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Naturwerksteine in Sinzig am Rhein: pdf mit vielen Informationen zu dem Baustoff, der meist übersehen wird

Der Sinziger Löwe, ein Denkmal aus Basaltlava für die Gefallenen der Weltkriege. Die Oberfläche ist gestockt, um das Fell des Tieres nachzuahmen. Foto: Oliver Rockstedt / Wikimedia Commons

Professor Johannes H. Schroeder hat vor dem Hintergrund seiner eigenen Geschichte eine Bestandsaufnahme der Stein-Verwendung in der Kleinstadt gemacht

„In Sinzigs Kernstadt kann man über 50 Steinsorten entdecken … Die Steine sind an oder in Gebäuden sowie im städtischen Freiraum – im Pflaster, an Brunnen, Denkmälern u.a. – zu sehen, die meisten aus der Nähe.“ So heißt es einführend in dem neuesten Stadtführer zu Naturstein, der diesmal als pdf zum kostenlosen Download im Netz bereit steht. Autor ist Johannes H. Schroeder, emeritierter Geologieprofessor an der TU Berlin, auf dessen Initiative schon einige Bücher mit Stein-Stadtspaziergängen in deutschen Städten erschienen sind.

Jetzt also Sinzig, gelegen auf halbem Weg zwischen Koblenz und Bonn, auf jener Flussseite, wo die Ahr, aus der Eifel kommend, in den Rhein mündet.

Die Experten unter den Lesern werden wissend nicken: dort wurde Grauwacke aus der Nachbarschaft verbaut, ebenso Basaltlava, Trachyt und Tuff aus Westerwald und Eifel und schließlich Sandstein aus der Gegend um Trier. Schroeder aber, mit der ihm eigenen Liebe zu den Details, geht den exakten Stellen nach, wo man in Sinzig auf diese Sorten stößt, und darüber hinaus auch, wo in der Kleinstadt inzwischen Naturstein aus fernen Ländern verbaut ist (etwa im Pflaster auf Brunnen-und Marktplatz besteht aus Sorten aus China und der Türkei).

Wobei dazuzusagen ist, dass die Menschen schon immer Steine aus fremden Ländern schätzten, besonders wenn es um auffallende Farben oder Strukturen ging. Schroeder unterzieht zum Beispiel die Bodenplatten im Sinziger Schloss (um 1855 errichtet) einer genauen Betrachtung und stellt fest, dass sie aus Belgien, Italien und Portugal stammen.

Das Sinziger Schloss, Fassade unter anderem mit Rheinischer Basaltlava, Rheinischer Grauwacke und Udelfanger Sandstein sowie Moselschiefer auf dem Dach. Foto: Thoma (talk), Doris Anthony / Wikimedia Commons

Also ist die Lektüre des pdfs mit 39 Seiten für Natursteinfreunde ein Genuss, weil sie immer wieder auf neue Aspekte aus der Welt von Marmor, Granit & Co hingewiesen werden.

Zum Beginn gibt es wie üblich bei Schroders Stein-Stadtspaziergängen Informationen zu den Sorten, zum Kreislauf der Gesteine und zur Bearbeitung der Oberfläche durch Steinmetze.

Sein Konzept von Wissenschaftsjournalismus basiert auf der Idee, den Leser zunächst mit anschaulichem Grundlagenwissen auszustatten, um ihn schließlich von der Leine zu lassen und auf eigene Entdeckungen zu schicken: „Wenn Sie sich dann fit fühlen, streifen Sie durch die Stadt: Es gibt durchaus noch weitere Stein-Vorkommen: Finden Sie diese und erkennen Sie die Steine wieder!“

Schließlich: Warum ausgerechnet Sinzig?

Die Erklärung findet man auf Seite 5, wo Schroeder diese Veröffentlichung seinem Ururgroßvater Gustav Bunge und seiner Mutter Ruth Schroeder widmet. Auf Seite 35 folgen die Details: Die Familie stammt nämlich aus Sinzig, und nach dem Krieg fuhren jene Schroeders mit dem kleinen Johannes, die damals in Schleswig-Holstein zuhause waren, in den Sommerurlaub zu den Verwandten an den Rhein. „Begeistert erkundete meine Mutter mit uns 5 Kindern die Region.“

Was blieb dem Kind da übrig, als sich die Angewandten Geowissenschaften als Beruf zu wählen?

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Stein-Stadtspaziergänge

(14.06.2017)