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Flintman David Smith: „Feuerstein war ehemals ein wichtiger Baustoff in England“

Flintstone.

Der gelernte Künstler propagiert die Wiederentdeckung des Materials und die traditionelle Bearbeitung

David Smith ist der Flintman. Wir hatten ihn bei unserer Berichterstattung über das vielfach prämierte Flint House kennengelernt, und im Verlauf der Mails und Telefonate hatte sich schnell herausgestellt, dass er mehr Geschichten zu erzählen hat als nur jene über das außergewöhnliche Bauprojekt (Link siehe unten).

Flintstone.

Flintstone (Feuerstein) „war seit ewigen Zeiten ein beliebter Baustoff in England“, weiß Smith, „vom 11. Jahrhundert an wurde er vor allem für Befestigungsanlagen verbaut, vom 13. Jahrhundert an entstanden auch dekorative Gebäude mit dem Material.“ Teils waren es sogar prächtige Herrschaftssitze, die Reichtum und Macht demonstrieren sollten.

Noch heute sind im Südosten Englands in zahlreiche Dörfern die Häuserfassaden von Backstein und Flint geprägt: „Brick and Flint villages“ ist ein stehender Begriff dafür. Unpopulär wurde der Stein im Zuge der Industrialisierung: fortan gab es Baumaterial von Menschenhand beziehungsweise konnte man Britanniens Schiefer oder Granit mit Maschinen gewinnen.

Flintstone.

David erklärt uns, welches die gebräuchlichsten Sorten von Feuerstein sind:
* wet flint (nasser Feuerstein) wird in Steinbrüchen gewonnen. Seine Moleküle sind eng gepackt. „Wenn man das Material kennt, kann man ziemlich genau vorhersagen, wie es beim einem Schlag mit dem Hammer brechen wird“, sagt er.

* field flint (Feuerstein vom Feld) oder dry flint (trockener Feuerstein): ihn haben die Bauern früher jedes Frühjahr von den Feldern gesamt, weil er im Winter vom Frost nach oben getrieben wurde – „quasi ein nachwachsender Rohstoff“, lacht Smith. Das Material lässt jedoch nur eingeschränkt bearbeiten.

* „cobbles“ sind Steine, die in einem Gewässer rundgespült wurden.

„Cobbles“ sind Steine, die in einem Gewässer rundgespült wurden.

Smith, von Hause aus eigentlich Künstler, kam durch Zufall in Kontakt mit Feuerstein, nämlich als ihn mal jemand fragte, ob er nicht etwas mit dem Material machen könnte.

Flintstone.

In der Folge wuchsen David und der Stein gewissermaßen zusammen. Seit einiger Zeit veranstaltet er Kurse zum Beispiel für Architekten über die richtige Verwendung und die Möglichkeiten des Steins. „Es gibt eine Menge mit Feuerstein zu tun“, umreißt er die Nachfrage. Etwa in der Restaurierung alter Gebäude oder bei Neubauten, wo der Auftraggeber einen Bezug zum Standort haben will.

„Es gibt eine Menge mit Feuerstein zu tun“, umreißt er die Nachfrage.„Es gibt eine Menge mit Feuerstein zu tun“, umreißt er die Nachfrage.

Inzwischen hat sich der Flintman etabliert. So kam auch die Architektin im Fall des geplanten Neubaus in Buckinghamshire zu ihm und fragte, ob sich ihre Idee realisieren ließ und ob er das könne.

Dabei bot sich für Smith eine einmalige Chance: „Zunächst wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt“, erzählt er, „dann folgte eine Bestandsaufnahme, wo es Steine mit den gewünschten Farben gibt.“

Backstein und Flint, modern.

Dafür sei er durch ganz Großbritannien gefahren. Die Frage der Architektin nach Fachleuten, die den Feuerstein verarbeiten könnten, war dabei am leichtesten zu beantworten: In seinen 28 Jahren Arbeit am Feuerstein hat er viele solche Leute herangezogen. „Vier von ihnen haben inzwischen ihre eigene Firma mit Flint-Spezialisierung“, sagt er.

Sein eigener Betrieb in Lewes unweit von Brighton hat 5 Mitarbeiter.

Dabei zieht sein Wirken schon Kreise über Großbritannien hinaus, bis nach Japan sogar. Die Grafschaft Norfolk hat nämlich eine Partnerschaft mit der Präfektur Nagano, und diese Verbundenheit wurde bei einem Regierungsneubau in der Stadt Nagawa durch die Verwendung zweier typischer Materialien ausgedrückt:

In eine Mauer mit englischem Flint sind 3 Tafeln mit Mustern aus Obsidian eingesetzt. In eine Mauer mit englischem Flint sind 3 Tafeln mit Mustern aus Obsidian eingesetzt.

In eine Mauer mit englischem Flint sind 3 Tafeln mit Mustern aus Obsidian eingesetzt.

Ein neueres Beispiel für Smiths Ideen ist die Tischplatte, deren Oberfläche aus Flintsplittern zusammengesteckt ist.

Ein neueres Beispiel für Smiths Ideen ist die Tischplatte, deren Oberfläche aus Flintsplittern zusammengesteckt ist.

Der Unterbau besteht aus Kreidefels.

Der Unterbau besteht aus Kreidefels.

Übrigens: die neuen Flintmen haben schon eine starke Konkurrenz, nämlich vorgefertigte Platten. Bei denen wird Stein nur noch in Beton eingedrückt, ähnlich wie beim Waschbeton.

Smith hat daran keine rechte Freude: „Die Bearbeitung von Hand ist zwar zirka 15 % teurer, aber das Ergebnis sieht auch deutlich besser aus.“ Auch merkt er an, dass das Material eine lange Geschichte hat und man diese bewahren sollte.

The Flintman Company

Fotos: David Smith

Flintman David Smith.

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(12.02.2016)