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Mario Botta hat eine „Steinblume“ („Fiore di pietra“) in 1700 m Höhe auf dem Monte Generoso errichtet

Mario Botta: „Fiore di pietra“.Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Das Gebäude mit Fassade aus Kalkstein beherbergt Restaurants und Konferenzräume und dient als Anlaufpunkt für die Touristen

„Fiore di pietra“ (Steinblume) nennt Mario Botta sein neuestes Werk. Es liegt in 1704 m Höhe auf dem Monte Generoso auf der Grenzlinie zwischen der Schweiz und Italien und stammt unverkennbar aus der Planung des weltweit aktiven Architekten: die Fassaden tragen Bänderungen, in auffälliger Weise sind runde und eckige Formen kombiniert und das Bauwerk nimmt deutlichen Bezug auf seine Umgebung: Das prägende Material für die Fassaden ist Kalkstein aus der Nähe.

Hingegen einen deutlichen Gegensatz zum Hochgebirge setzt das Gebäude mit seiner Form eines Blütenkelches.

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Bottas „Steinblume“ liegt unmittelbar neben der Bergstation der Zahnradbahn, die mit der neuen Attraktion wieder mehr Touristen anlocken soll.

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Auf dem schmalen Plateau mit einem großartigen Panoramablick war bis 2010 das Hotel Bellavista betrieben worden. Es stammte aus der Zeit um 1900, war jedoch zuletzt nicht mehr sicher, weil sich der Fels bewegt hatte und Risse im Untergrund aufgetreten waren.

Mario Botta, der übrigens aus der Ortschaft Mendrisio am Fuß des Massivs stammt und dort heute sein Büro betreibt, legte ein Konzept vor, was anstelle des Hotels neu entstehen könnte. Die Idee überzeugte die Schweizer Migros-Genossenschaft. Sie ist der größte Lebensmittelhändler des Landes und stellt auch Geld für kulturelle Projekte zur Verfügung. Migros hatte im Jahr 1941 im Rahmen seiner Aktion „Kulturprozent“ die Zahnradbahn übernommen, als diese in Schwierigkeiten geraten war. Jedoch war die Strecke ohne das Hotel neben der Bergstation nie wirklich erfolgreich.

Zuletzt kam also der Junge aus dem Tal zum Zuge, der inzwischen über 70 Jahre alt ist und bei der Eröffnung der „Steinblume“ im April 2017 voller Inbrunst erzählte, wie er in jungen Jahren auf den Monte Generoso geklettert war und sich bei schönem Wetter an der schier unendlichen Sicht und der Leichtigkeit dort oben berauscht hatte.

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Die Grundform der „Steinblume“ ist rund. Hinter den eckig gewölbten Blütenblättern verbergen sich fünf Etagen: der Eingang mit Windfang und einer Ausstellung zur Geschichte rund um den Berg, darüber ein Technikgeschoss, dann eine Ebene mit Konferenzräumen, darüber schließlich 2 Etagen mit einem Self-Service-Restaurant und einem Lokal für gehobene Ansprüche.

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Während die „Blütenblätter“ steinern und abweisend wirken, erscheinen die dazwischen liegenden Flächen offen mit großen Fenstern. Sie bieten großartige Panoramablicke.

Den Stein für die Fassaden lieferte die Firma Elio Sangiorgio aus Lodrino nahe Biasca. Die Anbringung an den Fassaden besorgte die Firma M.F.V. SA de Stabio.

Botta wählte diesen Stein, weil er dem Fels des Gebirges am nächsten kommt. Übereinander gestaffelt sind Bänder mit glatter beziehungsweise gespitzter Oberfläche. Für die Gestaltung der Innenräume wählte Botta Eichenholz.

Spektakulär wie die Lage am Rand eines steilen Abhangs von über 300 m war das Bauvorhaben selbst:
* um den Untergrund zu sichern, musste der Fels zunächst mit Mikropfählen mit 600 m Gesamtlänge konsolidiert werden;
* nach dem Abriss des alten Hotels wurden für die „Steinblume“ in einer ausgeklügelten Logistik 1500 m³ Beton, 170 t Betonstahl, 400 m² Fenster und fast 1000 m² Eichenholz nach oben geschafft. Insgesamt handelte es sich um mehr als 20.000 t;
* dafür wurde eine temporäre Transportseilbahn errichtet, die während der Bauphase von weniger als 2 Jahren rund 3000 Fahrten in jeder Richtung bewältigte.

Die Konstruktion der „Steinblume“ ist enormen Windlasten und das Material großen Temperaturdifferenzen ausgesetzt.

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Aspekte des Energiesparens sind eine Wärmerückgewinnung in der Lüftung und die Nutzung der großen Fenster für die Sonneneinstrahlung. Die Heizung wird mit Pellets aus dem Muggiotal betrieben. Für den Anschluss an Strom, Wasser und Kommunikation wurde eine 2 km lange Rohrleitung talwärts verlegt.

Touristische Attraktionen auf dem Bergmassiv sind unter anderem über 50 km Wanderwege, Höhlen mit prähistorischen Funden, steinerne Rundbauen (Le Nevère), die ehemals als Kühlschränke dienten, oder Angebote zum Klettern, Gleitschirmfliegen und Mountainbiking.

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

Die Zahnradbahn braucht 40 Minuten von der Talstation in Capolago am Luganer See.

Das Bauingenieurbüro Brenni Engineering AG zeichnete für das statische Konzept verantwortlich und das Büro Marzio Giorgetti Architetti für die örtliche Bauleitung.

Die Gesamtkosten betrugen 20 Millionen Schweizer Franken. Eine Million Franken steuerte der Kanton Tessin bei.

Mario Botta Architetti

Marzio Giorgetti Architetti SA (Mail)

Monte Generoso

Fotos: Enrico Cano

Video (1, 2)

Migros Kulturprozent

Mario Botta: „Fiore di pietra“.

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(12.06.2017)