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„Die Maya. Sprache der Schönheit“ noch bis zum 07. August 2016 im Berliner Martin-Gropius-Bau

Die Königin von Uxmal. Kalkstein, 600-900 n. Chr, INAH, Mexiko-Stadt. Die Skulptur stammt von der Hauptfassade der Zauberer-Pyramide: Aus einem stilisierten, aufgerissenen Schlangenmaul kommt ein menschlicher Kopf hervor mit Ohrschmuck, einer durchstochenen Nase und einer Kopfbedeckung aus Jadescheiben. Dargestellt ist vielleicht ein Ritual, bei dem der Herrscher symbolisch von einer Boa verschlungen worden war, um mit den Kräften eines Schamanen wiederzukehren.

300 Kunstwerke in Stein und anderen Materialien zeigen die Vorstellungswelt der mittelamerikanischen Kultur

Von den großartigen künstlerischen Ausdrucksformen der Maya erzählt die Ausstellung „Die Maya. Sprache der Schönheit“, die noch bis zum 07. August 2016 im Berliner Martin Gropius Bau als Teil des Deutsch-Mexikanischen Kulturjahres zu sehen ist. Gezeigt werden etwa 300 Kunstwerke, darunter viele mexikanische Nationalschätze, die zwischen 500 v. Chr. und 1500 n. Chr. auf der Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko entstanden.

Um die Götter zu besänftigen, unterwarfen sich die Maya zahlreicher Riten, und dabei stand der Kult um den Körper im Mittelpunkt, wie zahlreiche Objekte der Ausstellung zeigen: das Aussehen war für die Maya wie eine Leinwand zur Selbstdarstellung, und so veränderten sie zum Beispiel den Körper auf vielfältige Art und Weise, um sich einem Schönheitsideal anzunähern.

Das reichte von Frisuren und Hautfarbe bis hin zu spitz zugefeilten Zähnen, Narben oder Tattoos und ging sogar so weit, dass sie bei Kindern den noch weichen Schädel verformten.

Der Göttliche Herrscher. Stuck, 600-900 n. Chr. Die Plastik zeigt fein herausgearbeitete Gesichtszüge und eine ausgeprägte Kopfverformung. Wegen des Stufenhaarschnitts an der Stirn – mit rasierter Stelle in der Mitte – und dem Haar, das wie Maisblätter von oben herabhängt, nimmt man an, dass hier Bolon Mayel, der Maisgott personifiziert wurde.

Schönheit war ihnen so wichtig, dass das Haar täglich frisiert und sowohl das Gesicht als auch der Körper bemalt wurden. Gleichzeitig gab es auch Verzierungen, die festlichen Anlässen vorbehalten waren. Schielen galt es besonderes Merkmal, und so wurde es künstlich herbeigeführt. Ohren, Lippen oder Nasen wurden künstlich perforiert, um Schmuckelemente einzufügen.

Dabei war das Streben nach Schönheit auch ein Mittel, um sich der Zugehörigkeit zur eigenen Kultur und damit der eigenen Identität stets von neuem zu versichern.

Wie auch in anderen Kulturen unterlag auch die Kleidung außen am Körper einem klaren Regelwerk.

Fahnenträger. Stein, 800-1250 n. Chr., INAH, Yucatán. Die Bildhauer der Maya erfassten sehr gekonnt Form und Ausdruck des menschlichen Körpers und dokumentierten die ästhetischen Veränderungen am Kopf der Person, wie zum Beispiel die Deformation des Schädels, die Perforationen der Ohrläppchen und das kahl geschorene Stirnhaar.

Komplizierter ist das Verhältnis der Maya zur Natur und zu ihrer Götterwelt. Die Tiere galten den Maya als Symbole der Naturkräfte und der kosmischen Ebenen, als Erscheinungen göttlicher Energien, als Vermittler zwischen Göttern und Menschen und fungierten als Beschützer von Familien und als Alter Ego des Menschen.

Die Maya verehrten eine Vielzahl von Gottheiten und Wesen, die sowohl die mächtigsten Gewalten verkörpern konnten als auch Hüter von Pflanzen, Bächen oder der Berge waren. Die Darstellungen verknüpfen menschliche Eigenschaften mit tierischen, pflanzlichen oder anderen Elementen.

Von diesen Göttern und Wesen gingen erschreckende Naturereignisse aus, vor denen die Maya sich fürchteten, aber genauso auch jegliche materielle und spirituelle Existenz.

Begräbnismaske mit Ohrsteckern und Kopfschmuck. Jade, Obsidian und Muschel, 600–900 n. Chr., INAH, Campeche. Auf dieser Maske sind die drei Ebenen des Kosmos dargestellt: durch den Urzeitvogel auf der Kopfbedeckung, durch das Gesicht des begrabenen Würdenträgers und durch den Jaguargott der Unterwelt. Die Linie aus Spondylus calcifer, einer purpurfarbenen Muschel, umrahmt das Gesicht und verweist auf die unterirdische Wasserwelt.

Die Götterwelt der Maya hat Wesen mit einander widersprechenden Eigenschaften: sie können gleichzeitig männlich und weiblich sein, jung und alt, tierisch und menschlich, schöpferisch und zerstörerisch – so wie es auch die Natur ist, der die Vorbilder entstammen. Es kann sich auch um Verbindungen handeln, Ergebnis einer Überlagerung unterschiedlicher Gottheiten.

Die Maya – Sprache der Schönheit, bis 7. August 2016, Martin Gropius Bau, Berlin

(12.04.2016)