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Eingriffe, Durchgriffe oder Umarmungen einer Marmorplatte?

Milena Naef: „Fleeting Parts“.

Milena Naef hat für ihre Abschlussarbeit in Cristallina-Marmor den Kunstpreis der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam bekommen

Ist es ein Hineingreifen oder ein Hindurchgreifen durch den Stein oder doch eher eine Umarmung der Steinplatte? Die 26-jährige Milena Naef hat für ihre Bachelor-Arbeit an der Gerrit Rietveld Academie einen der so genannten GRA Awards erhalten. Die Fachhochschule für Kunst und Design mit Sitz in Amsterdam vergibt diese Auszeichnung jährlich an die besten ihrer Absolventen.

Milena Naef hat dort die Fachrichtung Glas absolviert, sich allerdings für die Abschlussarbeit dem Marmor zugewandt.

Das kommt nicht von ungefähr. Denn der Vater, Alex Naef, ist einer der Gründer der Bildhauerschule von Peccia im Schweizer Tessin, und dort arbeitet man nicht zuletzt mit dem Marmor aus dieser Gegend. Der trägt den Namen Cristallina.

Milena Naef: „Fleeting Parts“.

So viel zum Stein und zur Künstlerin. Nur: wie arbeitet man die Leerflächen mit den dreidimensionalen Rändern, die bei ihren Eingriffen oder Umarmungen entstehen, aus einer Steinplatte heraus? Schließlich, das ist auf den Fotos zu erkennen, ist kein Millimeter Luft zwischen Stein und Haut und wird auch nicht gepresst.

Milena Naef: „Fleeting Parts“.

Milena Naef bediente sich für ihre Arbeit mit dem Titel „Fleeting Parts“ (Flüchtige Teile) einer MDF-(Span)Platte, aus der sie die grobe Form des Ausschnitts heraussägte. Die exakten Umrisse des Arms oder Beins usw. wurden dann im Zwischenraum von MDF-Platte und Körper mit Gips abgeformt. Mit Hilfe dieser Schablone wurde anschliessend der Ausschnitt auf die Marmorscheibe übertragen und sorgfältig von Hand herausgearbeitet.

Milena Naef: „Fleeting Parts“.

Die Jury der Schule stellte in der Begründung für die Preisvergabe heraus, dass Milena Naef „einen Weg gefunden habe, auf das altehrwürdige Material ein neuartiges, persönliches und physikalisches Licht zu werfen“. Die junge Künstlerin bediene sich des Steins und des MDF, gleichzeitig aber würden beide Materialien auch sie gewissermaßen benutzen: ihr Körper werde in den Marmor hineingefaltet, nach den Vorgaben der herausgearbeiteten Formen.

Das ist „eine Wahrnehmung, der man sich aussetzen muss“, schreibt die Jury weiter.

Gerrit Rietveld Academie

Scuola di Scultura

„Fleeting Parts” und weitere Abschlussarbeiten des aktuellen Jahrgangs der Gerrit Rietveld Academie werden vom 23. September bis 02. Oktober 2016 in der Galerie „Selected” (Looiersgracht 60, Amsterdam) gezeigt.

Fotos: Scuola di Scultura

Milena Naef: „Fleeting Parts“.Milena Naef.

(27.07.2016)