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Neustart in Carrara: die Marmotec präsentierte sich mit b2b-Meetings und nutzte dafür das Internet als virtuelle Erweiterung der Messe

Mit großem Aufwand vorbereitet und nach Messeangaben sehr ergiebig waren die b2b-Meetings auf der Carrara Marmotec.

Weitere Neuheiten der „zero edition“ im Mai 2016 waren der Kongress über Nachhaltigkeit und die Förderung von Startups

Die Messe Carrara Marmotec hat einen Neustart gemacht und sich neu erfunden. In einer Presseerklärung des Veranstalters IMM Carrara wird die diesjährige Ausgabe als „zero edition“ bezeichnet, also Ausgabe mit der Nummer Null.

Zur Erinnerung: die alle 2 Jahre stattfindende Branchenschau am Fuß der Weißen Berge von Massa und Carrara fand zuvor bereits 32mal statt, verlor aber in den letzten Jahren dramatisch an Ausstellern und Besuchern.

Kernbestandteile des neuen Konzepts sind: b2b-meetings mit besonderer Vorbereitung, eine Konferenz zu Nachhaltigkeit als wichtigem Thema für die Branche und eine besondere Förderung von Start-up-Unternehmen aus der Region.

Zunächst die Zahlen: 189 Aussteller präsentierten sich vom 18.-21. Mai 2016 auf rund 20.000 m² Ausstellungsfläche. Knapp 10.000 Besucher gab es laut Veranstalter: 23% davon kamen aus dem Ausland aus 55 Ländern.

Der Hintergrund des Neustarts der Marmotec ist: weltweit haben (fast) alle nationalen oder regionalen Messen einen Niedergang erlebt, angefangen von der Piedra in Madrid bis hin zur Stone+tec in Nürnberg, um nur 2 zu nennen. Die Piedra agiert inzwischen mit anderen Branchen unter einem Dach, in Nürnberg hat man die Schau für ein Jahr ausgesetzt und ist dabei, ein neues Konzept auf die Beine zu stellen.

Die b2b-Meetings der Marmotec könnten eine interessante Neuerung sein. Neu ist diese Idee nicht, allerdings hat die IMM Carrara das Treffen von Anbietern mit potenziellen Käufern auf neue Art und Weise organisiert: man arbeitete mit einer Agentur zusammen, die – zwei Monate vor der Messe – damit begann, die richtigen Paarungen zusammenzustellen.

Das geschah mit Hilfe spezieller Computerprogramme, so dass am Ende jeder Aussteller von Naturstein einen Terminplan mit 30 Treffen hatte. Bei den Anbietern von Technologie betrug diese Zahl sogar 38. „Die Auswahl der Käufer ist ein langer und aufwändiger Prozess“, gibt die Messe ihre Erfahrungen wieder.

Insgesamt habe es 3432 Treffen gegeben, so die Messe. „60% der Verkäufer waren zufrieden, während die Zufriedenheit bei den Käufern sogar über 85% erreichte.“

Doch wo kamen die Einkäufer her?

„Mit einem Incoming Programm, das teils von der Italienischen Handelsagentur (ICE) und der Region Toscana finanziert wurde, haben wir 220 internationale Einkäufer nach Carrara geholt“, heißt es weiter in der Presseerklärung.

Schließlich: für die Gäste gab es auch ein „dichtes Lernprogramm“, bei dem sie von der Qualität der Steine und Technologie aus der Region überzeugt werden sollten.

Man hielt sie an also an der kurzen Leine, sozusagen.

Ein weiterer wichtiger Teil des neuen Profils der Marmotec war die First International Sustainable Stone Conference, in der es um „grüne“ Themen im Zusammenhang mit Naturstein ging. Die italienische Professorin Francesca Golfetto zum Beispiel sieht die Messe der Zukunft als eine Art von „zeitweiligen Clustern für die Verbreitung von Knowledge“, wo Branchenvertreter für einen kurzen Zeitraum zusammenkommen, um das, was sie irgendwie im Internet oder sonstwo schon mal gehört haben, in der Tiefe zu verstehen.

Die Konferenz setzte diese Idee um, indem sie in vielen Vorträgen alle Aspekte des Themas Nachhaltigkeit für die Steinbranche auslotete.

Um Innovation ging es auch bei der Förderung von Startup-Unternehmen: Die Marmotec bot einigen Neulingen für wenig Geld Ausstellungsflächen.

Wir fassen zusammen und kommentieren:
* Beim b2b-Programm der Marmotec wurde ein Teil der Kontaktanbahnung, wie sie Messen als Ziel haben, ins Vorfeld der Veranstaltung und ins Internet verlagert;
* man trieb großen Auswand, um ein optimales „matching“ (Passgenauigkeit) von Verkäufern und Käufern zu erreichen;
* Kennzeichen des b2b-Programms war auch, dass kontinuerlich die Zufriedenheit der Beteiligten abgefragt wurde;
* ob das Einfliegen von Käufern langfristig nicht kontraproduktiv ist, wird man beobachten müssen;
* enttäuschend am Congress war die geringe Beteiligung von Firmenvertretern aus der Region um Carrara. Sollte man künftig mit solchen in die Zukunft gerichteten Veranstaltungen vorrangig die junge Generation ansprechen?
* Chancen haben die kleineren Messen zweifellos inzwischen insofern, als die großen wie Xiamen oder Verona so riesig geworden sind, dass dort „alles an einem vorbeirauscht“, wie mancher Besucher schon beklagt;
* der 2jährige Rhythmus der Marmotec könnte sogar positiv für das neue Konzept sein: Denn wirklich Wichtiges und Neues kommt kaum im jährlichen Rhythmus hervor.

Unsere Fotos zeigen Arbeiten von 2 Startup-Unternehmen und des Liceo Artistico Felice Palma-Massa.

Carrara Marmotec

First International Sustainable Stone Conference: Conference Proceedings Book

„Trade Shows in the Globalizing Knowledge Economy“, Harald Bathelt, Francesca Golfetto and Diego Rinally, Oxford University Press

Be-different

Apuana Corporate

Liceo Artistico Felice Palma-Massa

Fotos: IMM Carrara / Firmen / Peter Becker

Die Firma Be-different hat einen (patentierten) Ständer für Tablets und Smartphones entwickelt, bei dem man die Neigung des Bildschirms mit einem Handgriff verändern kann.Die Firma Be-different hat einen (patentierten) Ständer für Tablets und Smartphones entwickelt, bei dem man die Neigung des Bildschirms mit einem Handgriff verändern kann.Von Be-different stammen auch die Marmorkugeln, die Hochprozentiges kühlen.Bei „Marble Leap“ von Apuana Corporate hat sind Sensoren in eine Tischplatte eingebaut. Mit ihnen kann man Batterien kabellos aufladen...... oder Gerätefunktionen fernsteuern.Liceo Artistico Felice Palma-Massa.Liceo Artistico Felice Palma-Massa.Liceo Artistico Felice Palma-Massa.

(04.08.2016)