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Ein kompakter Erdblock erzählt von einer der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Kriegs

Dass Massengrab von Lützen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Foto: LDA Sachsen-Anhalt / Juraj Lipták

Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle geht es um die Frage, ob das Kriegführen Teil der menschlichen Natur ist

Ein tonnenschwerer Erdblock, als Ganzes gehoben und im Labor präpariert, steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Krieg. Eine archäologische Spurensuche“ im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Es ist ein Massengrab mit 47 Toten aus dem Dreißigjährigen Krieg, aus der Schlacht 1632 von Lützen, im heutigen Sachsen-Anhalt zwischen Leipzig und Weißenfels gelegen. Dieses Aufeinandertreffen der protestanischen und der kaiserlichen Heere zählte rund 6500 Tote und gilt als eine der blutigsten Kampfhandlungen jener Zeit von von 1616 bis 1648.

Die Ausstellung geht unter anderem der Frage nach, seit wann die Menschen überhaupt Krieg führen und ob dieses Phänomen der massenhaften gegenseitigen Zerstörung mit immer wirkungsvolleren Waffen vielleicht zu unserer Natur gehört.

Spuren an menschlichen Skeletten altsteinzeitlicher Jäger und Sammler scheinen zu belegen, dass es schon immer Gewalttätigkeiten zwischen ihnen gab. Jedoch kann man von kriegerischen Auseinandersetzungen im weitesten Sinne erst ab der Jungsteinzeit sprechen, als die Menschen sesshaft geworden und an Land und Haus gebunden waren.

Der Erdblock mit dem Massengrab steht an zentraler Stelle der Ausstellung. Foto: Norma Literski-Henkel

Im Laufe der folgenden Jahrtausende bildete sich allmählich ein eigener Stand von Kriegern heraus: „Sie verfügten über ein besonderes Selbstverständnis und zeichneten sich durch eine spezialisierte Bewaffnung aus. Auch Kriegstechnik, Strategie und Taktik entwickelten sich stetig weiter, während das Leid der Menschen im Krieg zeitlos bleibt“, schreiben die Ausstellungsmacher.

Anhand der Fundstücke aus dem Massengrab und weiterer archäologischer Dokumente lassen sich jedoch auch Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen der Kämpfer der damaligen Zeit ziehen. „Sie erzählen von einer aus Not und Hunger geborenen Armee von Humpelnden und Versehrten, über die in Geschichtsbüchern kaum etwas zu finden ist“, so die Ausstellungsmacher.

Funde vom Schlachtfeld bei Lützen (1632), auf einer zeitgenössischen Darstellung der Schlacht ausgelegt. LDA Sachsen-Anhalt / Juraj Lipták

Neben diesen Elenden gab es jedoch auch eine Oberschicht in den Heeren, im Fall der Schlacht von Lützen namentlich den schwedischen König Gustav II. Adolf und den kaiserlichen General Albrecht von Wallenstein. Beide gelten als die fähigsten Heerführer ihrer Zeit. Auch ihre Lebensbedingungen werden in der Ausstellung dokumentiert. Der schwedische König kam übrigens in der Schlacht zu Tode.

„Krieg. Eine archäologische Spurensuche“, Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle, noch bis zum 22. Mai 2016

Ausstellungsbesprechung in der taz

(22.04.2016)