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Das Flint House in Englands nebliger Landschaft: außergewöhnlich, mystisch, inspirierend

Skene Catling de la Peña: Flint House.

Die Architekten von Skene Catling de la Peña haben die alten Baumaterialien Feuerstein und Kreidefels wiederentdeckt

Viele Interpretationen gab es schon zu den beiden Gebäuden auf dem Foto: sind sie das Ergebnis eines Zusammenstoßes tektonischer Platten tief in der Erde, der die beiden steinernen Treppen nach oben gedrückt hat? Oder sind sie Ufos, die da in der englischen Grafschaft Buckinghamshire nördlich von London liegengeblieben sind?

Feuersteine (Flintstones) entdeckt man auch an der Außenhaut der Gebäudeteile.

Geht man dann über die Äcker und Wiesen näher ran, stößt die Stiefelspitze vielleicht an einen der vielen Steine, die überall herumliegen. Diese Feuersteine (Flintstones) entdeckt man danach auch an der Außenhaut der Gebäudeteile.

Flint House heißen die beiden treppenförmigen Bauwerke, die inzwischen zahlreiche Auszeichnungen gewonnen haben, zuletzt 2015 einen der Preise des Royal Institute of British Architects (RIBA).

Die Architektur kommt vom Londoner Büro Skene Catling de la Peña. Dessen Chefin hatte von Lord Rothschild den Auftrag bekommen, ein separates Bauwerk als Erweiterung des berühmten Schlosses Waddesdon Manor zu errichten. In dem Schloss werden Kunstausstellungen präsentiert.

Das neue Haus sollte wohl außergewöhnlich sein, so kann man vermuten, vielleicht auch etwas mystisch, wie Kunst für manche ist, sowohl eingepasst als auch herausgehoben aus der Landschaft, inspirierend auf jeden Fall. Und Geld spielte wohl keine Rolle; jedenfalls wurden die Kosten für das Projekt nicht veröffentlicht.

Die Architektin schaute sich also in der Gegend um und fand gleich vor Ort die Idee, wie die Financial Times berichtet: „Das erste Mal war ich im Winter dort, und es gab nur einen gepflügten Acker und ein paar Baumgerippe, aber überall lagen diese Steine herum – das war der Schlüssel.“

Ein Merkmal: die Gebäude scheinen aus der Erde herausgewachsen zu sein, und ihre Außenhaut ist vollständig mit den überall herumliegenden Steinen verkleidet.

Das Ergebnis davon ist nun ein Ensemble, wie es von den äußeren Formen her auch bei den Azteken findet. Ein Merkmal: die Gebäude scheinen aus der Erde herausgewachsen zu sein, und ihre Außenhaut ist vollständig mit den überall herumliegenden Steinen verkleidet.

Typische Bauernhäuser in der Nähe von Norfolk mit Brick and Flint (Backstein und Feuerstein) an der Fassade. Foto: Pauline E. / Geograph

Feuerstein, das müssen wir hier hinzufügen, war seit ewigen Zeiten ein wichtiges Baumaterial im Osten Englands. Er ist Bestandteil der Kreideschicht, die in Norfolk beginnt und in Dover an die Oberfläche kommt und Buckinghamshire unterquert. Auch der Fels aus dieser Kreideschicht ist ein altes Baumaterial, zumindest seine harten und wenig porösen Varianten.

Die Fassaden des Flint House sind spektakulär in ihren Details: Sie bestehen aus 5 übereinander angeordneten Streifen von Feuersteinen, die sich in der Farbe von dunkel ganz unten bis hell ganz oben verändern.

Die Fassaden des Flint House sind spektakulär in ihren Details: Sie bestehen aus 5 übereinander angeordneten Streifen von Feuersteinen, die sich in der Farbe von dunkel ganz unten bis hell ganz oben verändern. Gleichzeitig ist die Bearbeitung der Steine modifiziert: unten sind es rohe Brocken, nach oben werden sie immer mehr rechtwinklig zugehauen.

Wobei die unterste Lage nach dem so genannten Galleting erstellt wurde: dabei füllt man die Fugen mit Splittern aus der Steinbearbeitung auf. Foto: David Smith, Flintman Company

Wobei die unterste Lage nach dem so genannten Galleting erstellt wurde: dabei füllt man die Fugen mit Splittern aus der Steinbearbeitung auf.

Ganz oben folgt als Abschluss über dem Feuerstein ein schmales Band an fast weißen Quadern aus Kreidestein. Bei nebligem Wetter könnte man tatsächlich meinen, die Gebäude würden sich himmelwärts auflösen.

Vier Monate dauerte die allein Vorbereitung für die Arbeit an den Fassaden, das heißt das Material zu brechen und die verwertbaren Stücke auszusortieren. Sagenhafte 8 Monate Handarbeit gingen danach drauf, um die Steine hochzumauern.

Denn die Fassaden sind auf jeder Seite über 90 m lang. „So etwas ist seit 200 Jahren nicht mehr gemacht worden“, sagt David Smith, Chef der Flintman Company, der die Natursteinarbeiten ausführte. Und lachend fügt er hinzu, als wir ihn bezüglich der Splitter als Füllmaterial für die Fugen befragen: „Es handelt sich um rund 1,1 Millionen einzelne Stücke – wenn wir vorher geahnt hätten, auf was wir uns da einlassen, hätten wir’s vielleicht nicht gemacht.“

Smith ist eine ganz besondere Erscheinung in Britanniens Natursteinszene. Wir werden in Kürze ein Portrait von ihm mit mehr Details zum Feuerstein veröffentlichen.

Im Flint House wohnen die Kuratoren für die Ausstellungen im Waddesdon Manor. Im einstöckigen Gebäudeteil mit 115 m² Fläche befindet sich ein Studio-Apartment. Gegenüber im zweistöckigen Teil mit 465 m² liegen die Wohnräume. Zwischen beiden gibt es einen Pflasterweg.

In den Gebäuden geht das außergewöhnliche Design weiter. Wir wollen nur einige wenige Aspekte erwähnen: im Gebäude mit 2 Stockwerken gibt es als Abtrennung zwischen öffentlich und privat eine Art von Wasserlauf, der sich in Spiegeln an der Decke wiederholt; …

Einige der Wände tragen ursprüngliche Brocken des Feuerstein, die in Mörtel eingedrückt sind.

… einige der Wände tragen ursprüngliche Brocken des Feuerstein, die in Mörtel eingedrückt sind; die Möbel wurden extra entworfen.

Das Flint House wurde schon treffend als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet.

Und: die Gebäude sollen altern, wünscht sich die Architektin, indem Moose und Flechten sich auf den Feuersteinen ansiedeln. „Gebäude, an denen sich das Vergehen der Zeit nicht zeigt, haben etwas Erdrückendes“, wird sie in der Financial Times zitiert.

Skene Catling de la Peña

Royal Institute of British Architects

Financial Times

Flintman Company

Fotos: James Morris

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(30.01.2016)