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3D-Drucken mit Natursteinmehl: der neue „Stone on Demand“ bietet viele Möglichkeiten für die Marmorbranche

3D-Drucker können komplexe Strukturen aus Steinmehl plus Bindemittel herstellen. Foto: Desamanera

Verwertung des Abfalls aus der Steinverarbeitung / Die Branche sollte nicht wieder eine Innovation verschlafen wie bei den Engineered Stones

Update: Filippo Gobbin von der Firma Desamanera hält einen Vortrag zum Thema auf dem World Stone Congress während der Xiamen Stone Fair (08. März 2017, 14-15 Uhr, Raum 402).

Einen Namen für die neue Technologie haben wir uns schon überlegt: „Stone on Demand“.

Es geht um 3D-Drucken mit Steinmehl, das zum Beispiel aus dem Zersägen von Rohblöcken stammt. Stand der Dinge ist, dass es inzwischen Drucker gibt, die mit einem Endlosfaden aus Granulat plus Bindemittel zum Beispiel Wände oder komplizierte dreidimensionale Objekte Schicht-auf-Schicht herstellen können.

Das Thema hat ein enormes Potenzial für die Natursteinbranche.

Zum einen geht es um die Verwendung des Steinmehls, das überall in der Gewinnung und Verarbeitung von Naturstein anfällt.

3D-Drucker können komplexe Strukturen aus Steinmehl plus Bindemittel herstellen. Foto: Desamanera

Mehr noch: „Stone on Demand“ könnte sich zu einem neuen Konkurrenten für Marmor, Granit & Co entwickeln. Wir erinnern uns: auch die Engineered Stones verwenden Steinmehl, und dort hat die Natursteinbranche versäumt, die Herausforderung sich zu eigen zu machen.

Inzwischen sind die Engineered Stones ein starker Konkurrent zum Beispiel bei Küchenarbeitsplatten. Immerhin gibt es ein paar Steinfirmen, die sich bei diesen Kunststeinen einen Marktanteil gesichert haben.

Die Maschinen beherrschen inzwischen die grundlegenden Herausforderungen beim 3D-Drucken:
* welche Korngröße muss das Steinmehl für bestimmte Verwendungen haben?
* welche Harze oder natürlichen Bindemittel sind geeignet?
* wie lange muss das Objekt nach dem Drucken trocknen, oder kann man das etwa durch lichtempfindliche Zugaben beschleunigen?
* können Farben dem Druckvorgang beigegeben werden?

In Italien ist die Firma Desamanera schon weit über die Experimentierphase hinaus. Sie verwendet nur natürliche Bindemittel als Zusatz zum Steinmehl und kann nach eigenen Angaben Drucker für Objekte jeder Größe bauen. Die Zeit zum Aushärten dauert bei den von ihr verwendeten Materialien wenige Minuten, und danach kann die Oberflächenbearbeitung mit gewöhnlichen Steinmetzmaschinen beginnen.

Wie uns Antonino Italiano sagt, hat die Firma mit Sitz in Rovigo zwischen Venedig und Bologna gerade eine Neuigkeit entwickelt: „Unter dem Markennamen Pelle di Marmo (Marble Skin) können wir auf jede Oberfläche dünne Schichten von Marmor oder Mineralen aufbringen.“ Die Mindestdicke muss lediglich 1,5 – 2 mm betragen. Die Schicht aus Steinmehl wird jedoch nicht in Form von „Fäden“ auf eine Unterfläche aufgedruckt, sondern von Hand aufgetragen. Damit kann man auch Flächen beschichten, die der 3D-Drucker nicht erreichen könnte.

Antonino Italiano umreißt das Konzept des Unternehmens: „Wir bauen die Maschine exakt für das, was sie für den Kunden drucken soll.“

Jedoch sieht sich Desamanera nicht nur als Verkäufer von Geräten: „Wir suchen nach Partnerschaften, bei denen wir unser komplettes Knowhow übertragen können.“

Update: Filippo Gobbin von der Firma Desamanera hält einen Vortrag zum Thema auf dem World Stone Congress während der Xiamen Stone Fair (08. März 2017, 14-15 Uhr, Raum 402) .

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An der Brunel University in London gab es ein Forschungsprojekt zum Thema. Unterstützt wurde es vom Portland Sculpture and Quarry Trust.

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Intitute for Advanced Architecture of Catalonia (IAAC)

Das Intitute for Advanced Architecture of Catalonia in Spanien stellte im Dezember 2016 die erste komplett per 3D-Druck hergestellte Fußgängerbrücke der Welt der Öffentlichkeit vor. Material war aber nicht Steinmehl. Foto: IAAC

(26.02.2017)