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Wie die Minerale Labradorit, Azurit, Vesuvianit oder Goethit zu ihren Namen kamen

Der Goethit ist die „Wald- und Wiesenvariante“ des Eisenhydroxids. Dieses Stück wurde in Spanien gefunden und wird in der Ausstellung in Jena gezeigt. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Die neue Sonderausstellung an der Universität Jena macht anhand der Benennungen eine Reise durch die Welt und die Zeitläufte

Was haben die Minerale Labradorit, Charoit und Vesuvianit gemeinsam? Sie alle wurden nach Orten benannt und verweisen bis heute auf die Stelle ihres Erstfundes: auf die nordamerikanische Labrador-Halbinsel im Osten Kanadas, den ostsibirischen Fluss Tschara sowie den Vulkan Vesuv in Italien. Welche weiteren Lokalitäten und anderen Merkmale Namensgeber für Minerale sind, beleuchtet die neue Sonderausstellung der Mineralogischen Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena bis zum 16. Oktober 2017.

Dem Ausstellungstitel „Mein Name ist…“ entsprechend werden die rund 250 gezeigten Stücke mit ihren Namen und deren Hintergründen vorgestellt. Unterteilt wird die Namensgebung nach Orten, Eigenschaften, Personen und historischen Begebenheiten.

So gehören zu den nach Eigenschaften benannten Mineralen unter anderem der himmelblaue Azurit und der Galenit, dessen bergmännischer Name Bleiglanz lautet.

Ein Schmuckstück der Exposition ist die Glasvitrine mit Repliken historischer Diamanten, deren berühmteste in den Kronen der Herrscher landeten.

Möglicherweise beflügelt die Sonderausstellung sogar dazu, sich selbst auf Mineralsuche zu begeben, denn: „Wer eins findet, darf es benennen“, so Kustodin Dr. Birgit Kreher-Hartmann. Eine Kommission müsse allerdings den Vorschlag prüfen und zustimmen; 30 bis 50 Minerale werden im Jahr neu entdeckt.

So kommen Namen zustande wie Silvialit, betitelt nach der Tochter eines österreichischen Geowissenschaftlers, oder Okruschit, nach dem bedeutenden Mineralogen Martin Okrusch.

In der Ausstellung zu sehen ist auch dieses Exemplar des Goethits, das in Friedrichroda in Thüringen gefunden wurde. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Bemerkenswert ist die Geschichte zum ausgestellten Goethit, einem Eisenhydroxid, das über zwei Mineralphasen verfügt. Ein Bergmann benannte im 19. Jahrhundert eine davon nach dem Dichter und wissenschaftlicehn Multitalent: einen Rubinglimmer mit rot-durchscheinenden Blättchen. Als sich später aber herausstellte, dass das Mineral bereits vorher gefunden und benannt worden war, setzte sich die andere Gesteinsphase als Goethit durch. „Diese ist die Wald- und Wiesenvariante des Eisenhydroxids, die man überall findet – was ja gut zu Johann Wolfgang von Goethe passt, der auch fast überall einmal gewesen ist“, erklärt die Kustodin.

Randnotiz für Freunde der FSU Jena: Einen Schillerit gibt es bislang übrigens nicht.

Die Ausstellung „Mein Name ist…“ in der Mineralogischen Sammlung (Sellierstraße 6) der Universität Jena ist bis zum 16. Oktober 2017 montags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr zu besuchen, der Eintritt ist frei. An je einem Sonntag im Monat stehen die Türen ebenfalls offen.

(03.06.2017)