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„Stonematters“ von AAU Anastas ist ein selbsttragendes Gewölbe aus Kalkstein-Elementen

AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.

Die Architekten aus Palästina greifen auf die uralten Prinzipien der Stereotomie zurück, wo Stein als tragendes Baumaterial zum Einsatz kommt

In Jericho in Palästina haben die Architekten von AAU Anastas wieder ein Bauwerk errichtet, das große Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung findet: es ist ein Gewölbe, zusammengesetzt aus 300 Elementen aus lokalem Kalkstein und selbsttragend.

Es trägt den Namen „Stonematters“: das kann heißen, dass Naturstein ein wichtiges Thema ist, aber auch, dass hier neue Ideen für das traditionelle Material zur Debatte stehen.

Der Anspruch, den die Architekten mit Büro in Paris und in Jericho mit dem Projekt verbinden, ist groß: das Bauwerk soll einen Weg zeigen zu einer Art des Bauens, wie sie einmal typisch für die Region war und die einen Beitrag zur Identität der Palästinenser von heute leisten könnte.

AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.

Das Zauberwort heißt Stereotomie, und auch andere Architekten rund ums Mittelmeer forschen dazu. Gemeint ist mit dem Begriff, dass Naturstein in der Architektur – anders als heute üblich – nicht nur zur Dekoration etwa beim Verkleiden von Betonfassaden eingesetzt wird, sondern als tragendes Material. Das Konzept geht auf die Anfänge des Bauens zurück: Beispiele sind die Brücken, die sich aufgrund ihres Gewichts selber tragen, oder Gewölbe nach demselben Prinzip aber mit komplexerer Statik.

Ein Beispiel aus der Region ist die Sankt-Anna-Kirche in der Jerusalemer Altstadt. Sie wurde im 12. Jahrhundert mit Architekturkonzepten gebaut, nach denen schon die Kreuzfahrer ihre Gotteshäuser bauten.

AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.

Das Gewölbe überdeckt eine Gesamtfläche von 60 m² und ist über eine Länge von 7 m aufgespannt.

Mit Berechnungen am Computer wurden die Linien festgelegt, wie die Lasten in der Konstruktion am besten abgeleitet werden, und danach die beste Form der Bausteine berechnet.

Das Sägen der Bausteine aus den Rohblocks wurde bei Steinmetzen vor Ort ausgeführt. Weitestmöglich das lokale Knowhow zu nutzen ist ein Teil des Konzepts von AAU Anastas.

AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.

Für die Montage entstand zunächst ein Gerüst, auf dem speziell zugeschnittene Elemente aus Styropor abgelegt wurden. Diese ergeben in ihrer Gesamtheit die Unterseite des Gewölbes.

In dieser Struktur wurden dann die Bausteine abgelegt. Jeder Baustein hatte laut Berechnungen seinen Platz.

Zuletzt wurde das Gerüst wieder demontiert. Das geschah in kleinen Schritten unter kontinuierlicher Kontrolle ob es Bewegungen oder Setzungen im Gewölbe gab.

Dass seit der Fertigstellung im März 2017 auch Bürger aus der Umgebung nach Jericho gekommen sind und die Sache in Augenschein nahmen, war ebenfalls Teil des Konzepts. Denn das Gewölbe gehört zu dem geplanten el-Atlal, einer Wohnanlage für Künstler und Dichter.

Und: es soll „eine Keimzelle für eine bürgernahe Stadtgestaltung in Palästina sein“, schreiben die Architekten.

Beteiligt an dem Projekt waren auch das Forschungsinstitut GSA der École nationale supérieure d’architecture Paris-Malaquais.

AAU Anastas

el-Atlal

Fotos: Mikaela Burstow

AAU Anastas: „Stonematters“ in Jericho.

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(29.06.2017)