www.stone-ideas.com

Mit Bodenradar und moderner Datenanalyse die Stellen mit dem verwertbaren Naturstein finden

Während der Marmomacc 2015 gab es eine Einführung in Sustamining im Steinbruch der Firma Ghirardi unweit von Brescia. Foto: Professor Gerd Merke, Euroroc

Im EU-Projekt Sustamining ging es darum, neue Verfahren aus der Geologie in die kleinen Firmen der Steinbranche zu bringen

Wenn man in den Bergen von Cararra und sonstwo an einer Führung durch die Steinbrüche teilnimmt, wird früher oder später die Geschichte von den alten Herren aus den traditionsreichen Natursteinfamilien erzählt, die über die Berge streifen und schließlich exakt eine Stelle benennen, wo eine neue Abbaustätte für den Marmor erschlossen werden kann.

Die Geschichten sind vielleicht wahr, nur: professionell ist die in ihnen geschilderte Suche nach Lagerstätten nicht, zumindest für den heutigen Standard. Denn es gibt Technologien wie Bodenradar (ground penetration radar, GPR), Messung des elektrischen Widerstands im Untergrund (electrical resistance tomography, ERT) oder seismische Methoden, mit denen man von oben in ein Gestein sozusagen hineinschauen kann. Satelliten und Computermodelle helfen bei der exakten Orientierung im Gelände und bei der Auswertung der gewonnenen Daten.

Angewendet werden diese Methoden schon lange zum Beispiel bei der Suche nach heißen Quellen oder Trinkwasser. Inzwischen sind sie sehr verfeinert, so dass die Europäische Union dazu von Januar 2013 bis Dezember 2015 ein Forschungsprojekt gestartet hatte: es hieß „Sustamining“ und es ging darum, die Methoden auch in die Natursteinbranche zu bringen.

Hintergründe waren:
* die Unternehmen der Steinbranche haben aufgrund ihre geringen Größe meist keinen Zugang zu den aktuellen Technologien;
* die modernen Methoden helfen, mit reduziertem Aufwand an wertvolle Lagerstätten heranzukommen;
* reduzierter Aufwand heißt auch weniger Abfall, da man Stellen mit Hohlräumen, verwittertem Gestein oder mit Klüften umgehen kann.

Will heißen: das zentrale Ziel war, den Abbau kostengünstiger zu machen und so die notleidende Branche in Europa zu unterstützen. Auch sollen künftig die Umweltbelastungen weiter minimiert werden.

Durchgeführt wurde das Projekt exemplarisch in 3 Steinbrüchen:
* einem in der Türkei in den Tauro-Bergen, wo ein Dolomit (Marmor Emperor) gewonnen wird;
* einem am italienischen Alpenrand unweit der Stadt Brescia, von wo ein Kalkstein (Marmor Breccia Aurora) stammt;
* einem in der spanischen Provinz Ourense aus den Penido-Brüchen (Granit).

Sustamining.

Beteiligt waren neben diesen Firmen 3 Forschungsinstitute aus Spanien beziehungsweise Großbritannien, verschiedene nationale Natursteinverbände und die Dachverbände Euroroc sowie Euromines.

Die Untersuchungen der Wissenschaftler und die Auswertung der Daten zeigte, dass man mit Radar, Seismik & Co sehr gut in den Fels hinein schauen kann. Besonders im italienischen Steinbruch zeigte sich das: dort sagten die Messungen einen Hohlraum im Untergrund voraus, der ohne Vorwarnung zu einer großen Gefahrenstelle hätte werden können.

Sustamining.

Nun geht es darum, die Ergebnisse in die Firmen zu bringen. Das haben die beteiligten Verbände übernommen.

Geplant ist, dass Servicefirmen aus der Geologie mit ihren Geräten die Messungen durchführen und zusammen mit den Steinbruchfirmen die Auswertung der Daten vornehmen. Dafür würden die Verbände Lizenzen vergeben.

Der Deutsche Naturwerkstein-Verband veranstaltete im November 2015 in Würzburg ein Seminar zu Sustamining. Foto: DNV

Die Koordination des Projektes hatte der Deutsche Naturwerkstein-Verband (DNV) inne. Geschäftsführer Reiner Krug sagt: „Wir planen im März oder April eine Vorführung in einem hiesigen Steinbruch.“

Sustamining

Im Folgenden die Firmen, Forscher und Verbände im Projekt:

* Hitusa (Grupo San Marino)
* Breccia Aurora (Ghirardi Stone Contractors)
* Canteras Penido (Graniorega)

* Centro Technológico del Marmól, Piedra y Materiales (CTM), Murcia, Spain
* Asociación para la Investigación y el Desarollo Industrial de Los Recursos Naturales (AITEMIN), Spain
* Mineral Industry Research Organisation (MIRO), Solihull, UK.

* Deutscher Naturwerkstein-Verband (DNV)
* Federation de l’Industrie Marbrière et de l’Industrie Granitière de la CEE-AISBL
* European Asscociation of Mining Industries, Metal Ores & Industrial Minerals (AISBL)
* Federación Españhola de la Piedra Natural (F.D.P.)
* Natursteine-Verband Schweiz (NVS)

(09.02.2016)