bildhauerei ist ein Ausdruck der kulturellen Identität der Insel Tinos. Die Steinbildhauer verfügen über ein großes Erfahrungswissen bezüglich des Steins mit seinen Besonderheiten.

In den Werkstätten auf der Insel werden vielfältige traditionelle Motive, Muster und Symbole wie Zypressen, Blumen, Vögel und Schiffe am Leben in Marmor umgesetzt. Die Kreationen bedienen sich den auf der Insel üblichen Traditionen in Religion, Sprache und Sagen…

Die Weitergabe des Wissens erfolgt in lebendiger Traditionspflege: So sind die Anfänger zunächst damit beschäftigt, den Meistern die Werkzeuge bereitzulegen und die Werkstatt sauber zu halten. Allmählich steigen sie auf und lernen das Handwerk.

Jeder Meister führt einen oder zwei Lehrlinge. Meist sind es Familienmitglieder. Wenn diese ihre Ausbildung abgeschlossen haben und selber zum Meister ernannt worden sind, bekommen sie als Geschenk eine Truhe mit Werkzeugen.

Beinahe ein Viertel der Lehrlinge sind neuerdings weiblich. Das ist eine auffällige Veränderung in der Tradition des Marmorhandwerks, das bis vor kurzem noch eine reine Männerdomäne war.“

In ihrem Antrag auf Aufnahme schrieben die Steinbildhauer von Tinos selber: „Mit unseren Händen schaffen wir nützliche Objekte für unser Alltagsleben, Objekte, die man im Privaten oder in öffentlichen Räumen findet, im Wirtschaftsleben und in der Architektur.“

Marmor der Insel Tinos

In Pirgos auf der Insel gibt es ein Marmormuseum. Zahlreiche Bildhauerateliers findet man verteilt über das Eiland mit (laut Wikipedia) 8600 Einwohnern und knapp 195 km² Fläche (zum Vergleich, New York City: fast 800 km²).

Die griechische Stone Group International vertreibt die Marmore Tannoti Green und Tinos von dort. Beim Tannoti Green steckt schon der Name voller Bezüge zur Tradition: Unter den Phöniziern trug die Insel den Namen Tannoti, was in ihrer Sprache „Schlange“ bedeutete. Denn in grauer Vorzeit soll es auf dem Eiland von den Reptilien nur so gewimmelt haben, bis Poseidon sich der Sache annahm und das Problem mit Hilfe von Störchen löste. Der Meeresgott wurde auch deshalb auf der Insel besonders verehrt.

Schlangen stecken hinter dem Namen des Tannoti-Green-Marmors von der Insel Tinos. Fotos aus der Installation „12 Mythic Marbles“. Foto: Stone Group International

Die Stone Group International hat in ihrem Projekt „12 Mythic Marbles“ aus diesen alten Geschichten ein Marketingkonzept gemacht: Auf der Marmomacc 2014 präsentierte sie eine Installation mit neuen Marmorsorten, deren Namen sich auf Episoden aus der griechischen Sagenwelt beziehen. Die Schauplätze der Geschichten liegen in der Nähe der jeweiligen Steinbrüche.

Unesco Immaterielles Kulturerbe

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(05.01.2016)