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Antiker Marmorkopf mit Untersatz aus dem Barock

Kopf des Septimus Severus mit Büste aus späterer Zeit mit verschiedenen Sorten Buntmarmor. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Adrian Sauer

Die Ausstellung „Von Schönheit und Größe“ zeigt im Albertinum in Dresden „römische Portraits und ihre barocke Aneignung“

Ein originaler Marmorkopf aus der Antike auf einer Büste, die erst im 16. oder 17. Jahrhundert hergestellt wurde – die Ausstellung „Von Schönheit und Größe. Römische Portraits und ihre barocke Aneignung“ zeigt bis zum 06. November 2016 zahlreiche solcher Kunstwerke, deren Bestandteile aus den unterschiedlichen Epochen stammen. Sie sind im Dresdner Albertinum zu sehen und stammen aus der Antikensammlung, eine der ältesten museal präsentierten, großen Kollektionen außerhalb Italiens.

Die Bestände waren seit dem Elbehochwasser nicht mehr zu sehen und warten auf ihre Neupräsentation in der Osthalle des Semperbaus am Zwinger.

Rund 50 Portraits von Kindern, Frauen, Politikern, Feldherren und der herrschenden Elite im römischen Alltag werden gezeigt. Sie standen auf öffentlichen Plätzen und wirkten als eine Art Massenmedium auf breite Bevölkerungsschichten. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die oft nur fragmentarisch überlieferten Werke aufwändig und repräsentativ mit Büsten aus farbigem Gestein ergänzt oder in antiker Manier nachgearbeitet. Sie gelangten im frühen 18. Jahrhundert aus der Brandenburgischen Sammlung Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) und aus der römischen Sammlung des Fürstenhauses Chigi nach Dresden.

Bildnis des Caracalla. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Hans-Peter Klut, Elke Estel

Unter den Objekten befinden sich außergewöhnliche Werke, wie die Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius (150–160 n. Chr.), das Porträt seiner Frau Faustina (um 140 n. Chr.) auf einer prächtigen barocken Buntmarmorbüste oder die Büste des sogenannten Caligula aus Porphyr (17. Jahrhundert), auf deren Erwerbung August der Starke wegen des kostbaren Materials besonderen Wert gelegt hatte.

Als Leihgabe aus dem Grünen Gewölbe ist unter anderem ein Kabinettstück von Johann Melchior Dinglinger und Balthasar Permoser ausgestellt, das eine antike Kamee eines römischen Kaisers in kostbarer Fassung zeigt. Im 18. Jahrhundert sah man in dem Bildnis den ersten römischen Kaiser Augustus. Mit seinem Namensvetter verband August der Starke seinen eigenen Ruhm als Herrscher und Schirmherr der Künste.

Blick in die Ausstellung. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin FörsterManche der Stücke sind schlichtweg (Teil-)Fälschungen. Aber die Mode im Barock ging nach antiken Stücken, und so wurden halt welche von Meistern der Bildhauerei komplett produziert oder als Einzelteile aus verschiedenen Epochen kombiniert.

Wissen muss man dabei, dass die Frage, ob ein Stück ein Original war, oft nicht das ausschlaggebende Kriterium für einen Kauf war. Hoher Wert wurde auch auf die Kunstfertigkeit einer Arbeit, den Wert des Materials oder die Bedeutung der abgebildeten Person gelegt.

Von Schönheit und Größe. Römische Portraits und ihre barocke Aneignung“, bis 06. November 2016, Albertinum, Dresden

(02.08.2016)