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WorldSkills 2017 in Abu Dhabi: die Beteiligung der Steinmetze steht auf der Kippe

 Eröffnungsfeier der WorldSkills 2015 in São Paulo.

Bei den Weltmeisterschaften der Berufe muss es pro Beruf 12 Teilnehmerländer geben, die Steinmetze bringen bisher nur 11 zusammen

„So muss man sich wohl den Einzug der Nationen bei den Olympischen Spielen vorstellen“, berichten Teilnehmer, die bei den WorldSkills in São Paulo dabei waren. Dort trafen sich im August 2015 knapp 1200 Jugendliche aus 59 Ländern zu den Weltmeisterschaften der Berufe, und wie üblich hatten die Veranstalter zur Begrüßung ein richtig großes Fest auf die Beine gestellt.

Und nicht zu vergessen: die Teilnehmergruppen inszenierten sich selbst mit Showeinlagen, wie die letzten unserer Fotos zeigen.

WorldSkills 2015, São Paulo.

Das nächste derartige Event findet 2017 in Abu Dhabi statt. Nach dem aktuellen Stand der Dinge können sich dort 75 Nationen in 24 Berufen messen, das heißt: an 4 Tagen werden die Teilnehmer eine vorgegebene Arbeit auf höchstem Niveau in ihrem Tätigkeitsgebiet ausführen.

Ob wieder Steinmetze dabei sein werden, steht im Moment auf der Kippe: damit ein Beruf dabeisein kann, müssen 12 Länder Teilnehmer entsenden – derzeit bringen die Steinmetze lediglich 11 Länder zusammen, nämlich Japan, Korea, Österreich, die Schweiz, Frankreich, die Niederlande, Italien (Südtirol), Finnland, Brasilien, Großbritannien und Russland.

WorldSkills 2015, São Paulo.

Schildern wir kurz, um was es geht, um vielleicht Firmen und Steinmetze in Ländern anzusprechen, die bisher nicht dabei waren.

Qualifizierung heißt das Zauberwort bei den WorldSkills. Indem durch den Wettbewerb junge Leute animiert werden, ihr Knowhow im Beruf kontinuierlich zu verbessern, stärken sie auch die Position ihrer Firmen und machen durch neue Produktideen oder Dienstleistungen die ganze Branche stärker.

Der Vergleich auf internationaler Ebene trägt zum Austausch von Knowhow und zum Verständnis fremder Kulturen bei. Was auch den jeweiligen Beruf im Heimatland aufwertet.

WorldSkills 2015, São Paulo.

Teilnehmer berichten, sie seien an der Aufgabe gewachsen und hätten bei der Vorbereitung Disziplin und Engagement gelernt. Für ihren Titelgewinn wurden viele zuhause mit Stipendien oder Geschenken von Sponsoren geehrt. Manche von ihnen haben sich inzwischen selbstständig gemacht. Viele stehen noch in Kontakt mit dem Konkurrenten aus dem Wettbewerb.

Die Kosten für ein Land sind vergleichsweise gering. Pro Teilnehmer ist mit etwa 2500 bis 3500 € für Reise, Unterkunft und Verpflegung zu rechnen. Dazu kommt noch die Vorbereitung auf den Wettbewerb.

Der erste Schritt zu einer Teilnahme besteht darin herauszufinden, ob das eigene Land schon Mitglied bei der WorldSkills-Organisation ist. Ein Link zur entsprechenden Liste findet sich unten.

WorldSkills 2015, São Paulo.

Dann regelt jede dieser nationalen Organisationen die Auswahl ihrer Teilnehmer. Üblicherweise gibt es Meisterschaften, deren Gewinner dann zum internationalen Wettbewerb geschickt werden.

Vorher durchlaufen diese zuhause ein mehrmonatiges Training, in dem sie sowohl vom Können her als auch mental fit gemacht werden für den großen Auftritt. Dafür ist ein so genannter Experte zuständig, besser gesagt: ein Betreuer, der zu den WorldSkills mitfährt.

Erzählt wird, dass die Betreuer vor dem Wettbewerb nicht weniger angespannt und danach nicht weniger nass geschwitzt sind als die eigentlichen Kämpfer.

Denn das Niveau ist hoch, ebenso der Zeitdruck, und die Jury erkennt auch geringste Fehler. Bei den Steinmetzen beginnt der Wettbewerb mit einem Plan, in dem die Aufgabe beschrieben ist, und endet nach 16 bis 22 Stunden reiner Arbeitszeit.

Halt, ganz richtig ist das nicht, denn: es folgt noch das bange Warten auf die Bekanntgabe der Gewinner am nächsten Tag und danach die große Farewellparty. Deren Verlauf ist wieder wie oben geschildert.

WorldSkills 2015, São Paulo.

Überraschungen gibt es immer wieder: in São Paulo waren erstmals Steinmetze aus Brasilien dabei und sie räumten gleich die Silbermedaille ab.

Die WorldSkills finden alle 2 Jahre statt. Nach Abu Dhabi 2017 ist Kasan in der Republik Tatarstan 2019 geplant. Auf europäischer Ebene sind (ebenfalls im 2-jährigen Rhythmus) die EuroSkills eingeschoben: 2016 Göteborg und 2018 Budapest. Das Maximalalter der Teilnehmer bei den WorldSkills beträgt 22 Jahre.

Die Idee der WorldSkills wurde 1946 in Spanien geboren, wo im Jahr darauf rund 4000 Lehrlinge ihr berufliches Können miteinander verglichen. Der Export der Idee nach Lateinamerika scheiterte zunächst, dafür kam Portugal dazu. Von 1953 an waren weitere europäische Länder dabei, und dann gelang der Sprung auf andere Kontinente. Mit São Paulo fand der Wettbewerb erstmals in Lateinamerika statt.

Die jüngste Erweiterung zeichnet sich in Richtung Afrika ab: der Senegal will Mitglied bei den WorldSkills werden. Der Kontakt kam hier zustande über die EuroSkills 2014 im französischen Lille und von dort über die Internationale Organisation der Frankophonie (IOF).

WorldSkills Abu Dhabi, 14. – 19. Oktober 2017

Mitgliedsstaaten bei WorldSkills

WorldSkills São Paulo 2015

Fotos: WorldSkills

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See also:
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(23.03.2016)