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Ein Schiff aus Marmordreiecken als Ort der Erinnerung an den Sklavenhandel über den Atlantik

„Ark of Return“. Foto: Rick Bajornas

Vor dem Hauptquartier der UN steht der „Ark of Return“, der mit einem der Pinnacle Awards des MIA 2015 ausgezeichnet wurde

„Ark of Return“ (Bogen der Wiederkehr) ist das Denkmal zur Erinnerung an den Sklavenhandel über den Atlantik betitelt. Es wurde 2015 vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen eingeweiht und im selben Jahr mit einem der Pinnacle Awards des Marble Institute of America (MIA) ausgezeichnet. Die Jury würdigte mit ihrer Preisvergabe die außergewöhnlichen Leistungen, die die beteiligten Naturstein- und Ingenieurfirmen unter Beweis stellten.

Die Initiative ging von der UN-Organisation für Kultur (Unesco) aus. Als Architekt des Denkmals wurde Rodney Leon ausgewählt. Er hat familiäre Wurzeln in der Karibik. Leon versuchte, die unfassbare Episode der Geschichte – geschätzt wurden 15 Millionen Afrikaner als Sklaven nach Süd- und Nordamerika geschafft – gegenständlich und wortwörtlich umzusetzen.

Das Dreieck ist bei ihm der zentrale Baustein des Denkmals. Die Europäer hatten nämlich ihren Menschenhandel des 15. bis 19. Jahrhunderts als Dreiecksgeschäft organisiert: die Afrikaner wurden nach Mittel-, Süd- und Nordamerika gebracht und dort an die Plantagenbesitzer verkauft; die Schiffe nahmen die Produkte der Plantagen von dort nach Europa mit; vom Erlös kauften sie in Europa Manufakturwaren, die wiederum in Afrika gegen Sklaven eingetauscht wurden.

Die Rundfahrt über Nord- und Südatlantik erlaubte auch, die Windrichtungen und die Meeresströmungen optimal auszunutzen.

Das Denkmal als Ganzes greift entfernt die Form eines Schiffes auf.

Das Denkmal als Ganzes greift entfernt die Form eines Schiffes auf. Besser vorstellen kann man es sich als ein längliches Zelt, durch das der Besucher hindurchgehen kann.

Die beiden Seitenwände hat Rodney Leon aus Marmordreiecken unterschiedlicher Größe komponiert. Sie sind auf einem Stahlgerüst montiert.

Die beiden Seitenwände hat Rodney Leon aus Marmordreiecken unterschiedlicher Größe komponiert. Sie sind auf einem Stahlgerüst montiert.

Die besonderen Anforderungen an die ausführenden Firmen (siehe unten) bestanden unter anderem darin, die Dreiecke mit ihren komplexen Winkeln passgenau zu schneiden und die Anker in den Platten exakt mit den Halterungen im Stahlgerüst zur Deckung zu bringen.

Zur Verfügung standen für das Zuschneiden der Steinplatten bis zur Endabnahme des Projekts zudem nur 45 Tage.

Die Marmorwände innen im Denkmal tragen Darstellungen der Schiffsrouten beziehungsweise der Art, wie die Menschen liegend auf niedrigen Decks im Bauch der Schiffe „gestapelt“ wurden.

In einer Nische in der Wand liegt eine Figur, deren Kopf sowie Arme und Beine aus schwarzem Marmor Absolute Black aus Zimbabwe gearbeitet sind.

In einer Nische in der Wand liegt eine Figur, deren Kopf sowie Arme und Beine aus schwarzem Marmor Absolute Black aus Zimbabwe gearbeitet sind.

Nähert sich ein Besucher, kullern Wassertropfen aus den Augenhöhlen der Figur.

Nähert sich ein Besucher, kullern Wassertropfen aus den Augenhöhlen der Figur. Das Gesicht ist androgyn gestaltet – damit wollte der Architekt dokumentieren, dass sowohl Männer und Frauen als auch Kinder als Sklaven verschleppt und verkauft wurden.

Auf dem Boden des Mahnmals ist Marmor mit wellenähnlichen Adern ausgelegt.

Auf dem Boden des Mahnmals ist Marmor mit wellenähnlichen Adern ausgelegt.

Der Titel „Ark of Return“ (Bogen der Wiederkehr) bezieht sich auf die „Door of no Return“ (Tür ohne Wiederkehr) auf der Sklaveninsel Gorée vor der Küste des Senegal. Mit der Umkehrung der Bezeichnung wollte der Architekt dem geschichtlichen Ereignis eine neue Perspektive geben: im Dreiklang „Acknowledge the tragedy, consider the legacy, lest we forget” (Die Tragödie anerkennen, das Vermächtnis bedenken, niemals vergessen) sollen die Besucher daran erinnert werden, dass es auch heute noch Ausbeutung, Menschenhandel und so genannte moderne Sklaverei gibt und dass man etwas dagegen tun kann.

Endpunkt des Wegs durch das Denkmal ist ein dreieckiges Wasserbecken.

Endpunkt des Wegs durch das Denkmal ist ein dreieckiges Wasserbecken, wo die Besucher das Gesehene reflektieren und vielleicht ein Gebet sprechen sollen, wie es auf der Webpage des Architekten heißt.

Verwendet wurden verschiedene Sorten des Marmors Danby White aus dem US-Bundesstaat Vermont.

Rodney Leons Entwurf war in einem Internationalen Wettbewerb mit über 300 Einreichungen aus 83 Ländern ausgewählt worden. Die Gesamtkosten des Projekts betrugen 1,7 Millionen US-$.

Eingeweiht wurde das Denkmal am 25. März, an dem die UN jährlich an die Opfer des Sklavenhandels erinnern. Die Einweihung war das erste größere Ereignis der „Decade for People of African Descent“ von 2015 bis 2024, die den Beiträgen der Menschen mit afrikanischen Wurzeln zur Weltgeschichte gedenken will.

Den künstlerischen und gestalterischen Wert des Denkmals wollen wir lieber nicht kommentieren.

Ark of Return

Rodney Leon

Finalisten im Wettbewerb und Jury

Picco Engineering

Precision Stone

ABC Worldwide Stone

Union Marble and Granite

Fotos: Picco Engineering

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(14.06.2016)