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Die 300 Jahre alten Sandstein-Originalfiguren kommen wieder ans Portal V im Neubau des Berliner Schlosses

Historische Aufnahmen der Hermen am Portal V des Berliner Schlosses: links Frühling, rechts Sommer. Quelle: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

Die Arbeiten an der Fassade gehen in die nächste Phase / An den historischen Teilen sollen die Spuren der Zeitgeschichte erkennbar bleiben

Die Rekonstruktion der historischen Fassaden für das Humboldt Forum sieht den Einbau von originalen Fragmenten aus dem untergegangenen Berliner Schloss vor. Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Berlin, einer Expertenkommission und Restauratoren wurden von den noch wenigen erhaltenen Fragmenten geeignete Stücke zum Wiedereinbau ausgewählt. Zerstörte Teile werden rekonstruiert.

Zu den Originalen gehören unter anderem die großen Hermen, also menschliche Oberkörper auf Säulenschäften, die Frühling und Sommer darstellen. Sie sind schon am Portal V eingebaut, jedoch noch hinter Gerüsten und Planen verborgen.

An Portal IV rechts daneben wird diese Figurenreihe mit Herbst und Winter fortgesetzt. Die Originale dieses Portals finden sich bekanntlich an der Fassade des ehemaligen Staatsratsgebäudes nebenan, heute: ESMT-Hochschule.

Für die Rekonstruktion am Schloss wurden nun sie in 3D gescannt und dann im traditionellen Punktierverfahren von Steinmetzen in Sandstein nachgehauen. Die zentrale Rolle spielte dabei Andreas Artur Hoferick mit Restaurationswerkstatt in der Behaimstraße Berlin-Weißensee.

Die Seite des Berliner Schlosses am Lustgarten und Dom. Links das Portal V, rechts das Portal IV. Rendering: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Zu den Hermen an Portal V kommen weitere 14 originale Fragmente hinzu. Nach ihrem Einbau sollen die Spuren der Zeitgeschichte ablesbar bleiben. Es wurden daher im Gegensatz zum „Staatsrats“-Portal IV keine Ergänzungen von abgebrochenen Teilen oder verwitterten Oberflächen vorgenommen.

Beispielsweise sind die roten Ölfarbesignaturen auf den Objekten aus der Abrissphase 1950 wieder sichtbar und konserviert.

An folgenden Bauteilen werden die Originalfragmente nach ca. 300 Jahren wieder im ursprünglichen architektonischen Kontext eingebracht:

Steinmetzstücke am Portal 5: 14 Stück;

Bildhauerstücke, Frühling u. Sommer am Portal 5: 2 Stück (bestehend aus 13 Einzelobjekten);

Säulentrommel am Hofportal (HP) 2: 1 Stück;

Bildhauerstücke, Genien vom Tympanon HP2: 2 Stück (bestehend aus 6 Einzelobjekten);

korinthische Kapitelle Hofportal 3: 1 Stück komplett und 2 Abaki;

Steinmetzstück am Grundstein Portal 4: 1 Stück.

Fragmente, die aus konservatorischen Gründen nicht verwendet werden können, wie z.B. die Tondi mit den römischen Königsportraits, die originalen Lünetten Stärke und Gerechtigkeit vom Portal 5 oder die acht 3 Meter hohen Kolossalstatuen vom Portal 6 im Schlüterhof wurden restauriert. Sie werden zukünftig im Skulpturensaal des Humboldt Forums zu sehen sein.

Die Hermen, die wieder an der Schlossfassade angebracht wurden, zur Begutachtung in der Schlossbauhütte: links Frühling, rechts Sommer. Quelle: Bertold Just / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Im Zuge des Projektes Errichtung des Humboldt Forums wird parallel an der Archivierung und Katalogisierung aller vorhandenen und neu gefundenen Fragmente vom Berliner Schloss gearbeitet.

Technisch aufwändig sind auch die Holzfensterkonstruktionen aus europäischer Weißeiche, die fast die gesamte Fassadenfläche der Portale einnehmen. Allein die mittleren Fenster im 2. OG sind über 20 m² groß (6,65 x 3,41 m). Es sind Kastenfenster wie im traditionellen Berliner Altbau mit einem etwa 40 cm breiten hinterlüfteten Zwischenraum. Dort sind zwei unterschiedliche Behänge zum Sonnenschutz bzw. zur Verdunkelung möglich.

Insgesamt gibt es 513 historisch rekonstruierte und 445 moderne Fenster.

Quelle: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

(20.04.2017)